Habitat III: Dürftiger Fahrplan für Städte
Auf der Weltsiedlungskonferenz Habitat III im ecuadorianischen Quito haben die Regierungsvertreter von 193 Staaten am Donnerstagabend einen Plan für die Zukunft der Städte beschlossen. Die "New Urban Agenda" soll den Weg weisen, wie Städte innerhalb der nächsten Jahrzehnte nachhaltiger, integrativer und damit lebenswerter werden. "Wir müssen uns dazu entschließen, die Probleme der Urbanisierung anzupacken, und ich glaube, das ist hier geschehen", sagte Joan Clos, der Geschäftsführer des Siedlungsprogramms der Vereinten Nationen, auf der Abschlusssitzung der Weltsiedlungskonferenz.


Dem Beschluss zufolge soll die Armut verringert werden und städtischer Wohnraum bezahlbar bleiben. Auch die Infrastruktur soll sich verändern: Künftig sollen der Verkehr umweltfreundlicher, Gebäude energiesparsamer und die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umgestellt werden.
Dass die hehren Ziele mit der Agenda tatsächlich erreicht werden, bezweifeln jedoch viele Wissenschaftler, Regierungsberater und zivilgesellschaftliche Organisationen. "Das rasante Städtewachstum wurde hier in Quito überhaupt nicht als dringliches Problem diskutiert", sagte Timon McPhearson von der New Yorker New School. Dabei seien schon mehrere planetare Grenzen überschritten worden – es blieben überhaupt nur noch 14 Jahre, um weltweit eine umfassende Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit zu schaffen. "Es ist mehr als klar, dass es sich in den Städten entscheidet, ob wir die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung erreichen und den Pariser Klimavertrag erfüllen oder nicht", so McPhearson. Die New Urban Agenda liefere aber beispielsweise nicht einmal einen Plan zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele.
Frauke Kraas vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) lobte zwar die guten Ansätze in der Agenda, bemängelte aber, die Staaten hätten konkrete Vorgaben ausgespart. "Es fehlt vor allem an einer langfristigen Vision und konkreten Zielvorgaben, an denen sich ein verbindliches Engagement der einzelnen Staaten explizit messen lässt", sagte Kraas. Damit bleibe das Dokument ein zahnloser Tiger, so die deutsche Regierungsberaterin. Zudem berücksichtige es wichtige Themen überhaupt nicht, etwa die integrierte Stadtplanung, Vorteile dezentraler Stadtstrukturen oder den Umgang mit informellen Siedlungen. Auch der Umwelt- und Klimaschutz tauche nur vereinzelt auf.
Prognosen zufolge werden in den nächsten Jahrzehnten zwischen drei und vier Milliarden Menschen in Städte ziehen – das wäre eine Verdopplung. Dieses rasante Wachstum und der damit einhergehende soziale Wandel hat Stadtplanern und Soziologen zufolge das Potenzial, Gesellschaften zu destabilisieren und Konflikte zu schüren. Für den globalen Treibhausgasausstoß hat das massive Konsequenzen: Schon jetzt setzen die Bewohner von Städten bis zu 70 Prozent aller klimaschädlichen Treibhausgase frei.
Gerade aufgrund ihrer großen Verantwortung hätten die Vertreter der Städte besser auf dem Gipfel eingebunden werden müssen, sagte Lisa Junghans von der Umweltorganisation Germanwatch. Zwar handle es sich bei dem sogenannten Habitat-Prozess um klassische, von Staaten getragene UN-Gespräche und -Vereinbarungen. Trotzdem sei es problematisch, dass Städtevertreter bei den Entscheidungen über ihre eigene Entwicklung am Ende ausgeschlossen blieben.
klimaretter.info/kir






















