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Industrie macht Milliarden-Profit mit CO₂

Stahl- und Zementindustrie sind die größten Gewinner des Emissionshandels. Zwischen 2008 und 2015 strich die Schwerindustrie insgesamt 25 Milliarden Euro Zusatzgewinne ein, errechnete der in Brüssel ansässige Thinktank Carbon Market Watch (CMW) in einer aktualisierten Studie. Bereits im März hatte CMW in einer Studie auf hohe Gewinne von europäischen Unternehmen hingewiesen

BildIndustriezweige, die mit dem Emissionshandel besonders viel Geld verdient haben: Stahlindustrie, Zementbranche, Raffinerien und die Petrochemie. (Grafik: Carbon Market Watch)

Eigentlich sollen die Emissions-Zertifikate den CO2-Ausstoß in der Union deckeln und die Wirtschaft auf einen klimafreundlichen Pfad führen. Die Studienmacher kritisieren jedoch, dass durch kostenlose Zuteilungen dieser Gutschriften an die Industrie kein Anreiz zur Einsparung entsteht, weil es ein Überangebot gibt. Dadurch sind die Preise am Boden. Es ist schlicht billiger, für den CO2-Ausstoß zu bezahlen, als auf neue klimafreundliche Technologien umzurüsten.

Den Profite machten die Unternehmen durch den Verkauf der überschüssigen Zertifikate – jener kostenlosen Gutschriften, die vom Staat zu viel ausgegeben wurden –, immerhin 7,5 Milliarden Euro. Aber sie gaben auch Kosten des Emissionshandels an die Endkunden weiter, die ihnen laut CMW gar nicht entstanden sind, und kassierten so rund 17 Milliarden Euro zusätzlich. Auch mit billigen sogenannten Offset-Zertifikaten, die durch Klimaschutz-Projekte im Ausland generiert wurden, strichen die Unternehmen rund eine Milliarde an zusätzlichen Gewinnen ein. 

Die Stahlindustrie verdiente mit dem Emissionshandel rund neun Milliarden Euro, die Zementindustrie fünf Milliarden. Die höchsten Zusatzgewinne erhielten Unternehmen aus Deutschland, gefolgt von Großbritannien, Frankreich und Spanien. "Diese Zahlen zeigen einmal mehr, dass 'carbon leakage' ein Mythos ist", sagte Agnes Brandt von CMW mit Blick auf die regelmäßigen Drohungen aus energieintensiven Branchen, bei angeblich zu hohen CO2-Preisen abzuwandern. "Wenn Unternehmen einen Freibrief zum Verschmutzen erhalten, können sich CO2-arme Technologien einfach nicht durchsetzen." Nur wenn die Politik schärfere Regeln einführe, werde der Emissionshandel seiner eigentlichen Aufgabe gerecht, den CO2-Ausstoß in der EU zu senken. 

klimaretter.info/sg

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