"Irma" überrollt nach Kuba nun Florida

Der Mega-Sturm "Irma" hat nach Kuba den US-Staat Florida im Griff. Windspitzen von mehr als 200 Kilometern in der Stunde, meterhohe Sturmfluten und sturzbachartige Regenfälle setzen die Küstenregionen unter Wasser. Das Schlimmste soll den Bewohnern allerdings noch bevorstehen.

Von Jörg Staude

Mit Windgeschwindigkeiten von umgerechnet mehr als 200 Stundenkilometern, einer bis zu 4,5 Meter hohen Flutwelle und erwarteten Regenmengen von 500 Millimetern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden hat der Mega-Sturm "Irma" heute gegen 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Inselkette Florida Keys, den südlichsten Punkt der USA, erreicht.

Von Kuba kommend machte "Irma" vergangene Nacht einen Schwenk nach Nord-Nordwest und erreichte heute Morgen die Florida Keys. (Video: National Weather Service/​Twitter)

Schon nach den ersten Stunden fiel für 1,5 Millionen Haushalte in Florida der Strom aus, teilweise auch weit entfernt vom "Auge" des Hurrikans. 125.000 Menschen sollen in Notunterkünften Zuflucht gefunden haben. In der Metropole Miami steht das Wasser meterhoch in den Straßen. Auch der Flughafen steht unter Wasser. Ein Baukran stürzte um. Das öffentliche Leben soll für die kommenden drei Tage praktisch vollständig lahmgelegt sein. An der Ostküste Floridas haben sich am Abend binnen einer Stunde sechs Tornados entwickelt.

Das Auge des Megasturms bewegt sich derzeit mit einer Geschwindigkeit von zehn bis zwölf Kilometern pro Stunde nordwärts. Anders als vorhergesagt zieht "Irma" an der Westküste Floridas entlang und bedroht vor allem die Großstadt Tampa. Am Abend wurde der Sturm in die Kategorie Drei herabgestuft und das Auge des Wirbelsturms näherte sich der Stadt Naples, dem mit 20.000 Einwohnern ersten größeren Ort an der Westküste.

Hurrikan-Warnung erstmals auch für Atlanta

Die Behörden in Florida hatten mehr als sechs Millionen Einwohner aufgefordert, sich in sichere Gebiete zu begeben, allerdings hat dies offenbar nur ein Teil getan. In Florida leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen.

An der Westküste befinden sich – im Unterschied zur Ostküste Floridas – mehrere Flussmündungen. Das erhöht die Gefahr, dass die Sturmfluten weit ins Landesinnere vordringen. Floridas Gouverneur Rick Scott, der 7.000 Mitglieder der Nationalgarde mobilisierte, bat inzwischen um Staatshilfe von der Bundesregierung in Washington.

Eine Hurrikan-Warnung wurde erstmals in der Geschichte auch für Atlanta, die Hauptstadt des Bundesstaats Georgia, ausgesprochen. In der weit im Landesinnern gelegenen Stadt befindet sich der weltgrößte Flughafen.

Am Freitag und Samstag hatte der stärkste je in der Karibik registrierte Sturm auf der Insel Kuba schwere Schäden angerichtet. Böen mit bis zu 250 Stundenkilometern zerstörten Häuser, Straßen, Brücken und Stromleitungen und rissen ganze Bäume aus. Vor allem in den nördlichen Provinzen Villa Clara und Matanzas sind die Schäden in der Landwirtschaft und durch Überschwemmungen enorm. Dank eines gut ausgebauten Präventionssystems kamen aber nur wenige Menschen zu Schaden. Mehr als 1,5 Millionen Kubaner und 50.000 ausländische Touristen waren evakuiert worden.

"Irma" forderte bisher 28 Menschenleben

Insgesamt soll "Irma" auf seinem zerstörerischen Weg durch die Karibik bisher 25 Menschenleben gefordert haben. Drei weitere Menschen sind bereits in Florida bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, die durch den Sturm mitverursacht wurden.

Obwohl der Sturm noch anhält und mit "José" der nächste Hurrikan in der Karibik heranzieht, beginnen die Versicherer schon mit den ersten Schätzungen der Schäden. Laut Medienberichten beziffert der Versicherungsdienstleister AIR Worldwide allein die versicherten Schäden auf bislang 20 bis 65 Milliarden US-Dollar (rund 17 bis 54 Milliarden Euro). Die größte Schadenssumme würde dabei auf die USA mit 15 bis 50 Milliarden Dollar entfallen.

BildFünf-Tages-Vorhersage der US-Wetterbehörde NOAA (vergrößern): Die rote Hurrikan-Warnzone umfasst fast die gesamte Küste von Florida – wo auch mehrere Atomkraftwerke stehen. (Foto: NOAA/​Wikimedia Commons)

"Irma" hat nach Angaben der Nachrichtenagentur CNN bereits mehrere Rekorde aufgestellt, obwohl der Hurrikan noch mehrere Tage andauern wird. Es handelt sich um den stärksten jemals im Atlantik entstandenen Hurrikan, der außerhalb des Golfs von Mexiko und der Karibik gemessen wurde. Drei Tage lang wurde "Irma" in die höchste Kategorie Fünf eingestuft. Das ist die längste Zeit für einen Hurrikan, seit es Satellitenmessungen gibt. Kein anderer Wirbelsturm wies Windgeschwindigkeiten von 300 und mehr Stundenkilometern über eine so lange Zeit auf wie "Irma" – insgesamt waren es 37 Stunden.

Der Beitrag wurde um 21:30 Uhr aktualisiert

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Vom Kopf auf die Füße

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