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"Klimapapst" im Umweltausschuss

Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen WBGU, hat heute dem Umweltausschuss des Bundestages das Sondergutachten "Klimaschutz als Weltbürgerbewegung" vorgestellt. Das Gutachten war der Bundesregierung im September übergeben worden. Schellnhuber, der das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) leitet, nutzte seinen Auftritt in Berlin, um den Abgeordneten nachdrücklich den drohenden Klimawandel vor Augen zu führen und die vier Kernempfehlungen des Beirats zu erläutern.

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Keine Klimapolitik ohne Klimaforschung: Professor Schellnhuber erläutert die neuesten Erkenntnisse des WBGU im Bundestag. (Foto: Screenshot/bundestag.de)

Erstens müsse die Expertise der Klimaforschung in den politischen Prozess der Klimaverhandlungen fest eingebunden werden. Auch wenn, wie Schellnhuber betonte, Politik und Wissenschaft zwei verschiedene Sphären seien, so sei die Wissenschaft unverzichtbar, um die Weltklimapolitik auf Kurs zu halten: "Ohne Kompass kann ich ein Schiff nicht lenken." 

Zum Zweiten solle es in den Staaten das Recht geben, Klimaschutz bei den Verfassungsgerichten einzuklagen, um den gesellschaftlichen Druck auf die Regierungen zu erhöhen. Ein stärkeres Engagement der Zivilgesellschaft sei entscheidend, um den Klimaschutz voranzubringen. Der "globale Gesellschaftsvertrag zum Klimaschutz" manifestiere sich dabei nicht nur in Demonstrationen wie zuletzt in New York, sondern auch im Erstarken von Divestment-Bewegungen.

Als Drittes sei die völkerrechtliche Festschreibung des Zwei-Grad-Ziels notwendig, denn nur bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad Celsius seien die Folgen für die Gesellschaft in vielen Ländern zu bewältigen. Ein ungebremster CO2-Ausstoßes ("business as usual") werde zu einem Abschmelzen der Eisschilde nicht nur in Grönland und der West-Antarktis, sondern auch in der Ost-Antarktis führen. Das würde einen Anstieg des Meeresspiegels von 70 Metern nach sich ziehen.

Aus den Fakten ergibt sich sich für den WBGU als vierte Empfehlung das "Nullziel": Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, ist es nach den Erkenntnissen der Klimawissenschaft erforderlich, die weltweiten CO2-Emissionen schon bis 2070 auf glatt Null zu reduzieren. Spätestens 2030 müsse dabei der Scheitelpunkt des CO2-Ausstoßes erreicht sein.

klimaretter.info/mst

[Erklärung]  
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