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Klimagipfel stärkt Frauenrechte

BildEin Aktionsplan für Frauen ist auf der Klimakonferenz in Bonn verabschiedet worden. Ein Fortschritt, denn der Plan soll die Rolle von Frauen stärken – in der Klimapolitik und als Klimaschützerinnen. Fraglich ist aber noch die Durchsetzung.  

Von Sandra Kirchner

Sechs Seiten hat das Papier, das Frauenrechtlerinnen für höchst überfällig halten. Mit dem Gender-Aktionsplan verpflichten sich die Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens, die Rechte und die Gleichstellung von Frauen beim sich verstärkenden Klimawandel zu sichern.

BildKlimawandel und Frauen? Das wird in der Forschung bislang zu wenig berücksichtigt. (Foto: James Maiden/​CIFOR)

Der Entwurf für den Aktionsplan wurde jetzt in Bonn beim Klimagipfel vorgelegt und verabschiedet. "Wirksame Verfahren für eine geschlechtergerechte Klimapolitik und entsprechende Maßnahmen sind noch immer unterentwickelt", sagt Bridget Burns von der Women’s Environment & Development Organization (Wedo). Es gebe kaum Fortschritte bei der Gleichstellung, schönen Worten folgten bislang kaum Taten.

Wie drängend das Problem ist, bekommen Entwicklungs- und Frauenorganisationen bei ihrer Arbeit täglich zu sehen. Frauen, aber auch Kinder, Migranten, Indigene und Menschen mit Behinderung sind überdurchschnittlich anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels, etliche Hilfsprogramme erreichen Frauen nicht. So haben Männer in Uganda einen besseren Zugang zu Ressourcen wie Wetterinformationen oder trockenheitsresistenten Maissorten als Frauen und können sich besser auf lange Trockenperioden einstellen.

Ohnehin trifft klimabedingte Wasserknappheit Frauen überdurchschnittlich schwer: Sie sind in der Regel für das Wasserholen verantwortlich. Die Routen zu Wasserstellen verlängern sich bei Dürren. Häufig holen Frauen ihre Töchter aus dem Unterricht, damit sie ihnen beim Wassertragen helfen können.

Solche klimabedingte Benachteiligung von Frauen soll der Aktionsplan verringern. Fünf Schwerpunkte enthält der Plan: Der Frauenanteil in den Gremien der Klimarahmenkonvention UNFCCC – auch in Führungspositionen – soll steigen; innerhalb der verschiedenen UNFCCC-Gremien soll das abgestimmt erfolgen. Die Vertragsstaaten und die beteiligten Gremien der Klimarahmenkonvention sollen befähigt werden, Gender-Fragen besser zu verstehen und geschlechtergerechte Strategien und Programme zu entwickeln. Klimapolitische Maßnahmen sollen geschlechtergerecht gestaltet werden. Die Umsetzung und die Wirksamkeit der Vorhaben sollen überprüft und darüber soll verbindlich berichtet werden.

"Ein echter Gewinn für Frauenrechte"

Mit dem Entwurf ist die Frauenaktivistin Burns zufrieden: "Der Plan hat das Zeug, die Gleichstellung der Geschlechter in den unterschiedlichen UNFCCC-Mandaten zu beschleunigen."

Vertreter von Verhandlungsdelegationen und Frauenorganisationen sind zuversichtlich, dass der Gender-Aktionsplan auf dem Klimagipfel in Bonn angenommen wird. Dann müssen in den kommenden zwei Jahren konkrete Vorhaben und Schritte eingeleitet werden, um die Gleichstellung von Frauen zu verbessern.

"Der Aktionsplan ist ein echter Gewinn für Frauenrechte in den Klimaverhandlungen", sagt auch Francesca de Gasparis vom Southern African Faith Communities' Environment Institute, einer Umweltorganisation für das südliche Afrika. "Aber wir müssen abwarten, was die Länder in ihren Selbstverpflichtungen und ihrer Klimapolitik daraus machen."

Das sieht auch Wedo-Aktivistin Burns so. Sie will die Regierungen zur Rechenschaft ziehen, wenn es bei der Umsetzung des Aktionsplans hapert: "Alle Länder müssen mit Gleichstellungspolitik Menschenrechte durchsetzen, und die Industrieländer müssen in ihren Klimaplänen ernstzunehmende Finanzmittel dafür vorsehen."

Doch Burns geht es nicht nur um mehr Geld. Noch immer gebe es zu wenig Daten über den Zusammenhang zwischen Klimawandelfolgen und den Konsequenzen für Frauen. Um Maßnahmen zu entwickeln, die die Gleichstellung von Frauen tatsächlich verbessern, brauche es noch mehr Forschung.

BildEtliche Programme in Entwicklungsländern erreichen Frauen nicht – im neuen Aktionsplan steht, dass die Staaten das ändern müssen. (Foto: Tri Saputro/​CIFOR)

Die wenigen Studien, die es gibt, widersprechen sich sogar mitunter. So ergab eine Datenauswertung aus Australien, dass die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf einer Hitzewelle zu sterben, für Männer erhöht ist. Eine weitere Studie zeigt das Gegenteil, demnach liegt die Sterbewahrscheinlichkeit während extremer Hitze bei Frauen um zehn Prozent höher.

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Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 23 
finden Sie in unserem Fidschi-Bonn-Dossier

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