Der Gipfel mit dem E-Auto

Klimafreundlich zum Weltklimagipfel nach Bonn? Die klimaretter.info-Redaktion erhielt die Möglichkeit, das Elektroauto "Zoé" des französischen Herstellers Renault zu nutzen und auf der Fahrt zum und während der Konferenz zu testen. Hier der erste Reisebericht: Raststätten-Hopping.

Wie legt man mit einem Elektroauto eine Entfernung von mehr als 600 Kilometern zurück – zwischen der Berliner klimaretter.info-Redaktion und ihrer zeitweisen Heimstatt nahe Bonn, dem Ort des am Montag beginnenden Klimagipfels COP 23? Laut Werksangaben ist das mit dem "Zoé" kein großes Problem: Eine Batterieladung reicht bis zu 400 Kilometer, steht in den Unterlagen, gemessen allerdings nach dem superschönfärberischen Testverfahren NEFZ. 

Bild Der "Zoé" gilt als das derzeit meistverkaufte reine Elektroauto in Deutschland, die Batterie hat 41 Kilowattstunden Kapazität. (Foto: Staude)

Im Realbetrieb sind die 400 Kilometer mit zwei Personen und leichtem Gepäck keinesfalls drin. Mit unserem "Zoé" sind, vorausgesetzt, die Batterie ist randvoll, dann höchstens 280 Kilometer zu schaffen – und weil man, wie beim fossilen Auto auch, sich immer eine Reserve lassen sollte (kann sein, es kommt ein Stau, eine Umleitung oder die Tankstelle ist geschlossen) rechnen wir mit etwa 200 Kilometern, die man maximal in einem Ritt zurücklegen sollte.

Den "Zoé" fahren wir dabei meistens im sogenannten Eco-Modus, bei dem man das Strompedal zwar bis zur Bodenplatte durchdrücken kann, aber dennoch mit knapp 100 Stundenkilometern entspannt in der rechten Spur dahingleiten kann. Gilt es ab und zu, einen Laster zu überholen, nimmt man Eco weg und kann ruckzuck bis auf Tempo 130 beschleunigen. Dann ist Schluss.

Der "Zoé" ist kein Auto für Raser, sondern eins für Cruiser. Mit Automatikgetriebe und wegen dem tiefen Schwerpunkt der Batteriefährt es sich wie von selbst. Nach der ersten Stunde schon fragt man sich, wie man Autos mit tuckernden und vibrierenden Motoren jemals aushalten konnte.

Fernfahrt als Intelligenztest

Die Freude am E-Fahren wird allerdings erheblich getrübt durch das dünne Ladestellen-Netz, auch entlang der deutschen Autobahnen. Sobald man Berlin in Richtung Westen über die Autobahn A2 verlässt, beginnt die elektromobile Diaspora und die Suche nach der nächsten Raststätte, wo das Fahrzeug sich aufladen lässt, und das hoffentlich auch mit dem Ladeschlüssel oder der App des Anbieters, der einem den Strom verkauft. Fernfahrten mit dem E-Auto – das ist ein intelligentes Raststätten-Hopping, bei dem man sich genügend Unterhaltung oder Arbeit für unterwegs mitnehmen sollte.

Derzeit findet sich, so unsere Erfahrung, an den Autobahnen alle 150 bis 175 Kilometer eine geeignete Ladestation. Selbst mit Schnellladesäulen dauert es mindestens anderthalb Stunden, bis wieder so viel "Saft" in der Batterie ist, dass man sicher bis zum nächsten Strom-"Zapfhahn" kommt. Die Ladezeiten – bis zum Ziel brauchen wir dazu insgesamt drei Halte – verlängern die Reisedauer um etwa ein Drittel verglichen mit dem, was fossile Autos für so eine Strecke benötigen.

Klimaretter.info dankt dem Berliner Autohaus Olbrich & Söhne und dem E-Mobilitätsanbieter Plugsurfing für die Unterstützung der Testfahrt

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