Krokodile, Gorillas und Kohlenstoff

Der gute Wille

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Ein unwirtlicher Ort. In die Sümpfe der zentralafrikanischen Republik Kongo verirrt sich normalerweise kaum jemand. Infrastruktur – gleich null. Zugänglich ist das Gebiet im Kongobecken überhaupt nur am Ende der Trockenzeit, doch selbst dann ist der Boden nach extrem nass. Und dann kriegt man es, wenn man Pech hat, auch noch mit Krokodilen, Gorillas und Elefanten zu tun ...

Britische und kongolesische Wissenschaftler hatten das Gebiet 2014 als erste genauer untersucht – und dort ein gigantisches Torfmoor entdeckt. Dass es dort Torf geben würde, hatten sie aufgrund von Satellitenaufnahmen zwar schon vermutet, mit eigenen Augen gesehen hatte den Ort noch keiner.

Das Kongo-Moor hilft dabei, die Klimageschichte besser zu begreifen. Durch die Bildung der Torfmoore überall auf der Welt sind der Erdatmosphäre in den vergangenen 10.000 Jahren gewaltige Mengen Kohlenstoff entzogen und langfristig eingelagert worden – und das Moor in Zentralafrika ist wegen seiner Größe ein sehr wichtiger Teil des Kohlenstoff-Inventars der Erde.

Eine von Greenpeace ausgerichtete Expedition bestätigt nun die Vermutung, das das Kongo-Moor noch weit größer ist als zuerst vermutet. Es bedeckt mit 150.000 Quadratkilometern eine Fläche, die fast der Hälfte Deutschlands entspricht. Das Moor erstreckt sich bis weit in die westlich angrenzende Demokratische Republik Kongo. Bislang war seine Existenz nur für die kleinere Republik Kongo nachgewiesen worden.

Die teilnehmenden Wissenschaftler der Universitäten Leeds und Kisangani schätzen die Menge des in dem Moor gespeicherten Kohlenstoffs auf 30 Milliarden Tonnen – das entspricht immerhin der Menge an klimaschädlichem CO2, die weltweit binnen drei Jahren durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ausgestoßen wird.

In vielen Regionen der Welt sind Torfmoore bereits zerstört – durch Trockenlegung, um Agrarland zu gewinnen, Abholzung der dort wachsenden Bäume oder Torfabbau. "Diese Moore müssen für den Klimaschutz intakt bleiben", sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Waldexperte. "Nur wenn der Urwald über dem Moor unangetastet bleibt, gelangen die gigantischen Mengen an Treibhausgasen nicht in die Atmosphäre."

Die Organisation fordert finanzielle Unterstützung für die Gemeinden im Kongobecken, um den Wald vor Abholzung und Zerstörung zu bewahren. Deutschland könne über die "Central African Forest Initiative" (CAFI) seinen Einfluss für dortige Waldschutzprojekte geltend machen.

BildDas größte tropische Torfmoor der Welt liegt im Kongobecken und ist ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher. (Foto: Kevin McElvaney/​Greenpeace)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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