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Spenden statt Sperrmüll

Der gute Wille

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Möbel sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Das Ehebett von Uroma und Uropa hielt 40 Jahre. Das Schränkchen aus dem Wohnzimmer der beiden, massives Holz, Jugendstil-inspiriert, wird über Generation vererbt.

Doch das ist die Ausnahme. Längst sind auch Möbel der Mode unterworfen. Für das "neue Lebensgefühl", das die Möbelhäuser heute mitzuliefern versprechen, muss das alte Zeug raus, das eigentlich noch gar nicht so alt ist.

In Deutschland werden nach Schätzungen jährlich rund 100 Millionen Möbelstücke entsorgt, obwohl sie eigentlich noch okay sind. An den Sperrmüll-Tagen ist es unübersehbar. Schränke, Sofas, Regale, Tische – alles kommt raus auf die Straße. Motto ex und hopp. Nur noch zehn bis 15 Jahre beträgt im Schnitt die Lebensdauer von Möbeln. Das heißt, ein Deutscher, der 85 Jahre alt wird, tauscht im Leben fünf- bis achtmal sein komplettes Mobiliar aus.

Der Trend zu den schnelldrehenden Möbeln wird sich so schnell nicht ändern lassen. Doch immerhin gibt es eine Möglichkeit, die ausgemusterten Teile vor dem Sperrmüll zu bewahren: die Möbel-Spende. Gerade im Wirtschaftswunder-Land Deutschland geht die Schere zwischen Reich und Arm auf, und so gibt es viele Menschen, die sich neue Möbel nicht leisten können. Sozialverbände und andere Organisationen bieten an, die ausrangierten Teile an Leute zu vermitteln, die sie brauchen. Gerecht wird die Republik dadurch nicht, aber es hilft, Not und Umweltbelastung zu reduzieren.

Der Sache widmet sich neuerdings auch Deutschlands größtes Online-Portal für Möbel und Einrichtung in einem eigenen Projekt, genannt "Von Heim zu Heim". Es vermittelt potenziellen Spendern Adressen in ihrer Nähe, wo Möbel abgegeben werden können oder sogar eine Abholung verabredet werden kann – zum Beispiel das "Help Berlin", der "Möbelkeller" in Hamburg oder der "Familienmarkt" der Caritas in Frankfurt am Main.

Eine prima Sache also, denn das macht das Möbelspenden bekannter. Das Portal hat immerhin drei Millionen Besucher im Monat, und nicht wenige davon werden auch mal auf die Spendenaktion klicken, die auf der Startseite zu finden ist. Eine gute Sache, bis auf das blöde Gefühl, das sich einschleicht, wenn man weiterliest. "Für jede Möbelspende", heißt es da, "gibt es einen Zwölf-Prozent-Nachlass." Und vielleicht gewinnt man sogar einen Gutschein über 200 Euro. Für was? Natürlich neue Möbel. Die man dann bald wieder spenden kann ...

BildMöbel können auch selbst aus Materialien bestehen, die normalerweise weggeworfen werden – wie hier aus Autofelgen. (Foto: Tatoli Ba Kultura/​Wikimedia Commons)

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info

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