Einsichtsloser Trump, Lernen von China und die Hausaufgaben der nächsten Regierung

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

Lückings Woche

Bild

klimaretter.info: Herr Lücking, Hurrikan "Harvey" hat die USA regelrecht heimgesucht. Erwarten Sie, dass Präsident Trump nun seine Meinung vom Klimawandel verändert?

Gero Lücking: Trump war noch nie einsichtig. Also wird er auch hier trotz des erschreckenden Ausmaßes der Katastrophe nicht einsichtig sein.

Fast 90 Prozent der Solarstromprojekte, die vor zwei Jahren die Ausschreibung für sich entschieden hatten, sind auch gebaut worden, hat die Netzagentur mitgeteilt. War die Umstellung auf Ausschreibungen also eine richtige Entscheidung der Großen Koalition?

2015 gab es die erste Photovoltaik-Ausschreibung in Deutschland. Die durchschnittliche Förderhöhe lag bei 9,17 Cent pro Kilowattstunde. Nach inzwischen sechs Ausschreibungen bis Ende 2016 ist diese Förderhöhe auf 6,9 Cent gesunken. Also innerhalb von knapp zwei Jahren ein Kostenvorteil von rund 25 Prozent – ein Erfolg, der sich sehen lassen kann.

Gleichzeitig sind die Umsetzungsquoten hoch, also erfüllen auch hier die Ausschreibungen – beziehungsweise die Firmen, die die Zuschläge erhalten haben – die Erwartungen. Es drohen sonst empfindliche Strafzahlungen, die im Übrigen dem EEG-Konto zugute kämen.

Und auch bei den jüngsten Wind-Ausschreibungen geht die Preisdegression weiter. So sank auch hier die durchschnittliche Vergütung von Windanlagen an Land von 5,71 auf 4,28 Cent pro Kilowattstunde. Damit liegen die Kosten für den erzeugten Windstrom unterhalb derer der Photovoltaik.

Das alles gibt Luft, um den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen. Zudem wird dadurch der wirtschaftliche Vorteil gegenüber der konventionellen Erzeugung immer offensichtlicher. Es wird also kein Zurück zur alten Energiewirtschaft mehr geben.

Das macht Hoffnung, dass wirklich in naher Zukunft fossile Energieträger einfach im Boden bleiben und nicht mehr gefördert, verbrannt und zu Strom umgewandelt werden. Nur durch diese ökonomischen Vorteile wird es gelingen, den Klimawandel weltweit zu stoppen.

Langsam beginnt die heiße Wahlkampfphase, schon in drei Wochen wird ein neuer Bundestag gewählt. Was fordern Sie von der nächsten Regierung?

Die jetzige Regierung hat mit dem Digitalisierungsgesetz, dem Strommarktgesetz und der EEG-Reform wichtige und richtige Weichenstellungen vorgenommen. Das Digitalisierungsgesetz regelt den Smart-Meter-Rollout, das Strommarktgesetz erteilt Kapazitätsmärkten eine Absage und setzt auf marktwirtschaftliche Mechanismen und die EEG-Reform reduziert durch die Einführung von Ausschreibungen die Kosten des Ausbaus der Erneuerbaren.

Die neue Bundesregierung muss im Bereich Verkehr, bei der Sektorenkopplung und beim Ausbau der Erneuerbaren Schwerpunkte für die nächste Legislaturperiode setzen.

Beim Verkehr stehen das Verbot der Diesel-Technologie und der Umstieg auf die Elektromobilität im Vordergrund.

Um die Sektorenkopplung zu beschleunigen, muss Strom systematisch von Abgaben und Umlagen befreit werden. Dann werden Stromanwendungen in den Bereichen Wärme und Verkehr billiger und damit attraktiver. Da der Strom zunehmend regenerativ erzeugt wird, werden so die CO2-Emissionen auch in diesen Feldern nach und nach gesenkt.

Die Mindereinnahmen durch die Entlastungen beim Strom müssen über Kostenbelastungen konventioneller Energieträger wie Gas und Öl für Wärme und Kraftstoffe gegenfinanziert werden. Eine große Reform des Umlagesystems muss also beschlossen und eingeleitet werden.

Die letzte Forderung betrifft den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei müssen auch Lösungen gefunden werden, wie die Überkapazitäten bei den fossilen Kraftwerke systematisch abgebaut werden.

Das Thema Kohleausstieg muss also auf die Agenda. Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke mit mindestens 22.000 Megawatt Leistung müssen aus dem Markt genommen werden. Nur wenn diese CO2-Schleudern endlich stillgelegt werden, gehen die CO2-Emissionen nach unten.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Eine Tatsache, die hier wenig bekannt ist: In China sind Diesel-Pkw verboten. Welche Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben, ist mir nicht bekannt. Aber angesichts der neuesten Erkenntnissen aus "Dieselgate" und der stark zunehmenden Motorisierung in China kann das nur als sehr weise Entscheidung bezeichnet werden.

Wenn jetzt auch die in China angekündigte Quote für Elektroautos wirklich kommt – und nicht durch die Bemühungen der deutschen Hersteller und der Bundesregierung verwässert wird –, kann Deutschland von China hier viel lernen. Eine Rolle, an die wir uns wahrscheinlich werden gewöhnen müssen.

Fragen: Verena Kern

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen