Bei vegan geht's jetzt um die Wurst

Zur Debatte über den bereits im Juni veröffentlichten "Ernährungspolitischen Bericht 2016" am gestrigen Freitag haben die Regierungsfraktionen im Bundestag einen Antrag vorgelegt, mit dem sie sich für eine verbindliche Definition der Begriffe "vegan" und "vegetarisch" einsetzen. Ein Motiv dafür sei, heißt es im Antrag weiter, dass Hersteller vegetarischer und veganer Lebensmittel zunehmend Bezeichnungen wie "Soja-Rinderschnitzel" oder "vegetarischer Fleischsalat" verwendeten.

BildÄußerlich sieht man der Wurst oft nicht mehr an, ob Fleisch drin ist oder nicht – ein Horror offenbar für alle Nichtveganer und -vegetarier, denken die Regierungsfraktionen. (Foto: Martin Roell/​Flickr)

"Wir reden über 'vegan' und 'vegetarisch' und über die Frage, ob entsprechende Produkte mit Fleischbegriffen bezeichnet werden sollten", eröffnete Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Debattenreigen. Sein Parteikollege Alois Rainer gab sodann zu bedenken, dass man – gebe es verschiedene Definitionen der Begriffe "vegan" und "vegetarisch" – bei den Grundsätzen von Klarheit und Wahrheit bei der Lebensmittelkennzeichnung an "Grenzen" stoße. Werde von Veggieschnitzel und Veggiewurst gesprochen, habe er nur ein Stück weit Verständnis dafür. Rainer: "Für mich mit meinem beruflichen Hintergrund als Metzgermeister besteht Wurst aus Fleisch. Dementsprechend ist ein Schnitzel ein tierisches Produkt."

Ingrid Pahlmann von der CDU stellte gar die generelle Frage: "Wann ist eine Wurst eine Wurst? Wann ist ein Schnitzel ein Schnitzel?" Das sei nicht geklärt. Die Verbraucher müssten aber doch erkennen können, insistierte Pahlmann, was sie essen. Sei es wirklich Fleisch oder ein fleischfreies Produkt? "Es muss drin sein, was draufsteht, und es muss draufstehen, was drin ist."

Widerstände gegen Bezeichnungen wie "Sojaschnitzel" ortete Elvira Drobinski-Weiß von der SPD-Fraktion zuvörderst in den Reihen des Fleischerhandwerks. Sie halte es aber für ziemlich abwegig, dass ein Fleischesser das Sojaschnitzel für ein echtes Schnitzel halten könnte. Es gebe überhaupt keine Hinweise aus der Verbraucherforschung, dass es in den Supermärkten jetzt zu massenhafter Verwirrung oder Täuschung von Schnitzelkäufern komme. Für diese könnten dagegen Bezeichnungen wie "Sojaschnitzel" oder "Tofuwürstchen" ein hilfreicher Hinweis sein.

Die Grünen, denen der Landwirtschaftsminister ihre einstige "Veggieday"-Idee aufs Brot schmierte, hielten sich in der Debatte zurück und zweifelten nur an, dass Schmidt bei dieser wie bei anderen Initiativen überhaupt einmal Ergebnisse vorlegen könne. Am Ende wurde der Antrag der Regierungsfraktionen bei Enthaltung der Opposition angenommen.

klimaretter.info/jst

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