Kanzlerin: Mieterhöhungen fürs Klima
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat als Folge des schwarz-gelben Energiekonzepts deutlich höhere Mieten angekündigt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte sie: "Das wird noch schwierige Debatten geben." Offenbar sollen - nach Protesten von Hauseigentümerverbänden - die Belastungen von Sanierungen nun stärker auf die Bewohner von Mietwohnungen verschoben werden.
Kein Zwang in der Gebäudesanierung, CCS in großem Umfang. (Foto: Bergmann/Regierungonline)
In den vergangenen Wochen hatte es ein heftiges Tauziehen darum gegeben, wie im Energiekonzept eine schnellere und gründlichere Sanierung des Altbaubestandes geregelt werden soll. Umwelt- und Wirtschaftsministerium hatten sich in ihrem Entwurf darauf geeinigt, einen über 40 Jahre gestreckten "Sanierungsfahrplan" zu entwerfen - und auf der Basis dieser langfristigen Kalkulierbarkeit die Besitzer von Altbauten zu einer energetischen Sanierung bis 2050 zu verpflichten. Gepuffert werden sollte dies durch staatliche Förderprogramme. Nach heftigen Protesten von Lobbyverbänden wurde dieses Ansinnen gekippt. Man werde "keine Zwangssanierungen anordnen", heißt es nun im gestrigen Kabinettsbeschluss. Schließlich sei Deutschland "kein Zwangsstaat", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bei der Vorstellung des Energiekonzepts. Und weiter im Text: Die Regierung werde "das Mietrecht ausgewogen novellieren und für energetische Sanierungen investitionsfreundlicher gestalten."
"Gerade bei Mietwohnungen spiegeln sich die Investitionen der Eigentümer oft noch nicht ausreichend in den Mieten wieder", erläutert die Kanzlerin nun in der Süddeutschen. Künftig soll es offenbar höhere Mietsteigerungen geben als bisher erlaubt. "Ja, das findet natürlich auf den ersten Blick nicht jeder gut", so Merkel, aber es sei "doch verständlich", dass sich solche Investitionen auch für Vermieter rechnen müssten und nicht nur für Mieter, die ja hinterher schließlich von niedrigeren Energiekosten profitierten.

Energetische Sanierung von Häuseren - Merkel sagt höhere Umlegung der Kosten auf Mieter voraus.
Es gibt allerdings auch Beispiele dafür, dass Wohnhäuser "warmmietenneutral" nach Klimagesichtspunkten saniert werden können. Bei einem kürzlich fertig gestellten Sanierungsprojekt in Berlin-Spandau werden die Kosten für die energetische Sanierung zwar auf die Mieter umgelegt. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und ein Blockheizkraftwerke im Keller senken allerdings die Strom- und Heizkosten so weit, dass die Miete insgesamt nicht steigt.
Merkel will CCS in "großem Umfang"
Eher beiläufig bestätigte Angela Merkel in dem Interview die verbreitete Kritik, ihre Regierung mache eine Politik nach den Wünschen der großen Stromversorger. Nachdem trotz heftiger Widerstände deutlich längere Akw-Laufzeiten beschlossen wurden, plädierte die Kanzlerin nun auch für eine großangelegte Nutzung der umstrittenen Technologie zur CO2-Abspaltung und unterirdischen Endlagerung (CCS). Sie wolle "wirklich vorankommen auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien", so Merkel. Neben dem Ausbau der Stromnetze sei es dazu aber auch notwendig, "Kohlendioxid im großen Umfang unterirdisch zu speichern".
Verfochten wird die CCS-Technologie vor allem von den Stromkonzernen Eon, RWE und Vattenfall. Umweltverbände, Anwohner und etliche Wissenschaftler warnen aber vor den Risiken und unkalkulierbar hohen Kosten, die Wasserwirtschaft fürchtet zudem eine Verschmutzung des Grundwassers. Offenbar wegen Widerstandes der schwarz-gelben Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurde der Entwurf eines CCS-Gesetzes gestern vorerst aufgeschoben.
klimaretter.info/alf
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 00 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Über Berge und Täler will die Bundesregierung mit dem am Dienstag vom Kabinett beschlossenen Energiekonzept führen. Doch die Änderung des Atomgesetzes und das neue Kernbrennstoffsteuergesetz müssen erst noch durch den Bundestag, ein Gesetz zur Gebäudesanierung ist noch gar nicht formuliert und dann stehen der Regierung auch noch mehrere Verfassungsklagen ins Haus.
Schwarz-Gelb zerstritten: Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU)bekräftigt baldigen Umstieg auf Erneuerbare Energien, Brüderle und Westerwelle (FDP) werben mit niedrigen Strompreisen für die Akw.
Das Gesetz zur umstrittenen Kohlendioxid-Abscheidung und unterirdischen Verpressung wurde von der Tagesordnung des Bundeskabinetts genommen. Wirtschafts- und Umweltressort kündigen an, "kurzfristig" einen Gesetzesentwurf vorzulegen. Von Sarah Messina
Heute wird das schwarz-gelbe Energiekonzept Deutschlands beschlossen. Der 38-seitige Entwurfs des Energiekonzepts ist mittlerweile auf mehr als 50 Seiten angewachsen. "Mehr" steckt deswegen allerdings kaum drin in der Weichenstellung bis ins Jahr 2050: Ausnahmeregelungen, Prüfanträge und andere Änderungen machen aus der "Energierevolution" eine Mogelpackung. Aus Berlin Johanna Treblin
Schwarz-gelbes Energiekonzept: Nicht nur bei den Akw-Laufzeiten unterlag Norbert Röttgen gegen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle - eine ganze Reihe konkreter und sinnvoller Klimaschutzvorschläge von Fachleuten des Umweltministeriums blieb beim regierungsinternen Tauziehen auf der Strecke.
In einem Rutsch hat Schwarz-Gelb beim Atom-Gipfel am Sonntag auch das angekündigte Energiekonzept auf den Weg gebracht. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) feiern einen "großen Wurf", Kanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht gar von einer "Revolution in der Energieversorgung". Kritiker sprechen dagegen von einem "Generalangriff auf energiepolitische Fortschritte".
Ergebnisse hatte man erst gar nicht eingeplant: Bund und Länder geben sich nach dem Energiegipfel einig für einen noch nicht näher definierten schnelleren Atomausstieg und eine noch nicht näher definierte Beschleunigung des Umstiegs auf Erneuerbare.
Mineralölkonzerne geben zu, bereits jetzt zwei bis drei Cent aufs Benzin draufzuschlagen, um die am Jahresende fällig werdende Strafe zu finanzieren. FDP will Druck auf Umweltminister Röttgen (CDU) machen.
Längere AKW-Laufzeiten und ein verwässertes Energiekonzept: Aktivisten protestieren an zwölf Atomkraftwerken und vor dem Kanzleramt. Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) und SPD-Chef Gabriel richten ihre Augen bereits auf eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.
Wasserwirtschaft und Grundstückseigentümer wehren sich gegen Gesetzentwurf zur Erprobung der Kohlendioxid-Verpressung. Bürgerinitiativen kündigen Proteste vor dem Wirtschaftsministerium an. Ab kommenden Freitag steht der Gesetzesentwurf zur Anhörung. CDU-Abgeordneter Hans-Georg von der Marwitz stellt eigenes Positionspapier vor.
2,3 Milliarden Euro soll die im Sparpaket beschlossene Brennelemente-Steuer in die Staatskasse bringen. Die vier großen Stromkonzerne sind davon wenig begeistert und drohen bereits mit einer Klage. Am Nachmittag stecken Angela Merkel und die Chefs von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW beim "Energiegipfel" die Köpfe zusammen.
Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftminister Rainer Brüderle (FDP) machen das vieldiskutierte Hintergrund-Gutachten zum Energiekonzept öffentlich. Wenig überraschend sieht das Papier den Vorteil bei längeren Akw-Laufzeiten. Während Brüderle jedoch auf zwölf bis 20 Jahre setzt, beurteilt Röttgen die Unterschiede der einzelnen Szenarien als "minimal".
Der Bund will Mieter auch dann für Gebäudesanierung zahlen lassen, wenn sich die Betriebskosten danach nicht verringern



