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Gerade Schuldnern drohen Stromsperren

Haushalten und Familien, die von Hartz-IV-Leistungen oder Sozialhilfe leben und zudem noch verschuldet sind, wird besonders häufig eine Stromsperre angedroht oder der Strom abgedreht. Das ergab eine jetzt bekannt gewordene Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Deutschen Caritasverbandes. Nach Angaben der Bundesnetzagentur sollen 2016 mehr als sechs Millionen Haushalten Stromsperren angedroht worden sein, 328.000 Sperren wurden vollzogen.

BildÜber sechs Millionen Mal wurde letztes Jahr einem Haushalt in Deutschland eine Stromsperre angedroht. Auch wenn darunter Haushalte sind, bei denen das mehrfach geschah, ist das ein erschreckend hoher Anteil an den 41 Millionen deutschen Haushalten. (Foto: Julian Schwarzenberg/​Tekke/​Flickr)

Den Einfluss von Schulden bewertet die Caritas im Ergebniss der Studie als besonders hoch. So liege die Wahrscheinlichkeit für die Androhung einer Stromsperre bei einem Haushalt mit einem Kind, der allein von sogenannten SGB-II-Leistungen ("Hartz IV") lebt, bei neun Prozent, sofern keine Schulden vorliegen. Bestehen aber Schulden, so betrage die Wahrscheinlichkeit für eine angedrohte Stromsperre mehr als 21 Prozent.

Alleinstehende und Menschen mit schlechter Bildung müssen der Caritas zufolge mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit für eine Stromsperre leben. Bei Betroffenen ohne Schulabschluss betrage die Wahrscheinlichkeit für eine tatsächliche Stromsperre fast 14 Prozent, nahezu das Doppelte wie bei einem durchschnittlichen Bildungsniveau, wo die Wahrscheinlichkeit bei acht Prozent liegt.

Auch nach der vorgesehenen Erhöhung des Hartz-IV-Satzes im kommenden Jahr reichen die Bezüge nicht aus, um die Stromkosten zu decken. Darauf weist das Verbraucherportal Check24 hin. Im Schnitt zahlten Hartz-IV-Empfänger pro Jahr 158 Euro mehr für Strom, als der Regelsatz dafür vorsehe, rechnete das Portal jetzt vor.  Am stärksten von der Differenz betroffen seien Hartz-IV-Bezieher in Mecklenburg-Vorpommern, die jährlich 237 Euro mehr für Strom zahlten, als die Regelleistung vorsehe. Am geringsten sei der Unterschied in Bremen, betrage aber immer noch 86 Euro.

Angesichts der Zahlen fordern die Caritas und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eine Anpassung des Hartz-IV-Regelbedarfs an die tatsächlichen Kosten, besonders des Energiebudgets. Für Familien mit Säuglingen, Hochschwangere und Kranke, die elektrische Geräte etwa zur Atemunterstützung benötigen, müssten Stromsperren verboten werden. Für Bezieher von Niedrigeinkommen müsse über einen Stromzuschlag nachgedacht werden. Darüber hinaus seien ausreichende kostenfreie Beratungen zum Energiesparen und bei Stromschulden notwendig.

klimaretter.info/jst

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