Durchbruch für Strom vom Balkon

Dem breiten Einsatz steckbarer Mini-Photovoltaikanlagen, auch unter dem Stichwort "Strom von Balkon" bekannt, stehen offenbar keine technischen Hindernisse mehr im Weg. Die steckbaren Solarmodule zur privaten Stromerzeugung dürfen künftig direkt an normale Haushaltsstromkreise angeschlossen werden. Das ist das Ergebnis eines gerade abgeschlossenen Normierungsverfahrens beim Verband der Elektrotechnik (VDE), wie der Branchenverband und das Ökostromunternehmen Greenpeace Energy jetzt mitteilten.

BildEigener Solarstrom vom Balkon lässt den Stromzähler von Zeit zu Zeit langsamer laufen. (Foto: Julian Schwarzenberg/​Tekke/​Flickr)

Insgesamt sind, so geht aus den vorliegenden Informationen hervor, drei Normungen notwendig, um die Module im normalen Stromnetz betreiben zu können. Davon fehle nur noch eine eigene Produktnorm für die Geräte, die die Hersteller anwenden und die überprüfbar ist. "Daran arbeiten wir gerade", sagte Bernhard Weyres-Borchert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Mit einer Veröffentlichung dieser Norm werde für Anfang 2019 gerechnet.

Auch müsse noch geklärt werden, ob solche Module künftig spezielle Einspeisesteckdosen benötigen oder einfach per Schuko-Stecker ans häusliche Stromnetz angeschlossen werden können. "Wenn ein Solargerät unseren DGS-Sicherheitsstandard erfüllt, reicht eine Schuko-Steckdose völlig aus", betonte Weyres-Borchert aber, "da Photovoltaikmodule mit modernen Wechselrichtern denselben Schutz vor Stromschlag oder ähnlichen Gefahren bieten wie andere Haushaltsgeräte."

Der Fortschritt bei der Normung ist für Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann ein "längst überfälliger Durchbruch" zur Verbreitung der Solarenergie in deutschen Städten. Die DGS und Greenpeace Energy, aber auch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hätten die Sicherheit moderner Mini-Solaranlagen wiederholt durch Gutachten belegt und so die Arbeit an den Normen angeregt.  Mit dem Ergebnis des jetzt abgeschlossenen Normverfahrens müssten nun auch die Netzbetreiber, fordert Tangermann, zügig unkomplizierte Anmeldeverfahren einrichten und die Blockade der Mini-Solaranlagen beenden.

Bisher zeigen die Netzbetreiber unterschiedliche Reaktionen auf den Einbau von Mini-Photovoltaikanlagen. Einige dulden die Anlagen, andere reagieren mit Verboten bis hin zur Drohung, den Anschluss stillzulegen. Es ist aber rechtlich umstritten, ob die Netzbetreiber den Betrieb der Anlagen untersagen können.

In der Bundesrepublik schätzt man die Zahl dieser Mini-PV-Anlagen auf rund 20.000. Angesichts von Einkaufskosten von zumeist mehreren hundert Euro machen sich diese Anlagen erst nach mehreren Jahren Betrieb wirtschaftlich bezahlt.

klimaretter.info/jst

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