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Solarstrom vom Balkon einfacher gemacht

Der Netzbetreiber Westnetz soll ab sofort den Anschluss kleinerer Solarmodule mit einer Leistung von bis zu 300 Watt auf unbürokratische Weise gestatten, wie das Ökostrom-Unternehmen Greenpeace Energy jetzt mitgeteilt hat. Um das Modul beispielsweise auf dem Balkon aufzustellen und zur Versorgung des eigenen Haushalts zu nutzen, genüge es nunmehr, Namen und Adresse sowie Leistung und Fabrikat der Module zu melden. Auf einem Südbalkon lässt sich der Strombezug aus dem Netz laut Greenpeace Energy je nach Modell um fünf Prozent und mehr verringern. Das Netzgebiet von Westnetz, der Netztochter der RWE-Abspaltung Innogy, umfasst Nordrhein-Westfalen und große Teile von Rheinland-Pfalz sowie den äußersten Süden von Niedersachsen.

BildWenn die Sonne auf den Balkon scheint, kann sie dort auch Strom zum Eigenverbrauch erzeugen. (Foto: Usien/​Wikimedia Commons)

Gegenüber klimaretter.info erklärte ein Innogy-Sprecher allerdings, Westnetz bleibe bei der bekannten Position gegenüber Kleinst-Photovoltaik-Anlagen für den privaten Bereich und lehne deren Einsatz weiterhin ab. "Eine Stromeinspeisung und insbesondere der Anschluss von Kleinst-PV-Anlagen an sogenannte Endstromkreise widerspricht den derzeitig gültigen Regeln der Technik", so der Sprecher weiter.

Nach Darstellung von Greenpeace Energy beruht die verkündete Änderung auf einem Verfahren vor der Bundesnetzagentur. Westnetz hatte den Anschluss eines 150-Watt-Solarmoduls vom Typ "Simon" blockiert und auf angebliche Gefahren verwiesen. Dabei hatten Gutachten solche Risiken ausgeschlossen.

Greenpeace-Vorstand Sönke Tangermann nannte das mutmaßliche Einlenken von Westnetz einen "Durchbruch für die städtische Energiewende in Bürgerhand". Damit erhielten Millionen von Mietern die Chance, sauberen Strom selbst zu erzeugen und zu verbrauchen. Unterhalb der 300-Watt-Grenze verzichte Westnetz zudem auf den Einbau von Stromzählern mit Rücklaufsperre. Andere Netzbetreiber müssten dem Vorbild von Westnetz nun folgen, forderte Tangermann.

Bei unkomplizierter Nutzung könnten allein in Deutschland mehrere tausend Megawatt an Stecker-Solargeräten installiert werden, sagte Marcus Vietzke von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Dies entspriche der Leistung großer Braunkohlekraftwerke.

Die DGS-Initiative PV Plug setzt sich seit Jahren für einfache Stecker-Solargeräte ein, die über einen eigenen Wechselrichter verfügen und mit einem Schukostecker direkt ins häusliche Stromnetz einspeisen. Das sei bisher oft die einzige Möglichkeit für Mieter und Wohnungseigentümer, die außer ihrem Balkon keine eigenen Flächen haben, an der Energiewende teilzunehmen. Allerdings sei die Einspeisung über den Schukostecker bislang nicht genormt.

Der Beitrag wurde um 22.30 Uhr aktualisiert

klimaretter.info/jst

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