Energetische Sanierungsrate rückläufig
Die Deutsche Energie-Agentur schlägt Alarm: Weil nicht genug Gebäude energetisch saniert werden, ist das deutsche Klimaziel in Gefahr. 40 Prozent des Einsparpotentials liegt auf diesem Gebiet, die Politik aber findet keine geeigneten Mittel, dieses zu heben.
Die energetischen Gebäudesanierungen sind 2011 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte zurückgegangen. Das geht aus einer Erhebung hervor, die die Deutschen Energie-Agentur dena in Berlin vorstellte. Als Grund sieht die halbstaatliche Beratungsagentur das zu geringe Fördervolumen: So stünden 2011 unter anderem für zinsgünstige Kredite lediglich bis zu 936 Millionen Euro zur Verfügung - deutlich weniger als in den Vorjahren.

Gut in der Selbstdarstellung, schlecht bei der Umsetzung: Kampagnemotiv der Regierung zur Wärmedämmung. (Foto: BMVBS)
Zudem gebe es Unklarheit über die gesetzlichen Pläne. "Die Hausbesitzer sind extrem verunsichert und nehmen energetische Sanierungen immer weniger in Angriff", erklärte dena-Chef Stephan Kohler. Der Deutsche Bundestag hatte Ende Juni beschlossen, energetische Sanierungen künftig steuerabzugsfähig zu machen. Ziel dieses Gesetzes ist, die Sanierungsrate auf zwei Prozent des Gebäudebestandes zu verdoppeln - und so das deutsche Klimaziel zu schaffen, bis zum Jahr 2020 40 Prozent weniger Kohlendioxid im Vergleich zu 1990 zu emittieren. Dagegen hatten die Bundesländer im Bundesrat ihr Veto eingelegt: Sie fürchten Steuerausfälle in Milliardenhöhe.
Einer Untersuchung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge ist der Wärmemarkt für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und ein Drittel der Kohlendioxidemissionen in Deutschland verantwortlich: rund 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Seit Jahren aber kommt der Klimaschutz genau hier nicht voran: Trotz Förderprogrammen und Fördermitteln liegt die energetische Sanierungsrate der rund 19 Millionen Gebäude in Deutschland gleichbleibend bei einem Prozent jährlich.
Kohler sagte weiter: "Wenn die steuerliche Erleichterung der Gebäudesanierung nicht kommt, ist eine große Chance vertan. Die Bundesregierung muss jetzt dringend handeln und den Vermittlungsausschuss anrufen, um den Steueranreiz für hocheffiziente energetische Sanierungen doch noch zu retten. Außerdem muss die Steuererleichterung auch auf Teilsanierungen ausgeweitet werden, sonst ist das Ziel nicht zu schaffen."
Eine Studie im Auftrag des mittelständischen Verbändekreises Energieeffizienz und Klimaschutz hat am Beispiel einer steuerlichen Förderung der Heizungssanierung gezeigt, dass eine staatliche Sanierungsförderung deutlich mehr Geld in die Kassen von Bund, Ländern und Kommunen spült, als sie den Staat kostet. So würde jeder Euro Mindereinnahmen aufgrund von Steuererleichterungen durch 1,17 Euro Steuermehreinnahmen mehr als ausgeglichen. "Es ist für uns völlig unverständlich, warum sich die Bundesländer gegen den Steueranreiz sperren. Dieses Instrument wäre eine bundesweite und flächendeckende Wirtschaftsförderung, da insbesondere der Mittelstand und das Handwerk davon profitieren", sagte Kohler.

Mit dem Verfahren der Thermografie lassen sich deutliche Einsparpotentiale finden.
Zudem plädiert die dena dafür, die steuerliche Absetzbarkeit unabhängig vom persönlichen Steuersatz zu gestalten, da andernfalls Geringverdiener erheblich weniger von der Förderung profitieren. Könnten Eigentümer beispielsweise über zehn Jahre jeweils drei Prozent der energetischen Sanierungskosten direkt von ihrer Steuerschuld abziehen - so wie auch von einigen Bundesländern vorgeschlagen - könnte die Förderung in allen Einkommensgruppen gleichermaßen ihre Wirkung entfalten.
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