Energieautarkes Oberrosphe
Ein kleines Dorf in Hessen probt den Aufstand gegen die Energiewirtschaft: Ein eigenes Nahwärmenetz, ein Blockheizkraftwerk und eine Biogasanlage. Langfristig will Oberrosphe ohne Energieimporte auskommen.
Von Hanno Böck
Knapp 900 Einwohner hat Oberrosphe, Teilort der Gemeinde Wetter im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Doch dieses Dorf hat noch viel vor. 2007 gründete sich die Bioenergie Oberrosphe eG und begann zunächst mit dem Bau eines Blockheizkraftwerks, welches mit Hackschnitzeln betrieben wird. Dazu kam ein sieben Kilometer langes Nahwärmenetz. 350.000 Liter Heizöl wurden somit bislang eingespart, die Kohlendioxid-Emissionen des Ortes um 50 Prozent gesenkt. Das Dach der Hackschnitzelanlage ist mit Solarzellen bedeckt, die Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Für die Mühen hat die Organisation "Bürger Begehren Klimaschutz" Oberrosphe nun zur "Klimaschutzinitiative des Monats" gekürt.

Solarenergie und Hackschnitzel in Bürgerhand. (Foto: Bioenergie Oberrosphe eG)
In Oberrosphe laufen derweil die Planungen für den nächsten Schritt: Eine Biogasanlage soll mit weiteren, diesmal gasbetriebenen Blockheizkraftwerken gekoppelt werden. In Kraft-Wärme-Kopplung wird Strom ins Netz eingespeist, Abwärme wiederum kann im Nahwärmenetz genutzt werden. Der Strom, der in Oberrosphe noch nicht selbst produziert werden kann, wird von den Stadtwerken Marburg geliefert – Ökostrom selbstverständlich, die Stadtwerke Marburg beziehen ihren Strom wiederum aus österreichischen Wasserkraftwerken.
Die Bioenergie Oberrosphe hat ganz bewusst die Form einer Genossenschaft gewählt – so sei Mitbetimmung durch die Eigentümer, die vorwiegend aus dem Ort selbst kommen, am besten gewährleistet.

Die Bauarbeiten für die Nahwärmeleitung. (Foto: Bioenergie Oberrosphe eG)
Oberrosphe will nicht alleine bleiben. Im vergangenen Jahr wurde im Ort die Arbeitsgemeinschaft Energiegenossenschaften gegründet. Zusammen mit ähnlichen Initiativen aus anderen Orten will man die Gründung lokaler Energieversorger vorantreiben – und äußert sich kritisch über die Energiewendepläne der Bundesregierung: "Die Bürger müssen zu ökonomischen Gewinnern der Energiewende gemacht werden. Wie dies gelingen kann, steht seit über 150 Jahren fest und braucht nicht neu erfunden zu werden: In Genossenschaften.", sagte Wolfgang George, Sprecher der ARGE Energiegenossenschaften. Dann sei auch die Akzeptanz der Bevölkerung – etwa von Windkraftanlagen – leichter zu erreichen.
Eine Übersicht des Verbraucherschutzministeriums listet inzwischen 72 Bioenergiedörfer bundesweit auf. Vorbild hierfür war vor allem das Dorf Jühnde in Niedersachsen. Dort wird inzwischen mehr Strom erzeugt, als die Einwohner verbrauchen.
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