Die Achillesferse der Energiesparlampe
Kleine Kinder und Schwangere sollten um zerbrochene Energiesparlampen einen Bogen machen, empfiehlt das Umweltbundesamt - und fordert mehr Bruchsicherheit von der Industrie.
Von Sarah Messina
Energiesparlampen sind gut fürs Klima, enthalten jedoch geringe Mengen Quecksilber. Geht eine Lampe zu Bruch sollte man deshalb wissen, was zu tun ist: Gründlich durchlüften und das giftige Schwermetall richtig entsorgen. Schwangere, kleine Kinder und empfindliche Personen sollten um zerbrochene Energiesparlampen besser ganz einen Bogen machen, warnte das Umweltbundesamt (UBA) am Donnerstag in Dessau.

Die Energiesparlampe - oder korrekt Kompaktstofflampe - sieht mit einem zusätzlichen Hüllkolben nicht nur aus wie eine konventionelle Glühbirne, sondern ist auch bruchfester. (Foto: DUH)
Das Umweltbundesamt hat in einer Stichprobe den "worst case" simuliert: Zwei Energiesparlampen europäischer Markenhersteller wurden in heißem Betriebszustand zerbrochen, keine der Lampen hatte eine Schutzummantelung. Ergebnis: Sowohl nach fünf Minuten als auch nach fünf Stunden wurden in einem Meter über dem Fußboden Konzentrationen von Quecksilber gemessen, die die Gesundheit von Schwangeren, kleinen Kindern und empfindlichen Personen beteinträchtigen können, wenn die Bruchstücke länger liegen bleiben.
Verbraucherschützer reagierten prompt auf die Probe des Umweltbundesamts und forderten ein Aussetzen des EU-Glühbirnen-Verbots: Die Europäische Union hat der verschwenderischen Glühbirne, die rund 95 Prozent der umgesetzen Energie nicht als Licht, sondern lediglich als Wärme abgibt, ein stufenweises Aus verordnet: Glühbirnen mit 100 und 75 Watt sind im Allgemeinen bereits nicht mehr im Handel zu finden, ab September 2011 soll auch die 60 Watt Birne vom Markt verschwinden. "Wenn die Industrie es nicht schafft, bruchsichere und ungefährliche Lampen anzubieten, muss die Glühbirne über den Herbst 2011 hinaus im Handel bleiben", kritisierte der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) Gerd Billen.
Die EU setzt auf Energiesparlampe, Halogen und LED
Das Umweltbundesamt zieht dagegen etwas differenzierte Schlüsse aus ihrer Stichprobe: Das Quecksilber sei zwar "die Achillesferse der Energiesparlampen", sagte UBA-Chef Jochen Flasbarth: Mittelfristig brauche es eine Lampentechnik, von der keine Quecksilberbelastung ausgeht, wie etwa bei Halogen oder LED-Leuchten. Für Kinderzimmer, Schulen, Sporthallen oder Kindergärten empfiehlt das UBA neben verfügbaren Alternativen aber auch schlicht den bewußten Griff zu bruchsicheren Varianten mit Ummantelung und anderen Schutzmaßnahmen etwa durch einen entsprechenden Lampenschirm. Ummantelte Energiesparlampen sind auf dem Markt durchaus zu finden, oft jedoch noch teurer als herkömmliche Varianten. Die Industrie müsse deshalb künftig stärker auf Bruchsicherheit setzen, fordert Flasbarth – notfalls auch per EU-Verordnung.

"Klimasieger" Energiesparlampe: Weniger CO2- und Quecksilber-Emissionen gegenüber der alten Glühbirne. (Grafik. www.lichtzeichen.de)
Nachholbedarf gibt es dem Umweltbundesamt zufolge auch bei Kennzeichnung und Entsorgung der Energiesparlampen: Warn- und Beseitigungshinweise müssten für den Fall eines Buchs auch auf der Lampenverpackung zu finden sein, fordert das UBA. Defekte und gebrauchte Energiesparlampen sollten über ein einheitliches Rücknahmesystem direkt im Laden abgegeben werden können: Die derzeitige Abgabe an Sammelstellen sei zwar kosenlos, für Verbraucher aber "nur selten zumutbar", so Flasbarth.
Auf das Potenzial der Energiesparlampe für den Klimaschutz hatte erst jüngst das UN-Umweltprogramm hingewiesen: Weltweit werden demnach etwa sechs bis acht Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen durch Beleuchtung verursacht. Der Umstieg auf effiziente Beleuchtungsmöglichkeiten wie der Energiesparlampe gehöre zu den "einfachsten und wirkungsvollsten Maßnahmen" zur Kohlendioxid-Senkung, sagte Unep-Chef Achim Steiner.
Für die Öko-Bilanz ist die Energiesparlampe übrigens auch trotz Quecksilber die bessere Alternative. Denn auch bei der Verstromung von Kohle entsteht das giftige Schwermetall: Durch ihre Effizienz sparen Energiesparlampen letztendlich deshalb mehr Quecksilber ein als sie selbst enthalten.
Fragen zur Energiesparlampe? Die gängigsten beantwortet das UBA im Hintergrundpapier Energiesparlampen in der Diskussion und im Ratgeber Umweltfreundliche Beleuchtungstechniken
Übrigens: Guter Journalismus kostet...
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto

Die Schlagzeilen um 03 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Kommentar
Die Öko-Energie boomt, aber nicht genugEin neuer UN-Report zeigt: Die Invesitionen in erneuerbare Energien gehen weltweit zurück. Doch der Schein trügt. Weil letztere immer billiger werden, sprießen immer mehr Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen aus dem Boden. Damit die Erneuerbaren aber in näherer Zukunft einen gewichtigen Teil der Energieerzeugung weltweit tragen können, muss der Boom beschleunigt werden. Die Bundesregierung sollte statt auf die Bremse aufs Gaspedal treten.
Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Meinungen: Überraschung der Woche
Volkes Begehren, Brüderle und sehr viel WasserKalenderwoche 24: Nach dem Volksentscheid in Berlin: Die Erwartungen, die in der Öffentlichkeit an den Netzrückkauf bei vielen Menschen geweckt werden, sind nicht umzusetzen, sagt Gero Lücking, Vorstand des Ökostrom-Anbieters Lichtblick und Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]
Ob Stromkosten, EEG-Reform oder Fracking – Energie- und Klima-Themen bestimmen den Wahlkampf mit. Damit Sie den Überblick behalten, begleiten wir Sie bis zur Bundestagswahl mit Kommentaren, Politiker-Interviews und aktuellen Nachrichten. Außerdem gibts ein paar Überraschungen. [hier gehts zum Wahl-Dossier...]
Die Debatte zur Zukunft des EEG Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Doch nun ist eine grundlegende Reform (über-)fällig. Die Frage ist nur – wie? klimaretter.info hat Fachleute um ihre Vorschläge gebeten. [mehr...] | Fossile Kraftwerke weltweit kartieren Klimaforscher bauen mit Hilfe der Netz- Gemeinde eine globale Datenbank über fossile Kraftwerke auf. Auch für Deutschland fehlen noch Angaben. Wer internationale Kontakte hat oder im Urlaub ein Kraftwerk sieht, ist ebenfalls gefragt. [mehr...] |
In eigener Sache
Unterstützen Sie guten Journalismus
Unabhängiger Journalismus braucht Förderer. Der Klimawissen e.V. unterstützt die Arbeit des Online-Magazins klimaretter.info. Werden Sie Fördermitglied oder spenden Sie für die Berichterstattung! [hier...]
Deutschlands nobelster Autobauer hat gerade eine neue Anzeigenkampagne gestartet. Mit dieser Darstellung: Na? Geht Ihnen eine Energiesparlampe auf? Nein, das abgebildete Ding ist nicht der neue Stern, der Daimlers Benzen vorne auf den Kühlergrill geschraubt wird. Es handelt sich auch[…]
[mehr...]
Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
EEG 2.0 - Die Debatte zur Zukunft des EEG
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E 10 und das Politikversagen - Wie es nun weitergeht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Die Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen-ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Was Doha wert ist - Meinungen und Analysen
Doha Dezember 2012 - COP18
Doha-Countdown - Die Welt vor Doha
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Durban-Countdown - Die Welt vor Durban
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Cancún-Countdown - Die Welt vor Cancún
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Kopenhagen-Countdown - Vor dem Supergipfel
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznań Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook-Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed



Ein Drittel der Deutschen tut sich mit der Entsorgung von Energiesparlampen noch schwer
Es bleibt beim Aus für die Glühlampe: Ein Antrag auf auf Rücknahme des Verbots fand am Dienstag im Umweltausschuss des EU-Parlaments keine Mehrheit
Auch China hat einen schrittweisen Ausstieg aus der ineffizienten Beleuchtung beschlossen
Nun verlässt sie uns endgültig: Die Glühbirne, seit den 80er Jahren des vorletzten Jahrhunderts verlässlicher Quell vieler warm erleuchteter Stunden, Lichtspender im trauten Heim, Wegweiser in der Nacht. Zum 1. September heißt es Abschied nehmen.
Umfrage: Verbraucher tappen noch sprichwörtlich im Dunkeln
Trotz Schwierigkeiten der Branche - das UN-Umweltprogramm berichtet von Rekordinvestitionen in erneuerbare Energien
16. Vertragsstaatenkonferenz zum Artenschutz: Illegaler Handel und die Erderwärmung bedrohen den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten
Die 191 Vertrags-Staaten einigen sich darauf, schneller aus der Produktion von ozon- und klimaschädlicher Gase auszusteigen. Wissenschaftler sind optimistisch: So könnte sich die Ozonschicht bis 2065 erholen
UN-Umweltorganisation untersucht Bienensterben: Auch der Klimawandel gehört zu den Stress-Faktoren
Bis 2016 sollen Stromfresser von LED-Lampen ersetzt werden
Zum 1. September kommt das Aus in der EU für verschwenderische 60 Watt-Birnen. Die Stiftung Warentest prüft die Alternativen und kürt zwei - relativ teure - LED-Lampen zum Testsieger. Vor allem Gerüchte verhindern bislang die breite Durchsetzung von Energiesparlampen.
Kurz vor Beginn des diesjährigen Klimagipfels in Südafrika meint Achim Steiner, Europa könne noch Dynamik in die Verhandlungen bringen. Der Chef des UN-Umweltprogramms warnt vor einem "klimapolitischem Vakuum" - und hält das Zwei-Grad-Ziel für noch erreichbar.
Ein Bericht der UN-Umweltorganisation Unep zeigt: Durch den Klimawandel könnte sich die weltweite Nahrungsmittelkrise dramatisch zuspitzen
Der Verbrauch von Metallen steigt weltweit drastisch an. Die Nachfrage könnte wegen des Wachstums in den Schwellen- und Entwicklungsländern in den nächsten Jahrzehnten bis zu neunmal höher liegen als derzeit. Das zeigt ein Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP, der jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Als Ausweg fordert UNEP stärkere Anstrengungen zum Recycling und ein materialsparendes Design von Produkten.

