"Falsch, einseitig und ungerecht"
Der Deutsche Mieterbund kritisiert die Klimaschutzpläne im Gebäudebereich: Die Mieter würden durch den Gesetzentwurf aus dem Justizministerium zu Verlierern gemacht.
Aus Berlin Nick Reimer
"Falsch, einseitig und ungerecht" - mit diesem Urteil hat der Deutsche Mieterbund am heutigen Dienstag in Berlin den Gesetzentwurf der Bundesregierung für eine Mietrechtsreform kritisiert. "Die Eckpunkte aus dem Justizministerium sind zum großen Teil unnötig, unausgegoren und einseitig", erklärte Franz-Georg Rips, der Präsident des Deutschen Mieterbundes. Im Entwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) wird unter anderem das Recht auf Mietminderung während Sanierungsarbeiten gestrichen, wenn diese der Energieeinsparung dienen. Bislang kann der Mieter während solcher Arbeiten um 50 bis 100 Prozent weniger Miete zahlen.

So soll die Zukunft von Innen aussehen: wärmegedämmt. (Fotos: Archiv)
Das Eckpunktepapier des Bundesjustizministeriums sieht weiter vor, den Begriff der "energetischen Modernisierung" neu zu definieren und zu erweitern. Auch Maßnahmen, die nicht zu niedrigeren Heizkosten führen, aber aus Umweltgründen sinnvoll sind, müssen Mieter dann als Modernisierung dulden und bezahlen.
Zudem soll es für Vermieter rechtlich einfacher werden, die Mieten zu erhöhen. Auch fürchtet der Mieterbund, dass normale Instandsetzungsmaßnahmen demnächst als energetische Sanierung "verkauft" werden - und dann an den Mieter ungerechtfertigterweise als Zusatzkosten weitergegeben werden.
"Offensichtlich beginnt die Bundesregierung jetzt, ihre Wahlversprechen einzulösen - indem sie die Forderungen der Vermieterverbände abarbeitet", urteilte Rips. "Während die Bundeskanzlerin noch davon redet, dass Mieter von niedrigeren Heizkosten profitierten, macht das Justizministerium die Mieter zu Verlierern."

Mit der so genannten Thermografie lassen sich Schwachpunkte der Gebäudedämmung ausfindig machen.
Die Regierung will, dass alle 18 Millionen Gebäude in Deutschland bis 2050 auf die modernsten Energiespar-Standards gebracht werden. Dies würde zu einer Einsparung des heutigen Energieverbrauchs von 80 Prozent führen. Dazu will das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bis zu elf Prozent der Kosten einer energetischen Sanierungen auf die Mieter umlegen.
"Das halte ich für unzumutbar", sagte Rips und führte eine Beispielrechnung aus: Investitionen von 20.000 Euro in eine 70 Quadratmeter große Wohnung würden die Miete um 180 Euro pro Monat erhöhen. Rips: "Selbst wenn die Heizkosten dank der Modernisierung um die Hälfte sinken, steigen die Mietkosten für den Mieter unter dem Strich aber um monatlich 140 Euro. "
Offenbar hat das Bundesjustizministerium die Gunst der Stunde genutzt, auch "nichtenergetische Tatbestände" zu verändern. So schlägt der Gesetzentwurf einen neuen Kündigungstatbestand vor. Danach soll der Vermieter fristlos kündigen dürfen, wenn der Mieter mit seiner Kautionszahlung in Verzug, das heißt im Rückstand, ist. Damit solle das "Mietnomadentum" bekämpft werden. Rips sagte dazu: "Man kann doch nicht wegen einigen tausend Fällen von Menschen, die in betrügerischer Absicht eine Wohnung anmieten, 23 Millionen Mieter insgesamt benachteiligen!"
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 23 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Bundesweiter Heizspiegel zeigt Kostenrückgang von durchschnittlich 14 Prozent. co2online bietet kostenloses Heizgutachten an
Das erste halbe Jahr ist rum - das zweite beginnt mit ein paar klimatisch betrachtenswerten Neuerungen. Die Wichtigste: Ab sofort ist der Energiepass Pflicht. Was der bringt und was es sonst noch für Neuerungen in der zweiten Jahreshälfte 2008 gibt.
Zum 1. November wird NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft neue Bundesratspräsidentin: Das Amt hat eher symbolische Bedeutung, auch für das Vorhaben von Ländern wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Berlin, Brandenburg oder Bremen die schwarz-gelben Atompläne über die Länderkammer zu blockieren. Doch ob sie überhaupt mitreden dürfen, ist umstritten.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Christoffers fordert, den Klageweg für CCS zu verkürzen. Das sei notwendig, um den Baubeginn des Vattenfall-Pilotprojekts in Jänschwalde nicht zu verzögern
Ab 2021 sind in der Europäischen Union Neubau-Kriterien für "Nahe-Null-Energie-Gebäude" Pflicht. EU-Parlament verabschiedet Effizienzauflagen
Allen Appellen zum Trotz wird es eine steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Gebäudesanierungen offenbar auch künftig nicht geben
Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten
Trotz des milden Winters zahlten die Verbraucher mehr
Neue Kampagne wirbt für den "hydraulische Abgleich" von Zentralheizungen
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bearbeitet zur Zeit keine Anträge für Zuschüsse zur Gebäudesanierung
Die Bundesregierung möchte mehr Fernbuslinien ermöglichen - Diskussion im Verkehrsausschuss
Von 1,5 Milliarden im laufenden Jahr auf 450 Millionen für 2011: Bauministerium will Mittel für die energetische Gebäudesanierung drastisch kürzen
In der Zeit fordern Energieforscher von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs



