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"Warmmietenneutral" in Spandau

Über das Berliner Klimaschutzgesetz und seine strengen Vorgaben für den Gebäudesektor wird heftig gestritten: Wie man Wohnhäuser energetisch saniert, ohne dass Mieter und Hausbesitzer draufzahlen, kann man in Berlin-Spandau derweil schon sehen: Wärmedämmung und ein Blockheizkraftwerk im Keller senken die Heizkosten um rund zwei Drittel.

Aus Berlin Johanna Treblin

Häuser energetisch sanieren und damit das Klima schützen – ob und wie das geht, und vor allem: wer das zahlen soll, darüber wird in Berlin unter Hausbesitzern, Mietern, Politik und Wohnbaulobby heftig debattiert. "Schuld" daran ist unter anderem das von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) geplante Klimaschutzgesetz. Damit soll Berlins Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 40 Prozent gesenkt werden: Das bedeutet jedoch auch strenge Regeln für Wohnen und Sanieren. 

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"Heizkosten im freien Fall" - in Spandau wird in energetisch sanierten Wohnhäusern so viel an Heizkosten eingespart, dass weder Mieter noch Gebäudebesitzer draufzahlen müssen. (Fotos: J. Treblin)

Dass die Senkung von Emissionen im Gebäudesektor nicht zwangsläufig Streit bringen muss, hat am Mittwoch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer am "lebenden Objekt" verdeutlicht. Im Schwendyweg im Berliner Stadtteil Spandau kann man seit kurzem "Energiesparhäuser" der Charlottenburger Baugenossenschaft erleben.

Die Häuser mit insgesamt 132 Wohnungen wurden zwar schon vor rund fünfzig Jahren gebaut. Die "Charlotte", wie die Baugenossenschaft liebevoll von den Projektpartnern genannt wird, hat die Gebäude jetzt jedoch "warmmietenneutral" saniert: Ein Blockheizkraftwerk im Keller, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach: Die Bewohner müssen für die Sanierung zwar zahlen - weil aber ihre Heizkosten um rund zwei Drittel gesenkt werden, zahlen sie im Ganzen weder mehr noch weniger als vorher an Miete.

"Das Blockheizkraftwerk deckt 70 Prozent des Wärmebedarfs der 132 Mietparteien", sagt Rudolf Orlob, Vorstand der Charlottenburger Baugenossenschaft, Und nicht nur das: Auch 15 Prozent des benötigten Stroms produziert das Blockheizkraftwerk. "Insgesamt sparen wir 59 Prozent der Endenergie."

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"Charlotte"-Chef Rudolf Orlob: Zwei Drittel der Heizkosten eingespart.

Einen Teil der Einsparungen gibt die Baugenossenschaft weiter an die Mieter. Bei den Heizkosten macht das rund zwei Drittel der Kosten aus. "Statt wie bisher 1,36 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sollen die Nutzer künftig nur noch 49 Cent pro Monat für Heizung und Warmwasser zahlen", sagte Orlob. "Zwar beteiligen sie sich an den Kosten für die Sanierung, unterm Strich bleiben dafür aber die Mieten stabil."

Mit der Gebäudesanierung übertrifft die "Charlotte" nach eigenen Angaben die Energieeinsparverordnung von 2009 in mehreren Punkten, beispielsweise beim Primärenergiebedarf. Neben neuer Heizung und Solaranlage wurden außerdem Dach und Fassade gedämmt, um weniger Wärme zu verlieren. Die einfach verglasten Fenster wurden durch Doppel- oder Dreifachverglasung ausgetauscht.

Der Gebäudebereich ist für rund 40 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in der Europäischen Union verantwortlich. Auf ihn entfällt außerdem mehr als ein Drittel der europäischen Kohlendioxid-Emissionen. Die Wohnblocks im Schwendyweg zeigen, dass es auch hier massive Einsparpotentiale gibt. Während die Gebäude bisher für 400 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verantwortlich waren, sinkt der für diese Häuser notwendige Ausstoß um 60 Prozent auf 165 Tonnen.

"Draußen in Spandau" lobte Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer das Projekt "Warmmietenneutralität". "Die Häuser im Schwendyweg sind ein positives Signal für den Klimaschutz", sagt auch Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Und lüftet auch gleich noch ein "Geheimnis" für erfolgreiches Energiesparen im Gebäudesektor: "In Spandau hat man sich gegen Solarthermie und für ein Blockheizkraftwerk entschieden", sagt Kern. Es sei wichtig, dass die Eigentümer diese Entscheidung selbst treffen dürfen. "Entscheidend beim Klimaschutz ist die Freiwilligkeit."

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Photovoltaik auf dem Dach - mit der energetischen Sanierung in in Spandau können 60 Prozent der Kohlendioxidemissionen eingespart werden.

Als "falsches Signal" hingegen bezeichnete sie die Kürzung des Förderprogramms zur energetischen Sanierung von Wohnhäusern der staatlichen Förderbank KfW. Die Kürzungen, die die KfW am 19. August ankündigte, sollen ab September gelten.

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