Stromspar-Hilfe für die Armen
Das Programm "Stromspar-Check" zieht Bilanz: Über 30.000 einkommensschwache Haushalte haben die kostenlose Energiesparberatung in Anspruch genommen. Insgesamt wurden über 250.000 Energiesparlampen verteilt. Wie es mit dem Programm im nächsten weitergeht, ist aber unklar – wegen der unsicheren Finanzierung durch das Umweltministerium.Aus Berlin Felix Werdermann
Stehen die Stromfresser immer noch zu Hause herum? Kein Geld für Energiesparlampen und andere Haushaltsgeräte, die nur wenig Strom verbrauchen? Zumindest für Sozialhilfeempfänger gibt es seit anderthalb Jahren Abhilfe: Bei dem Programm "Stromspar-Check" erhalten einkommensschwache Haushalte eine kostenlose Beratung und Gratis-Energiespargeräte. Heute haben die Träger auf einer Konferenz in Berlin eine Zwischenbilanz gezogen. Bislang haben sich über 30.000 Haushalte beteiligt, zu Jahresende werde die Zielmarke von 34.000 voraussichtlich übertroffen. Wie es danach weitergeht, ist aber noch unklar.

Energiesparlampen können im Vergleich zu Glühbirnen bares Geld bringen - mehr als sie kosten.
Der "Stromspar-Check" wird angeboten vom Deutschen Caritasverband und dem Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen, zum Großteil finanziert mit Geldern des Bundesumweltministeriums. Das Prinzip: Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld melden sich bei einer der bundesweit 70 Beratungsstellen, danach kommt einer der 1.500 eigens ausgebildeten Stromsparhelfer nach Hause. Der nimmt Lampen und Haushaltsgeräte unter die Lupe und gibt erste Spartipps. Beim zweiten Besuch bringt er kostenlose "Soforthilfen" mit – dazu zählen vor allem Energiesparlampen, aber auch wassersparende Duschköpfe oder schaltbare Steckerleisten, um den Standby-Betrieb von elektrischen Geräten zu vermeiden.
Stromsparen rechnet sich
Seit anderthalb Jahren läuft das Projekt, nachdem die ersten Pilotversuche in Frankfurt, Freiburg und Berlin erfolgreichen waren. Inzwischen wurden bereits über 250.000 Energiesparlampen eingebaut. Durchschnittlich wurden pro Haushalt Soforthilfen im Wert von 58 Euro verschenkt, die sich die Haushalte ansonsten womöglich nicht angeschafft hätten. Dabei lohnen sich die Investitionen bereits nach kurzer Zeit: 86 Euro lassen sich jährlich auf der Stromrechnung einsparen – rechnet man den Wasserverbrauch hinzu, bleiben pro Jahr 136 Euro mehr im Geldbeutel.
Der "Stromspar-Check" ist aber mehr als ein Sozialprogramm, auch das Klima profitiert. Denn wenn weniger Energie produziert werden muss, verringert sich auch der Ausstoß von Treibhausgasen. Pro Haushalt sind das über einen längeren Zeitraum 2,4 Tonnen Kohlendioxid – etwa ein Viertel dessen, was der Durchschnittsdeutsche im Jahr verursacht.
Unklarer Fortgang des Projekts
Noch bis Ende dieses Jahres wird das Programm mit Geldern vom Umweltministerium gefördert, danach ist die Höhe der Finanzierung unsicher. Angesichts der angespannten Haushaltslage könne "heute niemand sagen, wie und in welchem Umfang es weitergehen wird", sagt Wolfgang Müller, der beim Ministerium für Energieeffizienz zuständig ist. Bislang wurde das Programm im Rahmen der Klimaschutzinitiative der Bundesregierung mit rund 10 Millionen Euro gefördert.

Wieviel Geld will er für das Programm in Zukunft ausgeben? Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).
Laut Müller soll das Programm aber ausgebaut werden, in weiteren Städten sollen Beratungsstellen eröffnet werden. Vorstellbar ist auch, dass verstärkt Drittmittel eingeworben werden, zum Beispiel von Energieunternehmen. Die hätten "über dieses Projekt die Chance, an eine auch für sie schwierige Kundengruppe heranzukommen", meint Michael Geißler, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen. "Viele Menschen mit geringem Einkommen können die Stromrechnung nicht bezahlen, es kommt zu aufwändigen und oftmals fruchtlosen Abmahnverfahren, die dann mit Sperren des Stromanschlusses enden."
Im Regelsatz des Arbeitslosengelds II sind für den Strombedarf eines Alleinstehenden gerade mal pauschal rund 190 Euro im Jahr vorgesehen. Wenn sich im Haushalt 86 Euro sparen lassen, könnte das vielen Menschen aus der Schuldenfalle helfen. Bedarf gibt es auf jeden Fall: Bislang wurde erst jeder hundertste Haushalt erreicht, der Anspruch auf das Kostenlos-Angebot hat. Ulrich Schäferbarthold vom Caritasverband hält es für "sehr ambitioniert", aber durchaus möglich, langfristig die Hälfte aller einkommensschwachen Haushalte zum Energiesparen zu bewegen.
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