"Nur eine homöopathische Förderung"
Das Finanzministerium blockiert die weitere Förderung von klimafreundlichen Heizanlagen. Noch immer gilt die Haushaltssperre, neue Anträge auf Zuschüsse nimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle jetzt nicht mehr entgegegen. Betroffen sind Firmen wie die Berliner KBB Kollektorbau GmbH. Geschäftsführer Stephan Fintelmann befürchtet, dass der Markt nun komplett zusammenbricht. 1993 gehörte er zu den Ersten, die an Sonnenkollektoren zur Wärmegewinnung entwickelt haben. Zu zweit in der Garage ging es los, inzwischen beschäftigt er 60 Mitarbeiter.
wir-klimaretter.de: Sie haben in den letzten 17 Jahren ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Nun befürchten Sie, dass die Gelder aus dem Marktanreizprogramm für klimafreundliches Wärmen dauerhaft gesperrt bleiben.
Stephan Fintelmann: Wenn es bei der Sperre und dem Förderstopp bleibt, wissen wir aus Erfahrung, dass der Markt komplett zusammenbricht. Dann wird aus dem Marktanreizprogramm ein Marktverhinderungsprogramm.
Ist die finanzielle Unterstützung denn so entscheidend?
Nicht direkt. Im Vergleich mit anderen erneuerbaren Technologien gibt es für uns nur homöopathische Fördersummen. Die Basisförderung liegt bei 60 Euro pro Quadratmeter. Dieser Satz ist im Marktanreizprogramm für Warmwasser-Anlagen vorgesehen. Nimmt man nun eine Lebensdauer von 20 Jahren an, so landen Sie bei einer Förderung von unter 1 Cent pro Kilowattstunde. Windstrom wird mit 9 Cent gefördert, die Photovoltaik mit 33 Cent. Das steht also in keinem Verhältnis.
Sie vergleichen aber Wärme mit Strom.
Es stimmt, dass elektrische Energie wertvoller ist als Wärmeenergie. Zur Herstellung einer Kilowattstunde Strom benötigt man drei Kilowattstunden Wärme. Aber selbst wenn Sie diesen Faktor Drei mit einberechnen, fällt die Förderung des Solarheizens deutlich zu gering aus.

So werden Vakuumröhrenkollektoren zur solaren Wärmeerzeugung hergestellt. (Foto: BSW-Solar)
Wenn Sie kaum Gelder erhalten, was ist dann so schlimm an einem Förderstopp?
Auch wenn es nur einige hundert Euro sind: In der Vergangenheit haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass eine ausgesetzte Förderung ein katastrophales Signal für den Markt ist. Beim Endverbraucher hat das einen psychologischen Effekt. Ein Förderstopp führt dazu, dass mit den Investitionen gewartet wird.
Dann könnten Sie Ihre Anlagen aber später verkaufen.
Das lässt sich nicht so einfach bewältigen. Stellen Sie sich vor: Ein Jahr lang sind Sie ohne Aufträge, im nächsten gibt es doppelt so viele. Das funktioniert nicht. Wir haben Produktionskapazitäten aufgebaut, wir halten eine Infrastruktur aufrecht, das kostet uns Geld. Und auch die Mitarbeiter wollen und müssen durchgehend bezahlt werden.

Hier arbeiten momentan noch 60 Menschen: KBB Solar in Berlin. (Foto: KBB Solar)
Momentan beschäftigen Sie 60 Personen. Können Sie die halten, wenn es bei der Finanzsperre bleibt?
Für mein Unternehmen würde das bedeuten, dass ich in etwa 20 Arbeitsplätze abbauen müsste. Jeder dritte Mitarbeiter wäre betroffen.
Es gab auch Jahre, da haben Sie die Hälfte der Belegschaft entlassen.
Ja, wenn zum Beispiel der Ölpreis runter gegangen ist, und Sonnenkollektoren nicht mehr so gefragt waren. Aber in den letzten Jahren haben wir kontinuierlich unseren Mitarbeiterstamm erweitert und die Leute auch in schwierigen Zeiten gehalten mit der Konsequenz, dass wir auch manchmal Verluste eingefahren haben.
Das letzte Jahr war aus Ihrer Sicht nicht sehr erfreulich.
Nein, auf dem Markt wurde 30 Prozent weniger nachgefragt. Das hat natürlich auch uns getroffen. Eine große Rolle hat dabei auch die Abwrackprämie gespielt. Für viele Menschen war das eine einmalige Gelegenheit, in ein neues Auto zu investieren. Die Heizung musste dann hinten anstehen.
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