Glühlampe Ade!

Energiesparlampen-Läden in Kuming, Südchina
Aus Berlin JÖRG ZEIPELT
Am Dienstagmorgen ist alles vorbei. Ab dem 1. September kommen keine 100-Watt-Glühbirnen mehr in den Handel. Für viele ist das der Anfang vom Ende der Gemütlichkeit des wohlig-warmen Scheins: Energiesparlampen wird immer noch ein kalt-grelles Licht nachgesagt, obwohl es längst Sparlampen in allen möglichen Lichtvariationen gibt.
2012 ist es dann ganz vorbei. Gar keine Glühlampen werden dann legal mehr im Europa-Raum zu kaufen sein. Die Voraussichtigen haben sich schon jetzt genügend große Vorräte angelegt. Denn nach 2012 wird es Glühbirnen nur noch im ferneren Ausland oder auf dem Schwarzmarkt geben. Das Zeitalter der Energiesparlampe – die technisch korrekt eigentlich "Kompaktleuchtstofflampe" heißt - ist also eingeleitet.
Wer Schuld ist? Die EU. Mindestens 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr sollen durch eine vollständige Abschaffung der mehr als hundertjährigen Beleuchtungsform eingespart werden – 30 Kilogramm pro EU-Bürger. 30 Kilogramm pro EU-Bürger und Jahr - das klingt nicht viel, besonders nicht in den Ohren der Glühbirnen-Fans. Die sehen sich von einem Energiesparlampenangriff bedroht.
Da wäre zum einen ein höherer UV-Anteil im abgestrahlten Licht der Energiesparlampe. 250.000 Menschen sollen einer EU-Studie zufolge an Lichtempfindlichkeit leiden. Für diese 0,05 Prozent der Bevölkerung gibt es jedoch auch weiterhin Alternativen zur guten alten Glühbirne - effizientere Halogenleuchten, die es auch mit herkömmlichem Glühbirnensockel gibt oder Leuchtdioden.

Ein Energiesparladen in Kashgar, Nordchina (Fotos: Reimer)
Energiesparlampen sollen im Gegensatz zu Glühbirnen flackern, ist zudem ein Argument der Glühbirnen-Fans. Aber dieses Problem gehört der Vergangenheit an, seit in praktisch allen Energiesparlampen elektronische Vorschaltgeräte verbaut werden. Die 50 Hertz der Netzwechselspannung, die das Auge als zitiertes "Flackern" früher tatsächlich wahrnehmen konnte, werden darin auf mehrere tausend Hertz transformiert.
Ein weiteres Argument, das gegen das Licht aus den Energiesparlampen ins Feld geführt wird, ist das Quecksilber. Tatsächlich sind die meisten Sparlampen mit diesem Gift belastetet, landen sie später im Hausmüll und noch später in der Müllverbrennungsanlage, gelangt das Quecksilber vielleicht in die Atmosphäre.
Allerdings: Energiesparlampen sparen auch Quecksilber. Das und viele andere Schadstoffe fallen bei der Kohle-Verstromung als Nebenprodukt an, und Energiesparlampen verbrauchen 80 Prozent weniger Strom als die gute alte Glühbirne. Weniger Kohlestrom bedeutet also weniger Quecksilber - dank der Quecksilberhaltigen Sparlampe. Sparlampen ersparen der Umwelt am Ende deshalb weitaus mehr Gift als sie selbst enthalten.
Auch wer Ökostrom nutzt, kann sich nicht herausreden. Würde er weniger verbrauchen, bräuchten alle anderen Verbraucher nicht so viel Energie aus Kohlekraftwerken. Und das wird auch noch mindestens zwei Jahrzehnte so bleiben. Der bisher ambitionierteste Plan zum kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien sieht diesen Zeitrahmen vor.
Wann der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Stromerzeugung gelingt, darüber gehen die Forderungen und Prognosen also weit auseinander. Dagegen gibt es für die Abschaffung der von Thomas Alva Edison erfundenen Beleuchtung einen festen Zeitplan. Alle matten Glühbirnen und alle klaren ab einer Leistung von 100 Watt verschwinden ab morgen aus den Regalen. Ab 1. September 2010 dann auch alle Glühlampen mit 75 Watt und aufwärts. Am gleichen Tag 2011 sollen dann auch 60-Watt-Birnen aus dem Handel verschwinden und 2012 dann alle Glühbirnen, die mehr als 10 Watt brauchen.
Eigentlich müsste die Glühlampe Glühheizung heißen: Lediglich 5 Prozent des in den Drähten verbrauchten Stromes werden zu Licht umgewandelt - 95 Prozent der Energie als Wärme abgestrahlt. Die Energiesparlampe wandelt 20 bis 30 Prozent des Stroms in Licht um.
Die kleinen Heizungen könnten uns am Ende aber doch länger erhalten bleiben, als die EU sich das wünscht. Viele Händler nutzen eine Lücke in der Öko-Richtlinie. Alle Lampen, die bis zum 1. September bei den Händlern vorrätig sind, dürfen weiterhin verkauft werden. Gedacht war diese Regelung ursprünglich, um Händler nicht auf vollen Warenlagern sitzen zu lassen.

Erkannt? Eine der beiden Lichtquellen ist eine Energiesparlampe
Laut Deutscher Umwelthilfe füllen jedoch viele Händler noch bis zum Stichtag ihre Lager und begründen das mit „Hamsterkäufen“ ihrer Kunden, darunter Schlecker, Praktiker, alle Unternehmen der Metro-Gruppe (Metro, Galeria Kaufhof, Real, Saturn, Media Markt), Hellweg und Rewe. Nur wenige Händler wollen demnach verbotene Glühbirnen direkt zum Stichtag aus dem Sortiment nehmen, die größten sind Ikea, Otto und Schwab.
Das Verbot der EU ist nicht sonderlich revolutionär. Kuba soll schon 2005 alle Glühlampen aus dem Verkehr gezogen haben. In Australien werden Glühlampen ab 2010 verboten sein - ohne großzügige Übergangsregelung. Überhaupt hinkt Europa hinterher: Halb Asien nutzt seit Jahren hauptsächlich Energiesparlampen, von Kasachstan bis Indonesien.
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