Gesundheitswarnung: Vorsicht, Hitze!

Hitzewellen durch den fortschreitenden Klimawandel fordern immer mehr Tote. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Wetterdienstes für das Umweltbundesamt. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Personen, die an bestimmten chronischen Krankheiten leiden.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Der Trend zu höheren Temperaturen, mehr Hitzewellen und extremen Temperaturschwankungen innerhalb kurzer Zeit bedeutet ein höheres Gesundheitsrisiko, besonders für Menschen mit Herzkrankheiten. Überdurchschnittlich lange und heiße Hitzewellen sind laut einer jetzt veröffentlichte Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit höheren Todesfall-Zahlen verknüpft. Analysiert wurden dafür die Jahre 2000 bis 2010, in denen in Deutschland drei der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen 1881 lagen.

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Diese Herrschaften scheinen die Wärme noch zu genießen, doch schon jetzt leiden vor allem herzkranke und ältere Menschen unter Rekord-Hitzeereignissen. (Foto: Roy Smart/geograph)

Besonders betroffen waren ältere Menschen oder Personen, die an bestimmten chronischen Krankheiten leiden. Besonders deutlich war das im "Super-Sommer" 2003, in dem Hitze-Rekorde geknackt wurden und die Temperaturen auch nachts nicht unter 20 Grad sanken. In Deutschland starben damals rund 3.500 Menschen vorzeitig, europaweit waren es 70.000. Eine Auswertung für den jetzigen Sommer liegt naturgemäß noch nicht vor. Anfang Juli war im bayerischen Kitzingen ein neuer deutscher Hitzerekord registriert worden. Auftraggeber der Studie war das Umweltbundesamt (UBA).

Längere und intensivere Hitzeperioden belasten vor allem das Herz-Kreislauf-System stark. Die Studie zeigt zum Beispiel, dass die Sterblichkeit bei Menschen mit koronaren Herzkrankheiten – zum Beispiel Angina Pectoris – während Hitzewellen um durchschnittlich zehn bis 15 Prozent anstieg. Und die Gefahr für die Gesundheit dürfte zunehmen. "In Zukunft erwarten wir bei fortschreitendem Klimawandel noch mehr, längere und intensivere Hitzewellen in Deutschland", sagte dazu DWD-Vizepräsident Paul Becker. Bis zum Ende des Jahrhunderts könne dies zu einer drei- bis fünffach höheren hitzebedingten Sterblichkeit bei koronaren Herzkrankheiten führen – falls es nicht gelingt, sich auf die Hitzewellen besser einzustellen.

Ein ökologischer Stadtumbau soll helfen

Besonderen Gesundheitsstress bringen laut der Studie Tage mit starken Temperaturschwankungen und solche mit raschen Temperaturänderungen gegenüber dem Vortag. "Solche Tage werden in einem zukünftigen Klima häufiger auftreten", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Daher sei es wichtig, sich auf den Klimawandel einzustellen.

Zu den Vorsorgemaßnahmen zählten neben guter Vorwarnung eine bessere Vorbereitung im Gesundheitswesen auf Hitzewellen und ein ökologischer Stadtumbau, zum Beispiel die Beseitigung von "Wärmeinseln" in den Kommunen durch Begrünung. UBA und DWD rechnen damit, dass die Belastungen für die Gesundheit in den heute bereits sehr warmen Gebieten im Süden und Westen Deutschlands am stärksten ansteigen werden.

Ausblick auf den "Sommer von morgen"

Eine aktuelle Analyse der jüngsten Hitzewelle in Mittel- und Westeuropa von Anfang Juli zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit für ein solch extremes Ereignis inzwischen etwa doppelt so hoch ist wie noch um 1950. Eine Gruppe britischer, niederländischer und französischer Forscher arbeitete dafür mit einem Computermodell, das ein Wetterereignis in einer Atmosphäre ohne und mit erhöhtem Treibhausgas-Niveau simulieren kann. "Die Hitzewelle, wie wir sie gerade hatten, lässt sich dabei nur nachvollziehen, wenn man die Klimagase mitberücksichtigt", erläuterte Robert Vautard, einer der führenden Klimaforscher Frankreichs und Mitautor der Studie. Das gebe eine Vorstellung davon, "wie unsere Sommer in Zukunft aussehen werden".

Eine der Städte neben Paris, Madrid und Zürich, die die Experten für die Untersuchung analysierten, war das baden-württembergische Mannheim. Die dort aufgetretene Hitze hätte um 1900 als "Jahrhundert-Ereignis" gegolten. Inzwischen müsse man alle 15 Jahre damit rechnen, so die Forscher.

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Ab kommenden Freitag soll es wieder sonnig und sehr heiß werden – mit Themperaturen über 34 Grad. (Foto: Reimer)

Krankenhäuser und Rettungsdienste verzeichneten am ersten Juli-Wochenende mehr Notfälle, vor allem wegen Kreislaufproblemen. "Die Notaufnahmen waren voller", sagte eine Sprecherin des Frankfurter Nordwest-Krankenhauses auf Anfrage. Oft seien es ältere Menschen mit Kreislaufproblemen gewesen, die trotz der Hitze zu wenig getrunken hätten. In diesen Fällen habe man mit einer Infusion helfen können.

Auch die Berliner Charité verzeichnete mehr Aufnahmen wegen der Hitzewelle. In ihren Rettungsstellen wurden an dem Wochenende über 30 Hitzepatienten behandelt. Die Patienten hätten an Symptomen wie Benommenheit, Blutdruckschwankungen und Schwäche gelitten, hieß es auf Anfrage.

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