Böse Falle: Heizöl

Alle reden über die Strompreise. Dabei explodieren vor allem bei den fossilen Brennstoffen die Kosten: Die Heizölpreise haben sich in zehn Jahren fast verdreifacht, zeigt eine Studie für die Bundestagsfraktion der Grünen. Die Regierung reite auf den Strompreisen herum, sei aber bei den Heizkosten völlig blind, schimpft der grüne Energiepolitiker Hans-Josef Fell.

Aus Berlin Susanne Ehlerding

Noch nie mussten Verbraucher so viel Geld für den Liter Heizöl bezahlen wie im vergangenen Jahr. Und die Kosten werden wohl weiter steigen. Laut der Studie des Hamburger Forschungsbüros EnergyComment könnte Heizöl bis zum Jahr 2020 um die Hälfte teurer werden. 2030 ist es dann möglicherweise sogar doppelt so teuer wie heute. Zur Vorstellung der Studie (PDF) kritisierte der energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Hans-Josef Fell, sowohl den Bundesumweltminister als auch den Wirtschaftsminister: "Altmaier und Rösler sind bei den Heizkosten völlig blind. Sie reiten auf dem Strompreis rum, während die sozialen Probleme im Heizölmarkt viel größer sind. Sie lassen viele Menschen mit hohen Heizkosten alleine und stürzen damit immer mehr Familien in die Armut."


In nur zehn Jahren haben sich die Heizölpreise nahezu verdreifacht. Und laut der Prognose ist das erst der Anfang. (Grafik: Bukold/EnergyComment)

Die Heizölpreise haben sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht, zeigt die Studie. Im vergangenen Jahr lag der Preis für 100 Liter zwischen 85 und 95 Euro. Zehn Jahre zuvor kostete die gleiche Menge im Schnitt nur 35 Euro und 1998 lediglich 22 Euro. "Die politische Diskussion konzentriert sich zurzeit auf die Strompreisdebatte und übersieht dabei die weitaus höheren Preisrisiken fossiler Energieträger für Heizungen und Kraftstoffe", kritisiert Steffen Bukold, Autor der Studie "Verheizt? Heizöl im deutschen Wärmemarkt".

Zwar trifft ein hoher Strompreis anders als beim Heizöl alle Kunden. Doch immerhin zwölf Millionen Haushalte in Deutschland heizen mit Öl. Das ist fast jeder dritte Haushalt. Gerade ältere Einfamilienhäuser und schlecht gedämmte Mietwohnungen würden oft mit Öl geheizt, heißt es in der Studie. Die Brenner seien häufig veraltet und wenig effizient. In den Wohnungen lebten überdurchschnittlich oft alte Menschen, die sich auch tagsüber zu Hause aufhalten. "Dadurch wird Heizöl nicht nur zu einer klimapolitischen Herausforderung, sondern auch zu einem drängenden sozialpolitischen Problem", resümiert der Autor.


Fast drei Viertel aller Gebäude in Deutschland wurden vor 1978 errichtet. also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung. Dieser Altbestand hat den höchsten Bedarf an Heizenergie pro Quadratmeter. (Grafik: EnergyComment)

Die Studie wirft auch ein Licht auf die bei der Energiewende bisher sträflich vernachlässigte Steigerung der Energieeffizienz bei der Wärmeproduktion. Immerhin schluckt das Heizen von Gebäuden rund 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland. Im Vergleich mit Heizöl sind fast alle anderen Energiequellen umweltverträglicher, verdeutlicht die Studie. "Ein zentrales Ziel der Wärmepolitik muss daher sein, den Verbrauch von Heizöl rasch und umfassend zu reduzieren", fordert Steffen Bukold.

Nach jahrelangem Hickhack zwischen Bund und Ländern um eine Förderung der Gebäudesanierung scheiterte kürzlich der geplante Steuerbonus im Vermittlungsausschuss des Bundesrates. Daraufhin legte der Bund ein eigenes Programm auf, doch nicht nur Umwelt- und Klimaschützer, sondern auch Handwerksverbände kritisierten diese Programme als zu klein, um nennenswerte Erfolge bei der energetischen Gebäudesanierung zu erreichen.


Der Lack ist ab. Öl als Brennstoff wird von fast allen anderen Energieträgern in puncto Effizienz und Klimaverträglichkeit geschlagen. Und immer mehr auch beim Preis. (Foto: Nick Reimer)

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