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BMW, Guggenheim und Hacks Kamm




"Kiez" (Arbeit: Hermann Josef Hack)

Berlin am Spreeufer, im Herzen des Wrangelkiezes in Kreuzberg: Mitten im so genannten "MediaSpree"-Gebiet soll ab März das "BMW Guggenheim Lab" aufgebaut werden. "Forward Thinking – Nachhaltige Lösungen für das Stadtleben", heißt das Motto, die Eröffnung mit Party-Bürgermeister Wowereit ("Steigende Mieten sind gut für Berlin") ist im Mai geplant.

Der wegen seiner CO2-Schleudern hierzulande in Image-Schwierigkeiten steckende BMW-Konzern hofft durch dieses Projekt auf einen satten Prestige-Gewinn, während der Grundstückseigentümer mit einer Wertsteigerung der Brache rechnen darf. Wenn das Lab den Standort erst richtig hip gemacht hat, werden schnell Luxuswohnungen die ehemalige Spielwiese für Kiezkultur verdrängen.

Worum es geht? Das BMW Guggenheim Lab zum Thema "urbanes Leben und Wohnen in der Zukunft" ist der Deal zwischen BMW und dem Guggenheim-Museum in New York. Dort hatte das Museum eine werbeträchtige Ausstellung von BMW-Designs gezeigt, im Gegenzug finanziert nun BMW das Lab. Nach der ersten Station im Sommer 2011 in New York soll es von Mai bis Juli in Berlin-Kreuzberg aufgeschlagen werden und 2013 nach Mumbai weiterziehen.

Dass ein Autokonzern eine Zukunft mit autoloser Stadt nicht unbedingt noch fördern wird, dazu braucht es nicht allzu viel Fantasie. Gemessen an den letzten Jahrzehnten des Widerstands der deutschen Autohersteller gegen Sprit-sparende oder alternative Antriebstechnologien kann man sich unschwer vorstellen, dass es eher darum gehen wird, den finanzstarken hippen Neuberliner/innen einen fetten Geländewagen oder Sportschlitten in die beheizte Garage zu stellen. Also dort, wo vorher die Sprayer und Street-Art-Künstler ihr Revier markierten und für eine besonders gehypte Gegend sorgten.

Schade, dass sich einige Künstler, Architekten und Stadtplaner nicht zu schade waren, diese Werbekampagne gegen entsprechende Besoldung mitzutragen. "Mit der Experiential Branding-Strategie, und ganz konkret mit dem BMW Guggenheim Lab, möchten wir jene ansprechen, die heute vielleicht noch keine besondere Affinität zur Marke BMW haben - möglicherweise dem Auto sogar ambivalent gegenüber stehen...", so die Autoschmiede. Deutlicher geht es kaum.

Mir schwillt der Kamm, wenn ich sehe, wie Designer, Künstler und Architekten schon wieder mit dem Geldstrom der Rückwärtsgewandten schwimmen und damit die letzten Reservoire der Stadt opfern, nicht nur in New York und Berlin. Im Westen nichts Neues. Die Rattenfänger sind wieder unterwegs und fahren SUV.

hack-groesserHermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler

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