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Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Die Stiftung Warentest hat es wieder einmal schwarz auf weiß dokumentiert: Nicht jeder Ökostromtarif hilft der Energiewende und dem Klima. Obwohl das unter den Eingeweihten eine Binse ist, wechselt der allergrößte Teil der Interessenten zum falschen Anbieter.

Von Nick Reimer

Für ihre Februar-Ausgabe der Zeitschrift test haben die Experten der Stiftung Warentest 19 bundesweit vertriebene Ökostrom-Angebote untersucht. Ergebnis: Lediglich zwei Drittel haben einen Nutzen für die Umwelt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) fordert als Konsequenz ein einheitliches und anspruchsvolles Gütesiegel. „Wie bei Biolebensmitteln brauchen wir endlich auch beim Ökostrom Verlässlichkeit“, erklärte VZBV-Vorstand Gerd Billen. Derzeit verlören Verbraucher in der Labelflut des Ökostrommarktes mit unterschiedlichen Philosophien und intransparenten Kriterien den Durchblick.


Lichtblick-Vorstand Gero Lücking und Technik mit VW-Logo: Das ZuhauseKraftwerk von Lichtblick soll eine Revolution im Heizungskeller anzetteln. (Foto: Reimer)

Dieser Nutzen wird von den Testern wie folgt definiert: Ökostromtarife müssen konventionellen Strom vom Markt verdrängen, um so den Ausbau erneuerbarer Energien voranzubringen. Eine solche Zubauwirkung - in der Wortwahl des Tests "ökologisch engagiert" - garantieren nur 13 Angebote. Daneben werteten die Tester auch noch Tarifbedingungen, wie etwa Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen, Preise. In den Test einbezogen wurden nur Angebote, die bundesweit verfügbar sind.

Ergebnis: "Sehr stark" ökologisch engagiert und zusätzlich mit "guten" Vertragsbedingungen sind die Tarife der unabhängigen Ökostromanbieter EWS Schönau (Tarif Sonnencent 0,5), Lichtblick (Lichtblick-Strom) und Naturstrom (naturstrom). Greenpeace Energy (Privatkundentarif) ist ebenfalls "stark engagiert", die Tarifbedingungen wurden hier als "befriedigend" eingeschätzt.

"Nur bei diesen vier unabhängigen Ökostromanbietern geht das Geld nicht an ein Unternehmen, das auch Atom- und Kohlestrom verkauft", urteilt die Stiftung Warentest. Deshalb seien diese auch jene, die tatsächlich zur Energiewende beitragen.

Faustregel: Die unabhängigen Vier helfen der Energiewende - alle anderen wenig, gar nicht oder verhindern sie

Ebenfalls getestet wurden die Tarife "Ener­giegut Hallo Natur!", "ener­gie­hoch3 strom­hoch3 aus Wasser­kraft", "Ener­gie­ver­sorgung Halle EVH Öko+", "Entega Öko­strom", "Mark E KlimaFair Strom", "Stadt­werke Flens­burg extra Öko", "Stadt­werke München M-Öko­strom aktiv", "Stadt­werke Soest Hellweg Strom",  "Stadt­werke Trier SWT Römer­strom", "strasserauf Öko­strom", "Wemag wemio Öko­aktiv­strom".

Insbesondere den "Öko"-Tarifen der Konzerngesellschaften eprimo (RWE), Easy Natur Privat (Vattenfall) und NaturEnergiePlus (EnBW) bescheinigt der Test ein "schwaches ökologisches Engagement". Letzter im Test wurde der Tarif „Evita aqua“ des Anbieters Evita mit dem Testergebnis „befriedigend“ (3,3). Das ökologische Engagement wurde hier als allenfalls „schwach“ bewertet. Die ausführlichen Testresultate finden sich in der Stiftung Warentest, Ausgabe 01/2012.

"Das wirksamste und einfachste Mittel gegen die aktuellen Angriffe auf die Energiewende ist die Stärkung der Alternativen zu den Atomkonzernen. Und das geht am einfachsten über Ihre Stromrechnung", rät Melanie Ball von der Kampagnie Atomausstieg selber machen. Die Untersuchung durch die Stiftung Warentest zeige erneut, dass nur ein Wechsel zu den vier unabhängigen Ökostromanbietern EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy der Energiewende helfe.

Das Hamburger Unternehmen Lichtblick hatte Ende des vergangenen Jahres 535.000 Stromkunden - und ist damit größter Ökostrom-Anbieter in Deutschland. Den größten Sprung machte im letzten Jahr Naturstrom: Das Düsseldorfer Unternehmen verdoppelte seine Kundenzahl auf knapp über 200.000. Bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) stieg die Kundenzahl 2011 um 28.000 auf 125.000. Greenpeace Energy konnte 10.000 neue Kunden hinzugewinnen und versorgt nun 110.000 Haushalte.


Produzieren diese Windräder an der Autobahn Leipzig - Dresden Ökostrom? Vermutlich nicht im Sinne der Vermarktung: Anlagen, die in Deutschland nach dem EEG gefördert werden, dürfen nicht von Ökostromhändlern in Beschlag genommen werden. (Foto: Reimer)

Nach Angaben der Bundesnetzagentur hatten Anfang 2011 - also noch vor Fukushima - insgesamt 3,7 Millionen Haushaltskunden einen Ökostromtarif, das entsprach einem Anteil von 8,8 Prozent an den Gesamthaushalten. Neuere Angaben liegen noch nicht vor. Das bedeutet aber auch, dass Anfang 2011 lediglich 800.000 Kunden "dunkelgrünen" Ökostrom bezogen haben - und sich 2,9 Millionen Deutsche von anderen, weniger klimafreundlichen Angeboten locken ließen.

Wie sollen aber auch die Stromkunden den Überblick behalten, wenn nicht einmal die Zeitschrift Öko-Test den Durchblick hat? Im vergangenen Jahr hatten die Ökotester schlimmsten Klimasündern beste Noten gegeben.

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