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Dosenvorbild für Energiesparlampen

Skandinavien diskutiert ein Pfandsystem für die quecksilberhaltigen Lampen. Zu viele landen nämlich im Müll oder Glascontainer. Gibt es ein Pfand, dann beweisen die SkandinavierInnen mit einer Recyclingquote von 87 Prozent ihr Umweltbewusstsein - beispielsweise bei Dosen und PET-Flaschen.

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Sie gehören nicht in den Müll und sie gehören nicht in den Glascontainer. Trotzdem landet rund die Hälfte der ausgedienten Energiesparlampen genau da, haben Untersuchungen in Finnland und Schweden nun ergeben. Und weil das Länder sind, in denen die Bevölkerung schon seit Jahrzehnten auf Mülltrennung, Recycling, den Weg zu Pfandautomaten, Glas- und Papiercontainern getrimmt ist, dürfte die Bilanz in Resteuropa vermutlich nicht viel besser aussehen.


Energiesparlampen sollten wegen ihres Quecksilbergehalts ordnungsgemäß entsorgt werden. (Foto: Armin Kübelbeck, Wikimedia Commons)

"Das ist unhaltbar", erklärte die schwedische Umweltministerin Lena Ek Mitte Dezember bei einem Treffen der Abfallbranche des Landes. Im März will man sich wieder zusammensetzen und zu Beschlüssen kommen. Eine Möglichkeit ist die Einführung eines Pfandsystems. Es läppert sich nämlich zusammen, wenn Millionen nicht vorschriftsmässig entsorgter Lampen ihren Quecksilbergehalt von jeweils 3 bis 5 Milligramm in Luft und Umwelt abgeben. Direkt betroffen seien die mit Glasrecycling Beschäftigen, warnt die schwedische Naturschutzvereinigung Naturskyddsforeningen: "Und das Risiko, dass sich dieses Umweltgift in der Natur ausbreitet, steigt."

Mit den Energiesparlampen bekam Schweden ein Umweltproblem durch die Hintertür zurück, von dem man sich eigentlich schon seit Beginn der 1990er-Jahre befreit hatte. Damals wurde jegliche Verarbeitung von Quecksilber im Lande verboten, seit 2009 herrscht absolutes Quecksilberverbot – auch für Zahnamalgam. Mit dem EU-Glühbirnenverbot sah man sich aber gezwungen, für Energiesparlampen doch wieder eine Ausnahme zuzulassen.


Beim Dosenpfand galten skandinavische Länder als Vorreiter. (Foto: Casimir, Wikimedia Commons)

Obwohl die Bevölkerung also für die Quecksilberproblematik sensibilisiert ist und an den Glascontainern Hinweise kleben - "Inga lågenergilampor!" - funktioniert die Entsorgung höchst unzureichend. "Die Leute werfen sie trotzdem in die Container, weil es an wirklichen Alternativen fehlt", meint Naturskyddsforeningen. Der Weg zum Wertstoffhof beziehungsweise halbjährliche oder jährliche Einsammelaktionen seien zu aufwändig und reichten nicht, sagt deren Vorsitzender Svante Axelsson: "Aber natürlich wollen wir deshalb nicht die ineffektive Glühbirne zurück haben."

Die Produzenten müssten verantwortlich gemacht werden für die Einsammlung ihrer ausgedienten Lampen, fordert nicht nur Axelsson. Und vielleicht könnte Skandinavien, wo schon in den 1980er Jahren ein produzentenfinanziertes Pfandsystem für Aludosen eingeführt wurde, auch beim Energiesparlampenpfand ein Vorreiter werden. Technisch wäre das Ganze kein Problem. Eine norwegische Firma hat bereits den Prototyp eines solchen Lampenpfand-automaten entwickelt, der im Prinzip wie ein Pfandautomat für Aludosen funktioniert. Und gibt es ein Pfand, dann beweisen die SkandinavierInnen mit einer Recyclingquote von 87 Prozent für Dosen und PET-Flaschen ihr Umweltbewusstsein. Es bedürfte eigentlich nur noch eines politischen Beschlusses.

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