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Wasser im Traum und unter dem Bett


Der Arktische Rat schlägt Alarm: Der Meeresspiegel wird am Ende des Jahrhunderts bis zu 1,6 Meter über dem heutigen liegen. Was tun, wenn der Meeresspiegel steigt? serie_meer_klein.pngIn einer Serie beleuchtet klimaretter.info, welche Strategien es dagegen gibt. Teil 14: Absaufen in den Armenvierteln von Nigeria.

Aus Lagos Sam Olukoya (IPS)

Wenn es Nacht wird in Makoko, einem Slum in der Bucht von Lagos, überkommt die Menschen ein Gefühl der Angst. Sie fürchten sich vor den immer häufiger auftretenden Überschwemmungen, die sie bisweilen im Schlaf überraschen. "Einmal träumte ich, von einer kalten Brise erfasst zu werden. Als ich die Augen öffnete, lag ich im kalten Wasser", erzählt Dupe Faseun, Mutter von fünf Kindern, die die Familie mit den Einnahmen aus einer kleinen Garküche durchbringt. Wieder war ihre Hütte überschwemmt, ein immer häufiger wiederkehrendes Problem.


Slum unter Wasser. (Foto: IPS)

Gerade die tiefliegenden Armenviertel bekommen die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Desmond Majekodunmi von der Nigerianischen Umweltstiftung erklärt, dass das UN-Siedlungsprogramm HABITAT Lagos auf der Liste jener afrikanischen Städte führt, die durch den Anstieg des Meeresspiegels besonders gefährdet sind. Der Wasserstand der Bucht von Lagos, die mit dem Atlantik verbunden ist, passt sich dem Meeresspiegel an. Eine Studie im Fachmagazin 'Proceedings of the National Academy of Sciences' hatte gerade dargelegt, dass der Atlantik besonders schnell ansteigt.

Und der Arktische Rat schlug Alarm: Das Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) stellte der auf der Klimakonferenz in Durban neueste Forschungergebnisse vor. Demnach werde der Arktische Ozean in den nächsten 20 bis 30 Jahren im Sommer komplett frei von Eis sein. Die Forscher prognostizieren als Folge der globalen Schneeschmelze einen Anstieg des Weltmeeresspiegels um bis zu 1,6 Meter.

Das Nigerianische Institut für Sozial- und Witschafts-Forschung verbucht zudem eine Zunahme und Intensität der Niederschläge in der Region. "Mehr Regen liegt im Trend", heißt es in der Studie. Die Folgen sind oft katastrophal. So fanden allein im Juli nach sintflutartigen Regenfällen 25 Menschen den Tod.

Durch Überschwemmungen um ihr Einkommen gebracht

Majekodunmi, der Experte von der Umweltstiftung, sagt, dass die Erderwärmung bereits heute die Einkommensmöglichkeiten der Slumbewohner schmälert, besonders die der Frauen. "Sie sind direkt für die Versorgung ihrer Kinder verantwortlich. Und etliche von ihnen müssen viele Mäuler stopfen, denn in Nigeria sind große Familien gang und gäbe", sagt Majekodunmi.

Dupe Faseun zum Beispiel, die Mutter mit der Garküche, die sie in der Nähe ihrer Hütte betreibt. Oft ziehen sich die Wassermassen erst nach Tagen zurück. "Wenn das schmutzige Wasser überall steht, brauche ich auf Kundschaft gar nicht erst zu warten", sagt Dupe Faseun. "An diesen Tagen überfällt mich eine tiefe Verzweiflung. Denn dann weiß ich einfach nicht, wo ich das Geld hernehmen soll, um meine Kinder zu versorgen."

In Ajegunle, einem anderen tief liegenden Armenviertel in Lagos, sorgen die Überschwemmungen zu einem kollektiven Stillstand der Arbeit. Hier haben sich die Frauen mit der Weiterverarbeitung von Fisch ein Auskommen geschaffen. "Wie sollen sie es fertigbringen, Fisch zu räuchern, wenn um sie herum alles unter Wasser steht", fragt Fatai Ojulari vom Fischereiverband. "Unsere Frauen erleben harte Zeiten, und finanzielle Hilfe ist nicht in Sicht."

Internationale Klimaanpassungsgelder gefordert

Die Regierung immerhin sieht das Problem und will nun handeln. Der Bau einer Mauer sei geplant, die die Bevölkerung vor den Wassermassen schützen soll, sagt der Gouverneur des Bundesstaates Lagos, Babatunde Fashola. Doch woher das Geld kommen soll, um die Slums Makoko und Ajegunle an die Folgen des Klimawandels anzupassen, ist völlig unklar.


Mit Sandsäcken gegen steigende Wasserspiegel? Hier jüngst in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. (Foto: Reimer)

So wird Dupe Faseun weiter von den Klimaanomalitäten albträumen. Wegziehen wäre eine Möglichkeit. Für die garköchin allerdings nur eine theoretische. Sie sagt: "Selbst wenn die Überschwemmungen starker werden, uns fehlt das Geld, woanders neu anzufangen."

Zuletzt in dieser Serie erschienen:

Teil 1: Die Malediven - Ein Land plant den Umzug
Teil 2: Singapur verpflichtet holländische Deichbauer
Teil 3: Bangladesch - Überleben im Hochbunker
Teil 4: Pazifik - Das Paradies bittet um Asyl
Teil 5: Venedig - Mit Schleusentoren und Mose
Teil 6: New York - Die zukunftslose Stadt
Teil 7: Die Niederlande - Holland lässt die Häuser schwimmen
Teil 8: Shanghai - Die Last des Wirtschaftsbooms
Teil 9: Deutschland - Was die Schafe lehren
Teil 10: Grönland - sonnig, mild, 18 Grad Celsius
Teil 11:  USA - Die ungehörte Botschaft der der chesapeake bay
Teil 12: Flutwelle rollt auf Bangkok zu
Teil 13:  Der Arktische Rat schlägt Alarm

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