Schmähpreis für Agrosprit
Das Agrosprit-Unternehmen Neste Oil hat für seine Geschäftspraktiken den Public Eye Award erhalten. Eine positive Auszeichnung ist das nicht: Mit dem Schmähpreis zeichnen Greenpeace Schweiz und die entwicklungspolitische Organisation "Erklärung von Bern" (EvB) parallel zum Jahrestreffen des World Economic Forums (WEF) in Davos Unternehmen für besonders menschen- und umweltverachtende Geschäftspraktiken aus. Für Neste Oil stimmten über das Internet 17.385 von 53.329 Menschen ab. Den Jurypreis erhielt der südafrikanische Minenkonzern AngloGold Ashanti.

Der Schmähpreis ging an das Agrospritunternehmen Neste Oil und an den Minenkonzern AngloGold Ashanti. (Bilder: Public Eye Awards)
"Die Public Eye Awards 2011 prämieren zwei Konzerne, die exemplarisch für jene WEF-Mitglieder und Unternehmen stehen, deren soziale und ökologische Vergehen die Kehrseite einer rein Profit orientierten Globalisierung zeigen", erklärten Greenpeace und EvB. Die Nichtregierungsorganisationen werfen dem finnischen Unternehmen Neste Oil vor, das aus Palmöl hergestellten Agrodiesel als "Öko-Benzin" zu verkaufen. Dabei ist Neste Oil verantwortlich für Landnahme, Vertreibung von Menschen und die Zerstörung von Regenwald und Mooren vornehmlich in Malaysia und Indonesien.
Neste Oil will 2012 mit 2,5 Millionen Tonnen Palmöl mehr als fünf Prozent der globalen Palmölproduktion für seinen Diesel einsetzen und wäre damit Nummer Eins der weltweit größten Palmöl-Abnehmer. Bereits in diesem Jahr soll der Agrotreibstoff auch für Personenflüge von Lufthansa und Finnair genutzt werden. "Neste Oil behauptet, seine Lieferkette sei zu 100 Prozent nachverfolgbar, will den Beweis dafür aber nicht erbringen und hält seine Akten verschlossen", so Greenpeace Schweiz.

Noch in diesem Jahr wollen Lufthansa und Finnair Agrosprit der Firma Neste Oil für ihre Flugzeuge einsetzen.
Dem südafrikanischen Bergbau-Unternehmen AngloGold Ashanti werfen AvB und Greenpeace die Verschmutzung und Austrocknung von Flüssen sowie Vergiftung von Menschen und Land beim Goldabbau in Ghana und Menschenrechtsverletzungen vor. Daniel Owusu-Koranteng, Präsident der Betroffenenorganisation WACAM, sprach bei der öffentlichen Bekanntgabe des Preises am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos von "Minenabfällen, die Flüsse und Brunnen kontaminieren, aus denen ganze Dörfer trinken müssen." Darüber hinaus seien "in konzerneigenen Wachhäusern verschiedentlich Anwohner gefoltert" worden, wobei es "auch schon Tote" gegeben habe.
Auf dem Weltwirtschaftsforum, das noch bis Sonntag läuft, setzten die Regierungsvertreter in einer eineinhalbstündigen Sitzung am Mittwoch bereits ihre umwelt- und klimapolitischen Prioritäten für das Jahr 2011 fest. Vage erklärten sie, die Staaten müssten sich an ihre Verpflichtungen zur Reduzierung von Treibhausgasen am Ende der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls halten. Darüber hinaus solle die Politik Anreize schaffen, um Unternehmen zu verantwortungsvollem Handeln zu bewegen. Die Zivilgesellschaft solle sich mit Ideen einbringen und die Einhaltung von Standards überwachen. Am Samstag stehen ein nachhaltiger Lebensstil und Energieeffizienz auf der Davoser Agenda.
klimaretter.info/jot
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 23 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Regenwald-Zerstörung über die Tankstelle: Für die Herstellung von Agrodiesel werden in Indonesien und Argentinien Urwälder gerodet
Umweltschützer vergeben wieder den Public Eye Award. Abstimmung bis Ende Januar
Bis 2020 will die EU den Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor auf zehn Prozent erhöhen. Hierfür soll vor allem mehr Agrosprit in europäische Tanks fließen. Die Kommission hat heute sieben freiwillige Zertifizierungssysteme anerkannt, die garantieren sollen, dass die Herstellung der Treibstoffe keinen Schaden anrichtet.
Die Einführung von E10 scheint ein Flop: Die Mineralölwirtschaft zögert bei der Umstellung und verweist auf streikende Spritkunden. Umweltminister Norbert Röttgen kritisiert das "Durcheinander", Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ruft zum Benzin-Gipfel.
Der Absatz von reinem Agrodiesel ist 2011 fast vollständig eingebrochen. Und auch die Markteinführung des Agrotreibstoffs E10 entpuppte sich als Flopp. Wo steht die deutsche Agrokraftstoffbranche zur Zeit? Die Verbände der Mobilität vom Acker ziehen Bilanz.
In Afrika nimmt die illegale Landnahme zu. Genutzt wird das Land vor allem von ausländischen Firmen, die Agrotreibstoffe für den europäischen Markt herstellen. Einer neuen Studie zufolge sind mindestens fünf Millionen Hektar Land betroffen
Kerosingemisch bislang ohne Zulassung. Emissionshandel ab 2012 auch für den Flugverkehr
Mit einem Langzeittest erprobt Lufthansa derzeit weltweit erstmals den Einsatz von Agrosprit im regulären Flugbetrieb. Ergebnisse des Projekts mit dem schönen Namen burnFAIR sind frühestens Ende Oktober zu erwarten.
Bundesumweltminister kündigt Kabinettsbeschluss an: Nach dem Mittwoch sollen 10 Prozent Bioethanolanteil in den Tank - ab 2011
Mehr als einhundert Wissenschaftler fordern die EU-Kommission in einem Brief auf, bei der Klimabilanz von Agro-Kraftstoffen endlich die sogenannten indirekten Landnutzungsänderungen zu berücksichtigen. Der Europäische Verband der Biodieselhersteller sieht deren negativen Einfluss noch nicht als bewiesen an.
Mais ist in Mexiko Grundnahrungsmittel wird immer teuerer. Dennoch wollte die Regierung auch die Produktion von Agrosprit aus Mais vorantreiben - eine entsprechende Gesetzesreform ist jedoch vorerst gescheitert. Aus Mexiko-Stadt Daniela Pastrana
US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack will mit neuem Programm zur Unterstützung von Biomasse (BCAP) Arbeitsplätze schaffen, dem Klimawandel entgegenwirken und die Wirtschaft fördern
US-Expertenkommission hat nach sechsmonatiger Arbeit ihren Abschlussbericht zum Unglück der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon vorgelegt. Für die Katastrophe wurde BP nun für den Public Eye Award nominiert.
Die Biokraftstoffbranche trifft sich zu ihrer Jahrestagung in Berlin - und formuliert scharfe Kritik an der Bundesregierung und der EU. Die Diskussion über eine Einbeziehung der sogenannten indirekten Landnutzungsänderung bei der Treibhausgasbilanz gefährde die Ziele für erneuerbare Mobilität.


