Streit um Entschädigung für CCS-Sprengung
Es ist eine Lokalgeschichte, die außerhalb von Schleswig-Holstein wohl kaum einer beachtet. Dabei geht es um die Glaubwürdigkeit des Energiekonzerns RWE. Der will nämlich das Klimagas Kohlendioxid unterirdisch verpressen (als Teil der sogenannten CCS-Technik) und hat vermutlich zu dem Zweck eine Sprengladung gezündet, um den Untergrund zu untersuchen. Nun haben mehrere Häuser Risse, doch RWE möchte anscheinend nicht alle Besitzer angemessen entschädigen.
Bei der Erkundung des Untergrunds für die geplante Kohlendioxid-Einlagerung kann schonmal was schiefgehen... (Foto: Reimer)
Die Kieler Nachrichten berichten über die Familie Kaufmann aus Raisdorf. Ihnen wurde bei ihrem Streit um ihre Entschädigung ein unabhängiges Gutachten zum Verhängnis. Ein Kieler Gericht bestellte zwei Sachverständige, einen Hochbaufachmann und einen Geologen. Das Ergebnis: Die Sprengung ist schuld an den Rissen, Kostenpunkt: 4.350 Euro.
RWE aber vertraut lieber den eigenen Gutachtern. Der Konzern bezweifelt, dass die Sprengung tatsächlich für sämtliche Schäden verantwortlich sei. Für Martina Kaufmann ist das unverständlich: "Die andere Doppelhaushälfte war auch betroffen. Da hat RWE-Dea bereits bezahlt." Nur: Bei den Nachbarn war der RWE-Gutachter.
RWE hatte "unbürokratischen Schadensersatz" versprochen
Nach diesen Vorkommnissen mutet das Versprechen des Energiekonzerns etwas merkwürdig an: Unternehmenssprecher Derek Mösche hatte nämlich seinerzeit angekündigt "unbürokratisch Schadensersatz zu leisten". Inzwischen hat Familie Kaufmann so viele Akten gesehen, dass sie in Ruhe gelassen werden will. Bereits im Mai hat sie deshalb angeboten, sich mit einem geringeren Schadensersatz zufrieden zu geben. Besonders absurd: Inzwischen belaufen sich nach Angaben der Kieler Nachrichten alleine die Gutachterkosten auf über 10.000 Euro.
Die Geschichte lässt die Versprechen der Energieunternehmen bezüglich der umstrittenen Kohlendioxid-Verpressung in einem anderen Licht erscheinen. Auch Vattenfall hat für die Boden-Untersuchungen in Brandenburg versprochen, "dass wir für alle eventuell entstehenden Schäden geradestehen werden".
klimaretter.info/fw
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