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Kohlekraftwerke sind Verlustgeschäft

Mehr als die Hälfte aller europäischen Kohlekraftwerke fährt schon jetzt Verluste ein. Bis 2030 könnten es fast alle sein, vorausgesetzt die Europäische Union macht ernst mit einer Klimapolitik, die den Zielen des Paris-Abkommens folgt. Das geht aus einem heute veröffentlichten Bericht des Londoner Thinktanks Carbon Tracker hervor. Würden die Kraftwerke bis spätestens 2030 geschlossen, ließen sich für die Besitzer Verluste von 22 Milliarden Euro vermeiden. Die bisherigen Pläne der Kraftwerkseigner sehen vor, bis 2030 nur ein Viertel der Kraftwerke abzuschalten.

BildAllein in Deutschland könnten die Kohlekraftwerksbetreiber Verluste in Höhe von zwölf Milliarden Euro vermeiden, wenn sie ihre Anlagen bis 2030 abschalten. (Foto: Klimkin/​Pixabay)

Insgesamt gibt es derzeit in den 28 EU-Staaten knapp 620 Kohlekraftwerke. Carbon Tracker hat deren Gewinne und Betriebskosten analysiert. Demnach haben die Anlagen bis etwa 2010 noch gute Gewinne eingefahren. Seitdem aber ist ihr Wert dem Bericht zufolge im Schnitt um 20 Prozent gesunken. Verantwortlich dafür sind die sinkenden Strompreise, verursacht durch den Zubau von erneuerbaren Energien, sowie EU-Regeln zur Luftreinhaltung.

Trotz Verlusten lassen viele Betreiber von Kohlekraftwerken ihre Anlagen dennoch weiterlaufen in der Hoffnung, dass die Konkurrenz aufgibt und Kapazitäten vom Markt nimmt oder dass Staaten Prämien für die Vorhaltung von Kraftwerkskapazität zahlen. Dies tut etwa Deutschland mit der sogenannten Kapazitätsreserve.

Mit dem reformierten Emissionshandel und den ab 2021 geltenden strengeren EU-Auflagen zur Luftreinhaltung geraten die Anlagen laut dem Bericht ökonomisch immer stärker unter Druck. Die Betreiber müssen jetzt entscheiden, ob sie die Anlagen, die bereits heute Verluste einfahren, noch einmal nachrüsten wollen oder nicht. Carbon Tracker zufolge müssten noch zwei Drittel der europäischen Kraftwerke mit neuen Technologien ausgestattet werden. Andere Experten gehen sogar von 80 Prozent aus. Zudem könnten sich die Hoffnungen der Kraftwerksbesitzer auf Prämien zur Vorhaltung ihrer Kapazitäten zerschlagen. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, ab 2025 solche Prämien für Kohlekraftwerke gesetzlich zu verbieten.

"Die veränderte Kostensituation der Erneuerbaren wie auch die Politikmaßnahmen für saubere Luft und die steigenden Kosten für CO2 haben die europäische Kohle in eine 'Todesspirale' gebracht", warnte Carbon-Tracker-Analyst Matthew Gray. "Die Kraftwerke können dabei nichts anderes tun, als abzuschalten oder die Regierungen mit ihren Lobbyaktivitäten zu traktieren und zu hoffen, dass die ihnen aus der Klemme helfen." Gray zufolge ist es inzwischen günstiger, neue Solaranlagen und Windräder zu bauen, als die bestehenden Kohlekraftwerke weiterlaufen zu lassen. "Das ist eine verblüffende Erkenntnis, etwas, das wir uns vor fünf Jahren nicht hätten vorstellen können", sagte er.

Deutschland wäre im Falle eines Weiterbetriebs der Kraftwerke am stärksten von Verlusten betroffen. Diese könnten sich hier den Angaben zufolge auf zwölf Milliarden Euro summieren. Allein für RWE wären dies 5,3 Milliarden Euro, für die Eon-Abspaltung Uniper 1,7 Milliarden Euro. Mehrere EU-Staaten haben bereits ein Datum für den Kohleausstieg angekündigt, darunter Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Portugal.

klimaretter.info/em

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