Investoren sollen auf die Kohle schauen

Daten zu mehr als 770 Kohle-Unternehmen liefert die am heutigen Donnerstag veröffentlichte "Global Coal Exit List". Die von der Umweltorganisation Urgewald erarbeitete Datenbank soll vor allem der Finanzindustrie helfen, Unternehmen zu erkennen, die Kohlevorkommen aufsuchen, Kohle fördern, handeln oder verstromen oder Kohlekraftwerke bauen. Nach Angaben von Urgewald decken die bisher existierenden Datenbanken der Finanzindustrie nur etwa 100 Kohlefirmen ab.

BildDen sterilen Räumen an der Börse sieht man nicht an, wenn dort Kohleaktien über den virtuellen Tresen gehen. (Foto: Dontworry/​Wikimedia Commons)

Das Erwärmungs-Limit von 1,5 Grad sei nur dann einzuhalten, wenn Banken und Investoren "rasch und vollständig aus Kohle-Investitionen aussteigen", erläuterte Urgewald-Geschäftsführerin Heffa Schücking das Motiv. Dazu müssten Banken, Versicherer und Investoren wissen, welche Firmen in der Branche tätig sind. Das sei nicht immer leicht, weil diese sich hinter Namen wie Lemur Resources, Silver Unicorn Trading oder Africa China Sunlight Energy versteckten.

Die "Global Coal Exit List" gibt für jedes Unternehmen unter anderem die jährliche Kohleproduktion, die installierte Kraftwerkskapazität und den Anteil des Kohlegeschäfts an Umsatz und Stromproduktion an. Zudem legt die Liste die Pläne der Unternehmen für neue Kohlegruben und -kraftwerke offen und führt auch über 200 sogenannte Kohle-Dienstleister auf.

Die Daten hat Urgewald nach eigenen Angaben Geschäftsberichten, Investorenpräsentationen sowie den Websites der Unternehmen entnommen. Insgesamt sollen die aufgelisteten Unternehmen 88 Prozent der weltweiten Kohleförderung und 86 Prozent der weltweiten Kohlekraftwerkskapazität repräsentieren.

Weil die Liste vor allem auf große Investoren, Banken und Versicherungskonzerne abzielt, müssen Kleinaktionäre stärker auf die Richtlinien von Geldanlagefonds achten, teilte Urgewald auf Nachfrage von klimaretter.info mit. Wird Kohle konsequent ausgeschlossen, und zwar einschließlich Gewinnung, Handel und Kraftwerksbetrieb? Nach den Erfahrungen der Umweltorganisation legen Fondsanbieter häufig nur die größten Beteiligungen offen, und das auch nur zu bestimmten Stichtagen. Das mache es schwierig, als Kleinaktionär Klarheit über das Kohle-Engagment zu erhalten. Eine der Global Coal Exit List gleichgelagerte Übersicht für Fonds plant Urgewald derzeit nicht.

klimaretter.info/jst

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