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EPH legt sich noch ein Kohlekraftwerk zu

Der tschechische Energiekonzern EPH sammelt deutsche Kohlekraftwerke und Braunkohle-Tagebaue und legt sich jetzt noch ein defizitäres Kohlekraftwerk zu: das 1979 in Betrieb gegangene Steinkohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen mit 750 Megawatt Leistung.

BildDas Kraftwerk Mehrum steht am Mittellandkanal im Landkreis Peine. (Foto: Maarten Sepp/​Wikimedia Commons)

Zuvor hatte EPH 2009 die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) und damit zwei Tagebaue und zwei Kraftwerke sowie andere Beteiligungen übernommen. Letztes Jahr erlöste EPH dann den schwedischen Vattenfall Konzern von seinem deutschen Braunkohlegeschäft. Dabei erwarb EPH vier weitere Tagebaue, vier Kohlemeiler und anderes mehr.

Nun ergänzt der Konzern die Zukäufe durch den Einstieg ins Steinkohle-Stromgeschäft und erwarb von den Stadtwerken Hannover und Braunschweig das Kraftwerk Mehrum. EPH-Vostand Jan Špringl sagte zum Kauf: "Aktuell wird unser Portfolio von Braunkohle als Primärenergieträger dominiert und mit Mehrum um Steinkohle strategisch ergänzt."

Für Špringl ist dies ein gutes Geschäft: "Wir sind der Überzeugung, trotz der aktuell schwierigen Marktbedingungen für Kohlekraftwerke, eine wirtschaftliche Perspektive für Mehrum im Verbund unserer Kraftwerke zu finden." Mehrum erzeugte letztes Jahr mit 120 Mitarbeitern knapp zwei Millionen Megawattstunden Strom, 2014 waren es allerdings noch 3,2 Millionen gewesen.

Aus Sicht der Stadtwerke Hannover stellt sich die Situation genau umgekehrt dar. "Die konsequente Umsetzung unserer Strategie und der wirtschaftliche Druck im Kohlekraftwerksbereich haben uns dazu veranlasst, einen Verkauf in Erwägung zu ziehen", sagte Stadtwerke-Chefin Susanna Zapreva.

Die Strategie der Stadtwerke beruht auf dem Rückzug aus der Kohleverstromung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Aus diesem Grund wurde sogar eine Stilllegung von Mehrum geprüft. Denn der Kraftwerksbetrieb ist ein schlechtes Geschäft: Letztes Jahr wurde der Wert des kommunalen 83-Prozent-Anteils an Mehrum, den die Stadtwerke Hannover verwalten, um 29,1 Millionen Euro reduziert – nach Abschreibungen im Jahr 2015 von 20,6 Millionen Euro.

Die Wertminderungen von Mehrum tragen den – wie es im 2016er Geschäftsbericht der Stadtwerke Hannover heißt – "veränderten Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit der Energiewende und der Strompreisentwicklung am Terminmarkt Rechnung". Dennoch schätzen auch die Hannoveraner die Zukunft von Mehrum positiv ein. Der "Zeitwert" betrage derzeit zwar 0,0 Millionen Euro und liege damit unter dem "Buchwert" von 41,5 Millionen Euro, aber: "Eine außerplanmäßige Abschreibung [auf 0,0 Millionen] wurde unterlassen, da die Wertminderung voraussichtlich nicht von Dauer ist. Dies begründet sich darin, dass mit der Stilllegung der letzten Kernkraftwerke in Deutschland und dem Ausscheiden älterer konventioneller Kraftwerke eine bessere Vermarktbarkeit des Kraftwerks Mehrum erwartet wird."

Diesen Optimismus teilt der zweite Anteilseigner von Mehrum allerdings nicht. Die Stadtwerke Braunschweig haben ihre Mehrum-Beteiligung bereits auf null abgeschrieben. Ob Mehrum für den Buch- oder den Zeitwert verkauft wurde, ist unbekannt. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Ein Brancheninsider hält allerdings auch einen "negativen Preis" für möglich.

Unklar ist auch, ob das Kraftwerk die kommenden schärferen EU-Grenzwerte für Stickoxide, Schwefeloxide, Quecksilber und Feinstaub erfüllt. Die neuen Grenzwerte gelten ab 2021. Sollte Mehrum diese Grenzwerte nicht erfüllen, wäre eine Nachrüstung erforderlich. Ob dies der Fall ist, haben bislang aber weder das Kraftwerk Mehrum noch die Hannoveraner Stadtwerke beantwortet. Angaben zu den NOx-, SOx-, Quecksilber- und Feinstaubemissionen enthält die Internetseite des Kraftwerks nicht.

klimaretter.info/mic

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