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Shell weiß schon ewig vom Klimawandel

Wie Exxon weiß auch Shell schon seit mehreren Jahrzehnten um die Auswirkungen des Klimawandels. Der niederländisch-britische Mineralölkonzern produzierte 1991 einen Film, der vor den drohenden Gefahren des stetigen Ölkonsums warnte. Der halbstündige Film mit dem Titel "Climate of Concern" sollte an Universitäten und Schulen gezeigt werden. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, blieb der Film wohl ungesehen.

Wider alle Erkenntnisse hielt Shell an seinem klimaschädlichen Geschäftsmodell fest: Aktueller Zweieinhalb-Minuten-Trailer des Guardian zum Shell-Film von 1991. (Video: The Guardian/​Youtube)

In drastischen Bildern zeigt der Film die Konsequenzen, die mit dem Verbrauch fossiler Brennstoffe einhergehen: Extremwetter, Überschwemmungen, Hungernöte und Klimaflüchtlinge. Auch bemerkenswert präzise Vorhersagen zur Erderwärmung und zum Anstieg des Meeresspiegels fallen. Sollte das Wettersystem derart verändert werden, bliebe kein Land von den Veränderungen unberührt, heißt es in dem Film. Sofortiges Handeln seien die einzige Absicherung gegen die prognostizierten Folgen.

Der 25 Jahre alte Film ist aber nicht das älteste Shell-interne Dokument, das brisante Erkenntnisse zur Erderwärmung enthält: In einem vertraulichen Bericht aus dem Jahr 1986, der zwar auf die Unsicherheiten der Klimawissenschaft zur damaligen Zeit hinweist, schrieb der Konzern: "Die Veränderungen könnten die größten sein, die je in der Geschichte registriert werden."

Trotz des Wissens hielt Shell an seinem Geschäftsmodell fest und beutete weiter massenhaft Öl- und Gasvorkommen aus. Außerdem setzte sich der Ölmulti immer wieder dafür ein, dass Politiker günstige Rahmenbedingungen für seine Geschäfte schaffen. So gelang es Shell, die Klimaziele der EU, die im Oktober 2014 beschlossen wurden, zu seinen Gunsten zu verändern. Laut dem EU-Transparenzregister ist Shell der sechstgrößte Lobbyist in Brüssel, Schätzungen zufolge hat der Konzern allein 2015 rund 22 Millionen US-Dollar für Lobbying gegen Klimapolitik ausgegeben. Zwar investiert der Konzern mittlerweile auch in erneuerbare Energien, diese machen aber nur einen Bruchteil seines Geschäfts mit den Fossilen aus. Als Klimabeitrag setzt Shell auf Erdgas, CCS und "Bio-CCS".

klimaretter.info/kir

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