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Neue Leag hofft auf Kohlestrom

In den nächsten Monaten will die neue Lausitz Energie AG (Leag) über die vom Vorgängerunternehmen Vattenfall beantragten Tagebau-Neuaufschlüsse und -Erweiterungen in der Region entscheiden. Das kündigte Leag-Vorstandschef Helmar Rendez in einem Zeitungsinterview an. Viele hundert Bürger, die sich schon vor Jahren auf eine Umsiedlung eingestellt hätten, säßen praktisch auf gepackten Koffern, behauptete Rendez.

BildAuch ohne neue Tagebaue könnte das Lausitzer Krafterk Boxberg bis 2040 laufen – erst dann sind die genehmigten Kohlegruben in der Region leergebaggert. (Foto: Vattenfall)

Ohne die Tagebaufortführungen bleibe es bei der schrittweisen Auskohlung der genehmigten Felder, sagte Rendez. Um 2040 herum werde dann voraussichtlich das Kraftwerk Boxberg als letztes vom Netz gehen. Falls die neuen Tagebaue genehmigt werden, könnten sich die Laufzeiten von Kraftwerken noch verlängern.

Forderungen nach einem baldigen Kohleausstieg hielt der Leag-Chef laut dem Bericht entgegen, dass der Strombedarf in Zukunft wachsen werde, wenn mehr Elektroautos, Wärmepumpen und Klimaanlagen zum Einsatz kämen. Wenn dann auch bald die Atomkraftwerke abgeschaltet seien, könnten erneuerbare Energien allein noch keine sichere Stromversorgung bieten.

Als Leag firmieren seit Mitte Oktober die Unternehmen der ehemaligen Vattenfall-Braunkohlensparte, die von dem tschechischen Konzern Energetický a Průmyslový Holding (EPH) und dem Finanzunternehmen PPF Investments übernommen wurden. In der Lausitz betreibt die Leag die Tagebaue Jänschwalde, Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde. Zu den Kraftwerken gehören Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg in der Lausitz sowie ein 50-prozentiger Anteil am Kraftwerk Lippendorf im Revier Halle/Leipzig. Die Leag ist nach eigener Darstellung mit 8.000 Mitarbeitern und über 8.000 Megawatt Leistung das nunmehr viertgrößte Energieunternehmen Deutschlands. Vorstandschef Rendez war zuvor seit 2015 Mitglied im Vorstand der Vattenfall Europe Mining AG und der Vattenfall Europe Generation AG.

Die Umweltorganisation Greenpace forderte dagegen die Leag-Eigner auf, bis 2030 aus der Braunkohle auszusteigen und keine neuen Tagebaue in der Lausitz aufzuschließen. "Seit der Weltklimakonferenz von Paris ist klar: ein Großteil der deutschen Braunkohle muss im Boden bleiben, um unsere nationalen Klimaziele nicht zu gefährden", sagte Kerstin Doerenbruch von der Greenpeace-Regionalgruppe Ost. Zusätzlich müsse garantiert sein, dass der Konzern über genug Rücklagen für die Rekultivierung der Tagebaue verfüge.

klimaretter.info/jst

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