Vattenfall-Deal mit reichstem Tschechen

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall soll seine für April erwartete Verkaufsentscheidung für die Braunkohle-Tagebaue und -Kraftwerke getroffen haben. Laut Medienberichten soll der tschechische Energieversorger EPH das Rennen machen. Das Angebot des Prager Konzerns soll sich Spekulationen zufolge gegen das deutsch-australische Konsortium aus dem Stadtwerke-Konzern Steag und dem Finanzinvestor Macquarie durchgesetzt haben. Vattenfall hat entsprechende Informationen bislang nicht dementiert. Die Verträge sollen schon in der nächsten Woche unterzeichnet werden.

BildDie letzte Kohle von Vattenfall – wie viel die Kraftwerke und Tagebaue dem neuen Eigener wert sein sollen, ist noch nicht bekannt. (Foto: Felix Werdermann)

Die Prager Energetický a Průmyslový Holding (EPH) ist seit 2012 Besitzer der Mitteldeutschen Braunkohle AG (Mibrag). Größter EPH-Anteilseigner ist der Unternehmer Petr Kellner, der mit einem geschätzten Vermögen von 8,4 Milliarden Euro als der reichste Mensch in Tschechien gilt. Kellner steht der Investmentgruppe PPF vor, die vor einem halben Jahr in das Kaufangebot der EPH eingestiegen war.

Für die Grünen im Bund und im Land Brandenburg sind die Verkaufsabsichten an die EPH "besorgniserregend". Weil das Konsortium EPH/PPF die Lausitzer Braunkohle durch eine gemeinsame Gesellschaft in Deutschland betreiben wolle, bestehe die Gefahr, dass sich der Mutterkonzern nicht in Haftung nehmen lässt und Mitarbeiter bei einer Insolvenz dadurch eher auf der Straße stehen, kritisieren die Landtags-Grünen. Annalena Baerbock von der Bundestagsfraktion verlangte, dass die Übertragung der Sanierungs-Rückstellungen auf den neuen Betreiber eine nicht verhandelbare Forderung für den Verkauf sein müsse. Zudem müsse die Landesregierung EPH klarmachen, dass es keine neuen Tagebaue geben dürfe.

Auch die Aktivisten vom Klimabündnis "Ende Gelände" wehren sich entschieden gegen die Verkaufspläne, wie sie am heutigen Freitag mitteilten. "Vattenfall hat seit Jahren Profite auf Kosten von Mensch und Natur gemacht", sagte Mona Bricke vom Aktionsbündnis. Jetzt dürfe sich der Konzern nicht aus der Affäre ziehen, sondern müsse Verantwortung für seine Angestellten und die ökologischen Schäden in der Region übernehmen. Eine schwedische Klimabündnis-Aktivistin verlangte, dass die Regierung in Stockholm den Deal nicht absegnen dürfe. "Schweden muss dafür Verantwortung übernehmen, dass die Kohle, die wir auf keinen Fall weiter verbrennen dürfen, im Boden bleibt."

"EPH muss klar sein, dass in der Lausitz alleine ein Auftrag zur Abwicklung einer überholten Energieerzeugung verkauft werden soll", kommentierte Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid die Meldung. Das Pariser Klimaabkommen habe Vattenfalls Braunkohlesparte zum Auslaufmodell erklärt. "Jeder potenzielle Käufer erwirbt mit der Braunkohle unkalkulierbare Folgekosten."

klimaretter.info/jst

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