Russland verkauft Rosneft-Anteile

Um seine Haushaltsprobleme in den Griff zu bekommen, plant Russland den Verkauf von Rosneft-Aktien. Wie die Moskauer Nachrichtenagentur Tass berichtet, soll der Erlös 6,5 Milliarden US-Dollar in die Staatskassen spülen. Rosneft, dass sich selbst als größter Ölkonzern der Welt bezeichnet, gehört zu 69,5 Prozent dem russischen Staat. Das Problem: Der Staatshaushalt wird zu ganz wesentlichen Teilen vom Rosneft-Gewinn gespeist, seit der Ölpreis aber eingebrochen ist, trieb das Russland in die Krise. Schon länger denkt der Kreml über einen Aktienverkauf nach, nun werden die Pläne konkret.

BildDie Pumpen laufen für den Ölmarkt schon seit Längerem zu schnell. Jetzt will Russland Teile der Rosneft-Pumpen "umrubeln". (Foto: Arne Hückelmann/Wikimedia Commons

Zuletzt lag der Ölpreis bei knapp über 30 US-Dollar (27 Euro) pro Barrel mit leichten Schwankungen je nach Ölsorte, kurzzeitig sogar darunter. Im Juni 2014 kostete das Barrel noch 115 US-Dollar (105 Euro). Chef des Rosneft-Konzerns ist Igor Setschin, ein enger Vertrauter von Präsident Wladmir Putin und ehemaliger Vizechef der russischen Präsidialadministration. Nach der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos 2004 hatte sich Rosneft die Filetstücke des Unternehmens einverleibt, das dem Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski gehörte. Nach eigenen Angaben belaufen sich die Öl-Förderreserven von Rosneft auf 34 Milliarden Barrel. 19,75 Prozent der Rosneft-Aktien gehören der britischen BP, die im vergangenen Jahr exakt so viel Verlust machte, wie Russland nun durch den Deal einnehmen will: 6,5 Milliarden Dollar.

Auf der Klimakonferenz in Paris war im vergangenen Dezember beschlossen worden, bis Mitte dieses Jahrhunderts klimaneutral zu wirtschaften. Die erdölproduzierenden Länder hatten sich mit dieser Formulierung – im Vertrag sollte ursprünglich "CO2-frei" stehen – durchgesetzt, weil sie weiterhin Öl verkaufen wollen, dessen Emissionen dann an anderer Stelle wieder eingespart werden sollen. Wie groß die Transformationsaufgabe für Staaten wie Russland oder auch Venezuela, Saudi-Arabien und andere Opec-Mitglieder ist, zeigt sich an der derzeitigen Krise. Rosneft ist auch in Deutschland präsent, etwa mit einer 50-prozentigen Beteiligung an der Ruhr Oel GmbH oder als Besitzer der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

klimaretter.info/reni

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