Genussrechte: Auch Windwärts insolvent

Der niedersächsische Windkraftfinanzierer Windwärts hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Ähnlich wie das Unternehmen Prokon aus Schleswig-Holstein hat sich Windwärts über die Geldanlagen von Privatpersonen finanziert; insgesamt haben 1.600 Anleger in Genussrechte investiert. Schon im Dezember hatte Windwärts die Auszahlung des Genussrechtskapitals von 1,9 Millionen Euro auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Im Januar war das Unternehmen nicht in der Lage, die Unternehmensgenussrechte von 1,3 Millionen Euro auszuzahlen. Nun wird der Geschäftsbetrieb von einem Insolvenzverwalter fortgeführt.

Bild
Wie Prokon finanzierte sich auch Windwärts über die Geldanlagen von Privatpersonen. (Foto: Johanna Treblin)

Nach Angaben des Insolvenzverwalters haben die 1.600 Genussrechteinhaber insgesamt fast 19 Millionen Euro in Windwärts investiert. Wie das Unternehmen mitteilte, kam es 2013 zu Verzögerungen bei der Fertigstellung von Windkraftprojekten. Windwärts habe deshalb alle nicht profitablen Geschäfte Ende 2013 beendet und sich auf das Kerngeschäft reduziert. Dazu gehörte auch die Entlassung von einem Viertel der Angestellten.

Vor den Risiken bei einer Geldanlage in Form von Genussrechten war bereits im Fall von Prokon vielfach gewarnt worden. Im Januar hatte die Prokon Regenerative Energien GmbH Insolvenz angemeldet. Um dies zu verhindern, hatte das Unternehmen zuvor seine Anleger davor gewarnt, ihre Genussrechte einzufordern. "Die Investition in Genussrechte ist mit hohen Risiken verbunden – es ist sogar ein Totalverlust möglich. Es gibt keinerlei Einlagensicherung" erklärte die Finanzexpertin Renate Daum von der Stiftung Warentest damals gegenüber klimaretter.info. 

Andere Projektfinanzierer betonen, dass Genussrechte unter bestimmten Bedingungen sehr wohl eine geeignete Anlageform sein können. Mit einer klaren Trennung von Unternehmens- und Projektfinanzierung und voller Transparenz werde Sicherheit geschaffen, sagte Jens Mühlhaus, Vorstand des alternativen Münchner Energiedienstleisters Green City Energy im klimaretter.info-Interview. Jörg Rohwedder von der Bewegungsstiftung erläutert in einem klimaretter.info-Gastbeitrag, dass die relativ niedrigen Hürden bei Genussrechten viele kleine und mittlere alternative Projekte überhaupt erst möglich machen, die von Banken nichts zu erwarten haben. Dazu gehören Bürgerenergieprojekte, Wohnprojekte oder auch Genussscheine für Biobauernhöfe. 

klimaretter.info/kat 

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen