Prokon erwägt Windpark-Verkäufe

Zum ersten Mal während der aktuellen Krise von Prokon ist Unternehmensgründer Carsten Rodbertus heute Nachmittag vor die Presse getreten. Die Schuld für die Zahlungsunfähigkeit schob er dabei indirekt den Anlegern zu – wegen der Vielzahl ihrer Kündigungen im Dezember. Prokon habe gegenüber Lieferanten, Sozialkassen und anderen Partnern keine Rückstände, sagte Rodbertus, ausschließlich die gekündigten Genussrechts-Anteile seien "das Problem".
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Prokon-Chef Rodbertus sieht das Problem weniger bei Prokon, sondern eher bei den gekündigten Genussrechten der Kleinanleger. (Bild: Screenshot/NDR)

Das "Problem" besitzt allerdings einige Dimensionen: Mehr als 75.000 Kleinanleger haben Prokon zusammen knapp 1,4 Milliarden Euro anvertraut, haben derzeit aber wohl keine Chance, an ihr Geld zu kommen oder Zinsen zu erhalten. Im Dezember hatte die Prokon-Unternehmensgruppe Verluste von insgesamt fast 200 Millionen Euro eingestehen müssen. klimaretter.info hat mehrfach über die Probleme bei Prokon berichtet.

Obwohl der Insolvenzantrag erst einen Tag alt ist, hat Rodbertus nach eigenen Angaben bereits mehrere Gespräche mit Interessenten über Verkäufe von Windparks geführt, wie unter anderen der Norddeutsche Rundfunk berichtete. Konkrete Angaben machte Rodbertus aber dazu nicht. Es gehe um einen "gewissen Anteil" des Bestandes. Mit den Verkäufen solle, auch wenn die Verhandlungsposition wegen des Insolvenzverfahrens eher schlecht sei, nachgewiesen werden, dass es Reserven in dem Unternehmen gebe. Insgesamt soll Prokon über mehr als 300 Windenergieanlagen verfügen.

Rodbertus räumte Fehler ein, die Prokon in die Schieflage gebracht hätten. Die Fortführung des Geschäftsmodells stehe aber außer Frage. Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin machte in Itzehoe deutlich, dass eine Fortsetzung des Kerngeschäfts mit dem Windstrom möglich sei. Mit einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens rechnet Penzlin frühestens in zwei bis drei Monaten. Erst dann könnten die mehr als 75.000 Anleger Forderungen an Prokon stellen. Penzlin kündigte darüber hinaus ein Rechtsgutachten an, das die Frage klären soll, ob Prokon überhaupt zahlungsunfähig sei. Es sei durchaus möglich, dass die weiteren Prüfungen ergeben, dass kein Insolvenzgrund vorliegt.

Konkret geht es beim laufenden Insolvenzverfahren um das Tochterunternehmen Prokon Regenerative Energien GmbH, das sich hauptsächlich über Genussrechte finanzierte. Dort sind insgesamt 480 Beschäftigte von der Insolvenz betroffen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind Pelzin zufolge über das Insolvenzgeld gesichert.

klimaretter.info/jst/vk

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