Big Oil übt sich in Zukunftsbeschwörung

Der Ölkonzern BP hat einen starken Gewinneinbruch gemeldet. Im vergangenen Jahr verdiente der britische Ölriese nur etwa halb so viel wie 2011 – allerdings waren es immer noch rund 11,6 Milliarden Dollar. Hauptgrund für den Rückgang sind die Folgekosten der Ölpest im Golf von Mexiko vor drei Jahren. Weitere fünf Milliarden Dollar wurden 2012 dafür fällig. Der Konzern geht von über 42 Milliarden Dollar Gesamtkosten aus, um die Nachwirkungen der Explosion der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" im April 2010 finanziell zu bewältigen. 


Viele Schäden durch die BP-Ölpest stehen gar nicht in den Büchern. Strandreinigung im US-Bundesstaat Louisiana im Mai 2010. (Foto: BrokenSphere/Wikimedia Commons)

Offen sind derzeit noch die Entschädigungen an mehrere US-Bundesstaaten und an die Bundesregierung in Washington. Der entscheidende Zivilprozess findet ab dem 25. Februar in New Orleans statt. BP hat sich mittlerweile mit den meisten Betroffenen sowie mit den Strafverfolgungsbehörden in den USA geeinigt. Viele Langzeitschäden an der Natur wurden aber gar nicht bilanziert. Für 2013 rechnet der Konzern erneut mit einer Steigerung der Öl- und Gasförderung. Bis 2014 will BP weltweit 15 neue Großprojekte zur Betriebsbereitschaft bringen. Zusammen mit anderen Konzernen schaffte es BP in einem Fall auch auf die neue weltweite Greenpeace-Liste der 14 schlimmsten Klimakiller-Projekte. 

Unterdessen versucht der Chef des französischen Ölkonzerns Total, Christophe de Margerie, in der Debatte über eine weltweite Energiewende Boden gutzumachen. Es sei nicht wahr, dass die fossilen Brennstoffe zur Neige gingen, sagte er laut einem Bericht im Magazin Focus der Süddeutschen Zeitung. Der Begriff "Peak Oil" habe keine Berechtigung mehr. "Erstens wurden neue Ressourcen entdeckt", so de Margerie. "Zweitens kommen neue Technologien hinzu, die es ermöglichen, sogenanntes unkonventionelles Öl und Gas zu fördern."

Peak-Oil-Verfechter wie der deutsche Regionalentwicklungsexperte Norbert Rost fühlen sich dennoch bestätigt. Der Total-Chef habe von einem "Kapazitätsmaximum" gesprochen, so Rost. Das sei genauso richtig wie de Margeries Einschätzung, es seien nicht die Öl- und Gas-Lagerstätten begrenzt, sondern die finanziellen und politischen Möglichkeiten sowie Zeit und Risiko bei der Förderung. Allerdings gehe es dem Ölkonzern nicht um eine Reflexion über die künftige Energieversorgung. Total wolle nur die Konsumenten bei der Stange halten, damit sie neue, teure und gefährliche Techniken wie das umstrittene Fracking akzeptieren. 

klimaretter.info/mb

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