Jammern und profitieren

Zum guten Ton der stromintensiven Industrien in Deutschland gehört das Klagen über die Energiewende. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat nachgerechnet und kommt zum gegenteiligen Ergebnis: Tatsächlich profitieren stromintensive Betriebe von der Energiewende und konnten dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich verbessern. Der Einkaufspreis für Großabnehmer an der deutschen Strombörse EEX hat sich nämlich dank der erneuerbaren Energien von Anfang 2008 bis Ende 2012 um 22 Prozent verringert. Im selben Zeitraum war der Strom an der EEX im Schnitt um sieben Prozent billiger als an den restlichen europäischen Strombörsen.


Stahlwerk unter Strom: Dank der Energiewende ist Industriestrom billiger geworden. (Foto: Třinecké železárny/Wikimedia Commons)

Im Vergleich zu den Nachbarländern, die bei ihrer Stromversorgung auf Kohle und Atomstrom setzen, sei der Industriestrompreis weniger stark gestiegen. Die Preisunterschiede gegenüber Polen wurden nahezu ausgeglichen und der Börsenstrompreis in Frankreich lag seit 2008 sogar fünf Prozent höher als in Deutschland. Bei einigen stromintensiven Industriekunden etwa im Bereich der Roheisen- und Stahlerzeugung ist der Strompreis sogar um zwei auf 5,5 Cent je Kilowattstunde gegenüber 2009 gesunken.

Den Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer überrascht das nicht: "Das Gejammer von Wirtschaftsminister Rösler über hohe Strompreise für die Industrie entpuppt sich einmal mehr als reiner Lobbyismus." Die stromintensive Wirtschaft hatte zuletzt wiederholt vor der Energiewende gewarnt und mit Abwanderung gedroht. Tatsächlich beschäftigen nach Krischers Angaben etwa die Unternehmen im Verband der Chemischen Industrie Ende Dezember 437.000 Menschen – zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Aluminium-Hersteller Hydro und Novelis hatten in den vergangenen Monaten sogar angekündigt, ihre Produktion in Deutschland auszubauen.

klimaretter.info/reni

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