Schicht im Schacht
Es ist nicht das Ende der Welt, aber das Ende einer hundertjährigen Industriegeschichte: Am Mittag sind die Bergleute zur letzten Schicht ins Bergwerk West in Kamp-Lintfort eingefahren und fördern zum letzten Mal Kohle. Nach dem Aus für die Zeche am Rande des Ruhrgebiets nahe Moers werden nur noch drei Bergwerke in Nordrhein-Westfalen Seinkohle fördern – die Zechen Ibbenbüren, Auguste Victoria und Prosper Haniel. Doch auch sie müssen bis spätestens 2018 dichtmachen. Lag die deutsche Fördermenge im Jahr 1990 noch bei 70 Millionen Tonnen Steinkohle, so sank sie auf zwölf Millionen im vergangenen Jahr. Von damals 130.000 Bergleuten arbeiteten zum Jahresanfang noch 18.000 in der Steinkohle.
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Steht ab morgen still: Schachtanlage "Friedrich Heinrich 1/2" des RAG-Bergwerks West. (Foto: Wikimedia Commons)
Der Bundestag hatte 2007 den endgültigen Kohleausstieg für 2018 beschlossen. Ein Vernunftsieg der CDU, die sich in Nordrhein-Westfalen – anders als die "Kohle-SPD" – für den Ausstieg starkgemacht hat. Der Abbau in mehreren hundert Metern Tiefe kann längst nicht mehr mit der Importkohle konkurrieren, die in Russland oder Kolumbien in oberirdischen Tagebauen gefördert wird. Die Milliardensubventionen wollte die Union sinnvoller verwenden.
"Ich schaue in die Augen der Bergleute und sehe Trauer, Unsicherheit, aber auch Stolz und Zuversicht", sagte nun auch Hannelore Kraft (SPD), seit 2010 Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens. Die Kohlekumpel werden nun zum Teil nach Ibbenbüren bei Osnabrück umziehen. Der dortige Abbau von Anthrazitkohle wird noch bis 2018 weitergeführt. Vor zwei Jahren wäre es beinahe zu einem noch früheren Ausstieg gekommen. Die EU-Kommission drängte Deutschland zum Abbau der Subventionen bis 2014. Angela Merkel konnte das Verlangen aus Brüssel stoppen, sogar Teile der Grünen forderten damals die Beibehaltung der Subventionen bis 2018.
Allerdings gab es bereits Pläne, den deutschen Steinkohle-Bergbau in privatwirtschaftlich betriebener Form weiterzuführen. Für die Planung einer Kokskohlezeche in Hamm, das Projekt Donar, hatten sich private Investoren beworben. Kokskohle kann derzeit im Gegensatz zur Kraftwerkskohle mit geringeren Subventionen gefördert werden. Bei steigendem Weltmarktpreis könnte sich eine neue Zeche für Kokskohle, die von Stahlwerken benötigt wird, rentieren. Das Projekt Donar wurde allerdings in diesem Jahr aufgegeben – wegen Perspektivlosigkeit.
klimaretter.info/red
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