Windkraft jetzt auch in der Karibik
Neue Aufträge über 670 Megawatt oder 900 Millionen US-Dollar: Siemens will drittgrößter Windkraftanlagen-Bauer der Welt werden. Bislang allerdings dominiert in den Geschäften des ehemaligen Atomkonzerns die fossile Kraftwerkstechnik - auf grüne Technologien entfällt bislang kaum ein Zehntel der Aufträge.
Von Nick Reimer
Siemens beginnt sein neues Geschäftsjahr mit einem Wind-Auftragsfeuerwerk: Wie der Konzern, dessen Geschäftsjahr jeweils mit dem 4. Quartal - dem 1. Oktober - beginnt, am Montag mitteilte, konnte Siemens sechs Windkraft-Projekte mit einem Auftragsvolumen von mehr als 900 Millionen US-Dollar abschließen. Mit einer Gesamtleistung von über 670 Megawatt können die Windkraftwerke nach Inbetriebnahme mehr als 200.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen.

Karibische Sehnsucht: Siemens liefert Windräder nach Puerto Rico, damit die Touristen wenigstens ihr Bier klimafreundlicher kühlen können. (Foto: KingKurt22/Wikipedia)
Im Oktober machte Siemens einen Auftrag über ein 100-Megawatt-Windprojekt in Puerto Rico fest. Zudem sicherte sich das Unternehmen weitere fünf Aufträge mit einer Gesamtleistung von über 570 Megawatt aus Nordamerika - für vier Projekte in den USA und einen Windpark in Kanada. Siemens liefert den Angaben zufolge rund 250 Windenergieanlagen mit einer Leistung von je 2,3 Megawatt. Weitere 44 Maschinen mit jeweils derselben Leistung seien für einen Windpark in Puerto Rico bestimmt.
"Windenergie ist weltweit ein stark wachsendes Geschäft und schafft Arbeitsplätze in der Fertigung, Installation und beim Service", erklärt der fürs Windgeschäft zuständige Felix Ferlemann. Seit Siemens 2005 in den US-amerikanischen Windenergiemarkt investierte, wurden dort bereits rund 1.800 Arbeitsplätze geschaffen. Neben einer Rotorblattfertigung in Fort Madison, Iowa, einer Maschinenhausproduktion in Hutchinson, Kansas, und Service-Zentren in Goldendale, Washington, und in Houston, Texas, will Siemens noch in diesem Jahr ein weiteres Service-Zentrum für Windenergie in Woodward, Oklahoma, und ein Verteilzentrum in Wichita, Kansas, eröffnen. Zudem soll eine neue Rotorblattfertigung im kanadischen Tillsonburg anlaufen.
Umdenken bei Siemens
Siemens will drittgrößter Windkraftanlagen-Bauer auf der Welt werden - hinter der dänischen Vestas und der US-amerikanischen General Electric. "In zwei bis drei Jahren werden wir zwölf Fabriken in sieben Ländern haben, heute sind es erst sieben", erklärte René Umlauft, Chef für den Bereich Erneuerbare Energien, Anfang des Jahres. Im September hatte Siemens sein stark wachsendes Windgeschäft in einer Hamburger Konzern-Zentrale gebündelt.
Und tatsächlich war die Geschäfts-Entwicklung zuletzt atemberaubend: Siemens machte mit seiner Windsparte 2010 rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz, der Auftragsbestand wurde im September mit einem Rekordwert von fast elf Milliarden Euro angegeben. Zuletzt hatte Siemens im Juni einen neuen Großauftrag an Land gezogen, 253 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 580 Megawatt sollen bis 2014 an den norwegischen Energiekonzern Statkraft geliefert werden. Nun also ein neuer Eintrag in die Auftragsbücher.

Bis Siemens allerdings wirklich relevant den Markt aufmischen kann - bis dahin ist es noch ein weiter Weg. In Deutschland beispielsweise spielte der ehemalige Atomkonzern bislang kaum eine Rolle - wie die Daten des Deutschen Wind-Institutes für 2010 belegen (siehe Grafik): Siemens kommt gerade einmal auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent.
Und der Erneuerbaren-Sparte weht bei Siemens ein kalter Wind in der eigenen Firma entgegen: Während nämlich das Geschäft mit fossiler Kraftwerkstechnik boomt, brechen der erneuerbaren Sparte die Auftragseingänge weg. Die Financial Times hatte berichtet, dass Siemens im ersten Quartal 2011 Aufträge in Höhe von 10 Milliarden Euro abzuarbeiten hatte. Lediglich 945 Millionen - weniger als ein Zehntel - entfielen davon allerdings auf die grünen Technologien. Zwar dürfte sich das Verhältnis im Jahresverlauf deutlich verbessert haben. Die grünen Unternehmensteile haben es aber gegen die etablierten weiterhin schwer.
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