Mercedes verdient am Damm Belo Monte
Für den Bau des zweitgrößten Wasserkraftwerks in Brasilien wird so viel Erdreich bewegt wie vor 100 Jahren beim Bau des Panama-Kanals - mit Mercedes-Lkw. Die Deutschen liefern 540 Lastwagen für "mindestens" 86 Millionen Euro.
Aus Porto Alegre Gerhard Dilger
Mercedes-Benz wird 540 Lastwagen für den Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte im brasilianischen Amazonasgebiet liefern. Es handelt sich um einen der größten Aufträge für Lkws, der je in Brasilien erteilt wurde. Mit den Geländelastwagen sollen über 100 Millionen Tonnen Erde und Gestein transportiert werden. Die Kosten für den Bau werden auf umgerechnet 12 Milliarden Euro geschätzt.

Diese Laster sollen beim Bau von Belo Monte eingesetzt werden. (Foto: Mercedes)
Erste Arbeiten am zweitgrößten Wasserkraftwerks in Brasilien hatten vor einigen Monaten begonnen. Indígenas und UmweltschützerInnen kritisieren das Großprojekt, für das mindestens 40.000 Menschen umgesiedelt werden müssten. Die zwei geplanten Staudämme gefährdeten die Rechte der Indianer, heißt es im neuen Amnesty-Bericht Sacrificing Rights in the Name of Development. Gegen das Megaprojekt soll am 20. August in Brasilien und zwei Tage darauf in vielen anderen Ländern protestiert werden.
Der austrobrasilianische Bischof und Alternative Nobelpreisträger Erwin Kräutler spricht von einem "Dolchstoß ins Herz Amazoniens": "Es geht nicht nur um Belo Monte. Es geht um den Dominoeffekt. Wenn Belo Monte durchgeführt wird, kommen drei weitere Dämme am Xingu infrage und auch am Tapajos." Insgesamt seien im gesamten Amazonasgebiet über 100 Wasserkraftwerke vorgesehen: "Damit ist Amazonien am Ende, und das hat Folgen. Nicht nur für Amazonien, sondern für die ganze Welt."
Präsidentin Dilma Rousseff erklärte dagegen letzte Woche erneut, dass Belo Monte für die Entwicklung Brasiliens und der Region am Amazonas-Nebenfluss Xingu unverzichtbar sei. Durch Sozialprojekte und den Ausbau "grundlegender Infrastruktur" wolle man den Lebensstandard der Bevölkerung verbessern. Zahlreicher juristischer Einwände zum Trotz erteilt die brasilianische Umweltbehörde Ibama bislang stets die erforderlichen Baugenehmigungen.
Nun wird auch der Maschinenpark aufgerüstet. Die brasilianische Tageszeitung Folha de São Paulo bezifferte allein den Auftragswert für die Mercedes- Lastwagen mit "mindestens" 86 Millionen Euro. Ein Mercedes-Sprecher in São Paulo wollte diese Summe gegenüber klimaretter.info aber noch nicht bestätigen.
Zwei Modelle des zu liefernden geländefähigen Lasters seien aber derzeit auf dem Stand des Konsortiums Norte Energia auf der Messe "Construction Expo 2011" zu bewundern. Mehr Details werde das Unternehmen in einer Woche bekanntgeben, so der Sprecher.

Sie sind die Leidtragenden: Indigene Volksgruppen werden für den Bau des Dammes vertrieben. (Foto: Martin Keßler / neuewut.de)
Auch Siemens ist dabei. Bereits im März sicherte sich die Tochterfirma Voith Hydro einen Großauftrag im Wert von 443 Millionen Euro. Sie liefert Turbinen, Generatoren und Transformatoren an Norte Energia und hat mit Andritz aus Österreich und dem französischen Konzern Astom ein Konsortium gebildet.
Am Auftraggeber, der von der Entwicklungsbank BNDES Kredite in Milliardenhöhe bekommt, sind staatliche Stromkonzerne, diverse Rentenfonds von Staatsbediensteten, der Bergbaumulti Vale und Baufirmen beteiligt. Auffällig ist das geringe Gewicht der Privaten - als Investitionsobjekt ist Belo Monte umstritten.
Das Wasserkraftwerk soll 2015 in Betrieb gehen. Ein Großteil des produzierten Stroms dürfte Stahl- und Aluminiumwerken zugutekommen, womit die Rolle Amazoniens als Rohstofflieferant für Europa, Nordamerika und Asien fortgeschrieben wird. Zugleich wird durch den Bau die Abholzung des Regenwaldes weiter beschleunigt.
Aus den Satellitenbildern des nationalen Instituts zur Weltraumforschung geht hervor, dass derzeit die Verwüstung im Amazonas-Bundesstaat Rondônia besonders schnell voranschreitet: Dort sind die Bauarbeiten für die Großstaudämme Jiraú und Santo Antônio am Amazonas-Nebenfluss Madeira in vollem Gang.
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