Nur Solarworld glänzt im ersten Halbjahr
Phoenix Solar, Conergy, der Windanlagenbauer Nordex und auch der Bioethanolhersteller Verbio vermelden Verluste im ersten Halbjahr 2011. Lediglich der solare Branchenprimus aus Bonn verdiente mit der Energiewende Geld - in den USA.
Von Nick Reimer
Kann ja sein, dass die Energiewende politisch beschlossen ist - die Firmen der erneuerbaren Branche jedenfalls spüren davon nichts. Nachdem gestern c-cells bereits ein existenzbedrohendes Halbjahresergebnis bekannt geben musste, folgen heute dramatisch schlechte Ergebnissebei Phoenix Solar und dem Windanlagenbauer Nordex. Auch der Agrosprithersteller Verbio rutscht ins Minus.

Hat unter dem starken Preisdruck zu leiden: Produkt der Firma Nordex. (Foto: Nordex)
Wegen der von der Politik zusammengestrichenen Solarförderung brach der Umsatz von Phoenix Solar in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 61 Prozent auf 140,8 Millionen Euro ein. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, hatte das einen Verlust von 21,1 Millionen Euro zur Folge. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres hatte Phoenix Solar noch einen Gewinn von 18,7 Millionen Euro erzielt.
Phoenix Solar versucht nun, in Ländern, in denen die Energiewende noch nicht verkündet wurde, Geld zu verdienen. Zum Ende des ersten Halbjahres lag der Auftragsbestand bei 311,1 Millionen Euro - 10,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Auslandsanteil daran wurde mit einem Rekordvolumen von 238,2 Millionen Euro nahezu verdreifacht: 76,6 Prozent seiner Aufträge will Phoenix Solar im zweiten Halbjahr außerhalb Deutschlands realisieren.
Auch der angeschlagene Solarkonzern Conergy kämpft mit dem Preisverfall. Im ersten Halbjahr 2011 verbuchten die Hamburger nach Steuern einen Verlust von 41 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2010 stand noch ein Gewinn von 5 Millionen zu Buche. Der Umsatz blieb mit 388,5 Millionen Euro nahezu konstant, wie die Conergy AG am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Davon entfielen rund 284 Millionen Euro (plus 49 Prozent) auf das Auslandsgeschäft.
Nordex rutschte im ersten Halbjahr 2011 ebenso in die roten Zahlen. Hatten die Rostocker im ersten Halbjahr 2010 noch 2,9 Millionen verdient, so muss der im TecDax notierte Konzern nun einen Verlust von 4,1 Millionen Euro quittieren. Grund sei der anhaltende Preiskampf, wie Nordex am Donnerstag mitteilte.
Immerhin konnten die Norddeutschen volle Auftragsbücher vermelden: Bestellungen über 522 Millionen Euro stehen zu Buche, das sind 59 Prozent mehr als vor einem Jahr. Deshalb hält der Vorstand auch an seiner Umsatzprognose für 2011 von einer Milliarde Euro fest - etwa so viel wie im Vorjahr.
Dem Bioethanolhersteller Verbio macht der schleppende Absatz des E10-Kraftstoffs zu schaffen. Zwar stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2011 dank gestiegener Preise auf 315 Millionen Euro - 71,9 Millionen Euro mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das in Leipzig ansässige Unternehmen muss dennoch 250.000 Euro Verlust verkraften.
Verbio sucht nun sein Heil im Ausland. Die Exportquote, die derzeit etwa 23 Prozent beträgt, steigt in den Quartalen drei und vier um 19 Prozentpunkte. Im ersten Halbjahr 2011 wurden 251.014 Tonnen Agrokraftstoff in den Produktionsanlagen am Hauptstandort Zörbig, in Bitterfeld (beide Sachsen-Anhalt) und Schwedt (Brandenburg) produziert.

Hat gut lachen Dank des US-Geschäftes: Früher kannte Larry Hagman nur Ölfirmen wie der Denver-Clan. Heute wirbt der Ex-Ölfiesling für Solarworld. (Foto: Solarworld)
Branchenprimus Solarworld konnte dagegen einen Gewinn im ersten Halbjahr erzielen: 22,4 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 34,8 Millionen Euro. Dank eines starken US-Geschäfts konnten die Bonner die Verluste in Deutschland ausgleichen. "Wir haben uns gut behauptet", erklärte Vorstandschef Frank Asbeck.
Die Solarworld erreichte beim Absatz eine Auslandsquote von 69 Prozent. Solarworld werde seine Erwartungen für das laufende Jahr aber nur erfüllen, wenn es einen Anstieg der Nachfrage im zweiten Halbjahr gibt.
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