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Der neue Ökostrom der Deutschen Bahn

Mehr als eine Milliarde Euro wird die Deutsche Bahn dem Energiekonzern RWE von 2014 bis 2018 für die Lieferung von Strom aus Wasserkraft zahlen. Der Anteil der Erneuerbaren am Strommix der Bahn erhöht sich damit von knapp 20 auf 28 Prozent.

Von Eva Mahnke

Insgesamt 14 Wasserkraftwerke werden ihren Strom in Zukunft für die Deutsche Bahn produzieren. Sie stehen an Rhein, Ruhr, Saar, Mosel und Rur, gehören RWE und produzieren im Jahr 900 Millionen Kilowattstunden Strom, genug um ein Drittel der IC- und ICE-Flotte durchs Land zu schicken. Bahn-Vorstandsvorsitzender Rüdiger Grube und RWE-Vorstand Jürgen Großmann unterzeichneten gestern in Frankfurt am Main öffentlichkeitswirksam einen entsprechenden Liefervertrag.

Ab 2014 erzeugen diese Kraftwerke insgesamt acht Prozent des Bahnstroms.Auch jetzt bezieht die Bahn schon 17,3 Prozent ihrer Energie aus Wasserkraft. Dem Konzern gehören sogar zwei eigene Kraftwerke, die schon seit 1899 beziehungsweise 1914 Bahnstrom produzieren: das Kraftwerk Kammerl im Oberammergau sowie das Kraftwerk Bad Reichenhall nahe der österreichischen Grenze bei Salzburg. Wind und Biomasse machen mit 2,5 Prozent den geringsten Anteil am Strommix der Bahn aus. Die beiden brandenburgischen Windparks, deren Ertrag sich die Bahn gesichert hat, bringen es derzeit auf 74 Millionen Kilowattstunden.

 
RWE-Chef Jürgen Großmann und Bahn-Chef Rüdiger Grube bei der Vertragsunterzeichnung in Frankfurt/Main (Foto: Deutsche Bahn AG)

"Klimaschutz ist uns ein sehr wichtiges Anliegen", verkündete Rüdiger Grube. "Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit RWE unseren Bahnstrom noch ‚grüner’ machen und die CO2-Emissionen so weiter senken können." Derzeit stammen knapp 20 Prozent des Bahnstroms aus erneuerbaren Quellen. Ab 2014 sollen es mit Hilfe der nun gesicherten Kapazitäten 28 Prozent sein. Die nächste Zieletappe liegt bei 30 bis 35 Prozent im Jahr 2020. Bis 2050 will die Bahn sogar vollständig erneuerbar fahren.

Der Verkehrclub Deutschland bezeichnete den Vertrag mit RWE zwar als einen Schritt in die richtige Richtung. "Die zukünftige Nutzung von Wasserkraft und damit vermehrte Nutzung von Ökostrom aus Deutschland ist ein gutes Signal für die Branche", lobte Michael Ziesak, Bundesvorsitzender des VCD. "Aber es ist noch kein Meilenstein.“ Ziesak bemängelte, dass sich die Deutsche Bahn für den Klimaschutz feiern ließe, gleichzeitig aber am Neubau des Steinkohlekraftwerks Datteln 4 festhalte. Der Strombedarf sei mit Erneuerbaren allein mittelfristig nicht zu decken, hatte Hans-Jürgen Witschke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bahntochter DB Energie, im Juni gegenüber klimaretter.info gesagt.


Das 6,4-Megawatt-Wasserkraftwerk Reichenhall erzeugt schon seit 1914 Grünstrom für die Bahn. (Foto: wikipedia)

"Wer 30 Prozent Strom im Jahr 2020 aus erneuerbaren Quellen nutzen will, muss sich auch Gedanken machen, wo die anderen 70 Prozent herkommen", sagte Witschke. Zudem werde der Markt für Grünstrom immer enger, weil die Nachfrage nach Fukushima erheblich gestiegen sei. Nicht nur unter dem Eindruck der Bilder aus Japan allein hatte sich die Bahn nach neuen Energiequellen umgesehen. Mit der Abschaltung des Atomkraftwerks Neckarwestheim I ist ihr auch ein wichtiger Stromlieferant verloren gegangen. Bisher bezieht die Bahn ein gutes Fünftel ihrer Energie aus Atomkraft, 50 Prozent werden durch Stein- oder Braunkohle und acht Prozent durch Gas erzeugt.

Kann der forcierte Umstieg des größten deutschen Stromverbrauchers auf Ökostrom als Aufbruchsignal dafür verstanden werden, dass nun auch vermehrt andere Großkonzerne Ökostrom nachfragen? Wohl eher nicht, heißt es aus der Industrie. "Man kann sicher sagen, dass Kunden, die einen unmittelbaren Endkundenkontakt haben, hier in einer anderen Rolle sind als Industrieunternehmen, die sich mit ihrer Produktion eher im internationalen Wettbewerb behaupten müssen", kommentierte Carsten Rolle vom Bundesverband der Deutschen Industrie gegenüber dem ZDF. Der Schritt der Bahn sei nicht ohne Weiteres auf andere Branchen übertragbar.


Ein Drittel des Fernverkehrs wird - rein rechnerisch - in Zukunft mit Wasserkraft fahren. (Foto: Paul Langrock/BSW Solar)

Für das Klima hat der Schritt der Bahn zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen. Alle 16 Wasserkraftwerke sind nach Aussage von RWE nicht eigens für die Bahn in Betrieb genommen worden, sondern waren auch schon zuvor am Netz. RWE garantiert dem Bahnkonzert mit dem Vertrag lediglich, "dass im Umfang der physischen Stromlieferung an die Deutsche Bahn Strom aus den RWE-Wasserkraftwerken in das Netz eingespeist wird." Mit Hilfe von Herkunftsnachweisen wird der eingespeiste Strom dem Verbraucher Bahn zugeordnet. Entscheidend ist nun vor allem, welche Investitionen RWE mit den Einnahmen tätigen wird und ob diese dem Ausbau der Erneuerbaren zugute kommen. Das Investitionsvolumen der RWE-Tochter Innogy beträgt für die Jahre 2011 bis 2013 insgesamt 3,9 Milliarden Euro. Je größer der Mittelzufluss durch Stromverkauf, desto mehr Flexibilität habe man für Investitionen, hieß es aus der Konzernzentrale. In den kommenden Jahren will RWE 20 Prozent seiner Gesamtinvestitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken.

 

 

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