RWE: Kein Kohlendioxidlager im Norden
Große Vorbehalte von Bürgern und Politik haben den Energiekonzern einer Sprecherin dazu bewogen, genehmigte Konzessionen wieder zurückzugeben. CCS bleibe aber "wichtig für den Klimaschutz".
Aus Berlin Johanna Treblin
Vattenfall scheint allein auf weiter Flur – Der Energiekonzern RWE hat sämtliche Konzessionen zur Erkundung von Kohlendioxidlagern in Schleswig-Holstein zurück an das zuständige Landesbergamt gegeben. Der Grund: Fehlende Akzeptanz in Politik und Bevölkerung. "Aus heutiger Sicht" will RWE auch keine neuen Konzessionen beantragen. Damit ist Vattenfall der einzige Energiekonzern, der in Deutschland derzeit auf die Kohlendioxidspeicherung setzt.

Greenpeace-Protest am RWE-Kohlekraftwerk Grevenbroich 1995. Damals gegen Kohle, heute auch gegen Kohlendioxidspeicherung. (Foto: Sabine Vielmo / Greenpeace)
"Wegen großer Vorbehalte in Gesellschaft und Politik halten wir die Kohlendioxidspeicherung für nicht durchsetzbar", sagte Carolin Flemming, Sprecherin von RWE Dea, gegenüber klimaretter.info. Das Hamburger Unternehmen ist Teil des RWE Konzerns und zuständig für die Exploration und Produktion von Erdgas und Erdöl. Die CCS-Pläne (Carbon Capture and Storage, Abspaltung und Speicherung) von RWE sind damit allerdings nicht gestorben. RWE halte CCS nach wie vor für interessant und wichtig für den Klimaschutz, so Flemming.
Zur Zeit betreibt der Konzern mit Vattenfall und Eon eine Testanlage zur Bewertung des Risikos der Kohlendioxidspeicherung in Ketzin in Brandenburg. Injiziert wird reines CO2. An Deutschlands größtem Kohlekraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen erprobt RWE in einer Versuchsanlage verschiedene Verfahren zur Abtrennung von Kohlendioxid aus den Kraftwerksabgasen. Offiziell in Betrieb ging die Anlage 2009. Mitte März 2011 teilten RWE und die beteiligten Kooperationspartner Linde und BASF mit, einen Langzeitversuch starten zu wollen. Bis 2013 sollen sechs Millionen Euro in den Betrieb investiert werden. Vier Millionen davon sind Fördergelder des Wirtschaftsministeriums.
Pipeline von Nordrhein-Westfalen nach Schleswig-Holstein
Für die jetzt zurückgezogenen Konzessionen für das Nördliche Schleswig-Holstein und für Oldenburg-Holstein ist vor allem das CCS-Versuchskraftwerk in Köln-Hürth interessant. Das abgeschiedene CO2 aus diesem CCS-Kraftwerk, das ursprünglich bereits Anfang 2015 ans Netz gehen sollte, sollte über eine Pipeline aus dem nordrhein-westfälischen Hürth bis nach Schleswig-Holstein geleitet und dort unterirdisch gespeichert werden.
Im November 2009 legte RWE die Pläne jedoch bereits auf Eis. Grund sei das noch ausstehende CCS-Gesetz und die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung für die Kohlendioxid-Einlagerung, hieß es derzeit. "Ohne diesen Rahmen kann die Aufsuchung geeigneter Speicherstätten nicht stattfinden. Ohne CO2-Speicher kann die Trasse für die Pipeline nicht geplant werden. Ohne Pipeline und Speicher ist wiederum der Bau eines auf CCS ausgelegten Kraftwerks im Sinne des Klimaschutzes nicht vertretbar und nicht sinnvoll", erklärt RWE auf seiner Webseite.

RWE-Versuchsspeicher Ketzin in Brandenburg. (Foto: GFZ)
Ein CCS-Gesetz scheiterte in den vergangenen Jahren immer wieder, da unter anderem Schleswig-Holstein und Niedersachsen keine Möglichkeit sahen, die Technologie auf ihrem Territorium zu verbieten. Im aktuellen Gesetzentwurf ermöglicht eine Länderklausel, Landesgesetze zu erlassen, um zu bestimmten, "dass eine Erprobung und Demonstration der dauerhaften Speicherung nur in bestimmten Gebieten zulässig ist oder in bestimmten Gebieten unzulässig ist".
Damit scheint nun auch RWE die Kohlendioxidspeicherung in Schleswig-Holstein als gestorben anzusehen. Übrig bleibt nun einzig Vattenfall – der Konzern will in Brandenburg Kohlendioxid abspalten und speichern. Brandenburgs rot-rote Regierung ist die einzige Landesregierung, die sich für CCS ausspricht. Ein Gesetz, das anderen Bundesländern die Möglichkeit gibt, die Technologie auf ihrem Gebiet auszuschließen, will das Land aber nicht mittragen.
Offshore kann gespeichert werden
Schließlich bleibt auch noch das Meer vor der deutschen Küste: In einer Parlamentarischen Anfrage fragte die Grüne Bundestagsabgeordnete Ingrid Nestle, wie die Bundesregierung plane, den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu ermöglichen, auch in ihren Küstengewässern in Nord- und Ostsee die Kohlendioxidspeicherung zu verhindern. Gar nicht, antwortete Jochen Hohmann, Staatsminister im Bundeswirtschaftsministerium. Der entsprechende Paragraph im Gesetzentwurf, nach dem die Speicherung in bestimmten Gebieten ausgeschlossen werden kann, gelte lediglich für Bundesländer selbst.
"Die CCS-Länderklausel ist eine Farce", kommentiert daraufhin Ingrid Nestle. "Nur 22 km (12 Meilen-Zone) trennen SH und Niedersachsen davon, zum größten CO2-Versuchslabor der Bundesregierung zu werden. Röttgen und Brüderle lassen sich das Tor zur CO2-Welt offen." Dieses Tor steht damit auch RWE weiter offen.
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