Areva: Atomgeschäfte gehen weiter
Die Welt nach Fukushima: In einer Serie beleuchtet klimaretter.info die Auswirkungen auf die Welt. Eigentlich kann einem Atomkonzern wie Areva nichts Schlimmeres passieren als ein Fukushima. Doch von Depression keine Spur: Der Konzern hält schon wieder Ausschau nach neuen Geschäftspartnern und die Areva-Chefin wird als Retterin gefeiert.
Aus Paris Susanne Götze, aus Berlin Felix Werdermann
Seit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima laufen die Geschäfte des französischen Atomkonzerns Areva schlecht: Wichtige Partner in China, Südafrika, Indien und Deutschland sind ins Zweifeln gekommen, haben Moratorien verhängt und Neubauten in Frage gestellt. Sogar die französische Behörde für nukleare Sicherheit (Autorité de sûreté nucléaire), denkt seit kurzem darüber nach, den Bau des französischen Druckwasserreaktores EPR auszusetzen.
Doch trotz allen Unkenrufen, sieht die Atomwirtschaft auch nach der Katastrophe in Fukushima großes Potential für neue Reaktoren. Nach einer interne Einschätzung Arevas gebe es außerhalb Japans keinen Grund, die atomaren Ausbaupläne zu stoppen. Neubauten könnten sich jedoch verzögern, weil eventuelle neue Sicherheitsstandards vorgeschrieben würden. Das französische Netzwerk "Atomausstieg" hatte ein entsprechendes Firmenpapier im Internet veröffentlicht. Es handelt sich um eine vorläufige Einschätzung der Auswirkungen von Fukushima auf die Atomindustrie vom 25. März, also zwei Wochen nach dem Unfall.
In Arevas Analyse heißt es, die meisten Länder mit Atomkraftwerken hätten "rational" reagiert. Sie blieben bei der Einschätzung, dass Atomenergie notwendig sei; würden nicht auf der "Welle der Emotionen" surfen; und wollten aus der "Japan-Krise" lernen. Die meisten Länder hätten Sicherheitsüberprüfungen der bestehenden Anlagen geplant. "Nur Deutschland hat direkt strengere Maßnahmen angekündigt."
Neue Chancen für die Areva-Chefin
Auch für die Chefin des Atom-Konzerns Areva, Anne Lauvergeon, kommt der Gau genau richtig. Im Juni läuft ihre Amtszeit an der Spitze des Unternehmens aus und sollte eigentlich nicht mehr verlängert werden. Das könnte sich durch Fukushima nun ändern. Als Atomexpertin arbeitet Lauvergeon nun mit dem japanischen Betreiber Tepco zusammen, um an den beschädigten Meilern noch zu retten, was noch zu retten ist.
In diesen schweren Zeiten, brauche es eine Expertin an der Spitze des Konzerns, die Erfahrung in allen Bereichen der Kernkraft mitbringe, heißt es nun wohlwollend vom französischen Staat, der Haupteigner von Areva ist. So wird die Areva-Chefin nun zum Aushängeschild für die französische Regierung. Dabei könnte es Anne Lauvergeon gelingen, durch die Japan-Krise ihren eigenen Posten zu sichern und das Image von Areva sogar noch aufzubessern.
Atomkraftgegner werfen Areva "Zynismus" vor
Das französische Netzwerk "Atomausstieg" wirft dem Konzern vor, offiziell den Helfer zu spielen und bei der Eindämmung der Katastrophe zu helfen - intern jedoch wird bereits zu analysieren, wie sich die zukünftigen Geschäfte entwickeln könnten. Die französischen Atomkraftgegner sprechen deshalb von "Zynismus".
Mit ihren Mahnungen stehen die Atomkraftgegner aber auch nach der Katastrophe eher allein. Selbst die französischen Sozialisten wollen sich nicht offen zu einem Atomausstieg bekennen und gegen den Konzern Areva wird selten ein kritischen Wort laut, denn schließlich ist dieser Staatseigentum. Es ist sicher kein Geheimnis, dass es Areva nach Fukushima um reine Geschäftsinteressen geht – vor allem wenn deren Chefin, Anne Lauvergeon, eine Möglichkeit sieht, ihren Posten in die nächste Amtszeit zu retten.
Aufgrund von Rivalitäten und einigen gravierenden Niederlagen des Konzerns, wurde in den letzten zwei Jahren eifrig am Chefsessel der 51-Jährigen gesägt. Als ihr größter Rivale gilt der Chef des französischen Stromkonzerns EDF, Henri Proglio. Dieser kritisierte die Areva-Chefin aufgrund ihrer Unternehmenspolitik heftig und es gelang ihm, auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy auf seine Seite zu ziehen. Der EDF-Chef forderte seit langem, dass Areva zerschlagen wird, damit er die Führung wichtiger Unternehmensbereiche übernehmen kann.
Neue Reaktoren sind teurer als geplant
Ursache der schlechten Bilanz der Areva-Chefin war unter anderem der schleppende Bau der EPR-Reaktoren, Druckwasserreaktoren der dritten Generation. Aufgrund der EPR-Baustelle in Nordfrankreich klafft ein ständiges Finanzloch im Konzern, sodass der französische Staat mit hunderten Millionen Euro nachhelfen muss. Ebenso wie der EPR-Reaktor in Finnland, verzögert sich der Bau und verschlingt jährlich mehr Steuergelder. Endgültig verscherzt hatte es sich die Areva-Chefin dann mit dem Präsident nach einer Ausschreibungspleite: 2008 verlor Frankreich einen Milliardenauftrag zum Bau von vier Atomkraftwerken in Abu Dhabi an ein südkoreanisches Konsortium.

Im finnischen Olkiluoto dauert es noch eine ganze Weil, bis der EPR-Reaktor fertig sein wird. (Foto: atomforum.ch)
Letzten Sommer hatte Präsident Sarkozy dann einen vorläufigen Schlussstrich unter die Streitereien der beiden Unternehmensbosse Proglio und Lauvergeon gezogen: Auf Rat des ehemaligen EDF-Chefs François Roussely sollte Areva die Verantwortlichkeit für Auslandsaufträge entzogen werden und EDF Haupteigner des Areva-Konzerns werden. Das könnte nun obsolet werden.
Das 2001 entstandene Unternehmen Areva ist das größte seiner Art weltweit: Es bedient die gesamt Wertschöpfungskette der zivilen Atomenergie: Vom Uranabbau in Afrika bis hin zur Wiederaufarbeitung der Brennstäbe im französischen La Hague und den kompletten Bau von Atomkraftwerken, einschließlich der Planung neuer Kraftwerkstypen, die sogenannte dritte Generation.
Die Welt nach Fukushima - bislang erschien in unserer Serie:
Afrikas atomare Träume - aus Nairobi Marc Engelhardt
Warten auf das Glühwürmchen Nr. 3 - aus Porto Alegre Gerhard Dilger
Finnland, das Japan des Nordens - aus Stockholm Reinhard Wolff
In Russland ändert sich nichts - aus St. Petersburg Angelina Davydova
Schwedens AKW sind keine Japaner - aus Stockholm Reinhard Wolff
Stars und Stripes und die Atomkraft - aus Washington Arne Jungjohann
Thais wollen keine Atomkraft mehr - aus Bangkok Christian Mihatsch
Frankreichs Atomgegner wittern ihre Chance - aus Paris Susanne Götze
100.000 halten Mahnwache - aus Berlin Nick Reimer
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 22 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Die Welt nach Fukushima: In einer Serie beleuchtet klimaretter.info, welche Auswirkungen das Reaktorunglück auf die Atompläne einzelner Länder hat. Heute: Frankreich. Drei Monate nach dem Atom-GAU in Fukushima demonstrierten Atomgegner in Frankreich für einen schnellen Ausstieg. Unter ihnen auch viele Exil-Japaner.
In mehr als 400 deutschen Städten halten Atomstrom-Gegner Mahnwachen für die Opfer in Japan ab: Vor dem Kanzleramt ist die Opposition prominent vertreten, aber für Gabriel, Roth, Trittin und Co. wird die Mahngewache richtig schmerzhaft. Bundeskanzlerin Merkel will heute erste Atomkraftwerke abschalten lassen, während die Lage in Japan aus dem Ruder gerät.
Die Welt nach Fukushima: In einer Serie beleuchtet klimaretter.ino die Auswirkungen auf die Welt. Heute: Frankreich, dass nach den USA weltweit die meisten Atomkraftwerke unterhält. Seit in Japan der GAU droht, haben Atomkraftkritiker in Frankreich wieder eine Stimme. Eine Debatte um ein Ende der Atomkraft wie in Deutschland hatte Frankreich noch nie – doch genau das könnte nun kommen.
Nachdem sich in Reaktor 3 kurzfristig der Druck erhöht hatte, ist dieser wieder gesunken
Auch am zweiten Tag der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima ist das Ausmaß der Katastrophe unklar. Samstag Vormittag kam es zu einer Explosion, die das Reaktorgebäude zerstörte. Die japanische Regierung hat eine Kernschmelze zunächst bestätigt, später jedoch wieder dementiert. Unklar ist zur Zeit auch, wie der Zustand von vier weiteren AKWs und einer Wiederaufarbeitungsanlage ist, in denen ebenfalls Probleme gemeldet wurden.
Nach Informationen französischer Atomkraftgegner startet der Atommülltransport nach Gorleben einen Tag eher als geplant
Ein Jahr nach Fukushima: Die Atomlobby will glauben machen, dass alles so weiter gehen wird wie bisher. Die Faktenlage ist eine andere. Auftragsstornierungen, Massenabschaltungen und explodierende Kosten haben die Atomkraft weltweit nun auch faktisch zu dem gemacht, was sie seit Jahren ist: ein Auslaufmodell. 
Reaktor 1 soll wieder Strom haben, Reaktor 2 im Laufe des Samstags folgen
Kühlung mit Löschfahrzeugen wird fortgesetzt. Tepco: Regierung beschließt Todesurteil für Mitarbeiter
Nach dem Erdbeben in Japan kam es im Atomkraftwerk Fukushima möglicherweise zu einer Kernschmelze. Explosion zerstört Reaktorgebäude, Dach eingestürzt. Behörden befürchten weit über 10.000 Tote.
Gebäude des Reaktor 3 total zerstört, im Reaktor 2 sollen die Brennstäbe frei liegen
Die Welt nach Fukushima: In einer kleinen Serie beleuchtet klimaretter.info, welche Auswirkungen das Reaktorunglück auf die Atompläne einzelner Länder hat. Heute: Schweden, das sich selbst gern als Atomtechnik-Vorreiter sieht. Dummerweise weist nun ausgerechnet das "Entsorgungskonzept" grobe Mängel aus.
Japan will wegen Fukushima sein Klimaziel nach unten drücken
Arbeiter sollen mit einem Flüssigglas-Gemisch die undichte Stelle geschlossen haben
Die Welt nach Fukushima: Auf keinem Kontinent sind so viele Atomkraftwerke im Bau wie in Asien. Während in Thailand die Regierung aber nun auf Distanz zu den Bauplänen geht, halten die meisten Länder weiter an der Nukleartechnik fest. 


