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Siemens will fünf neue Windfabriken

Der Konzern erinnert sich an seine Wurzeln: die Zukunft Stromerzeugungs-Technologie. Gegen das boomende Geschäft mit fossiler Kraftwerkstechnologie nimmt sich allerdings der Umsatz des "grünen Geschäftsbereichs" eher mager aus.

Aus Berlin Nick Reimer

Das erste Kraftwerk, dass je in einem Haus installiert worden war, stammte aus den Fabriken von Siemens: 1884 wurde es im Keller des noblen "Cafe Bauer" in der Berliner Friedrichstraße installiert. Strom im Haus - damals eine Sensation. Und die Zukunft für die Menschen und die Firma Siemens. Der Elektrizitäts-Konzern setzt heute 76 Milliarden Euro jährlich um und gibt 405.000 Menschen Lohn und Brot.

Jetzt will Siemens wiederum dabei sein,wenn es um den Aufbruch in eine neue Zukunft geht: Siemens soll zum drittgrößten Windkraftanlagen-Bauer auf der Welt werden - hinter der dänischen Vestas und der US-amerikanischen General Electric. "In zwei bis drei Jahren werden wir zwölf Fabriken in sieben Ländern haben, heute sind es erst sieben", erklärte René Umlauft, Chef für den Bereich Erneuerbare Energien,  gegenüber der Wirtschaftswoche.

Umlauf ist sich sicher, dass bereits heute erste Windparks schon so billig Strom wie fossile Kraftwerke produzieren. "In Deutschland wird Windstrom auf dem Festland in vier bis fünf Jahren wettbewerbsfähig sein", sagte Umlauf. Der aus Siemens-Windkraftanlagen erzeugte Strom koste dann nicht mehr 6 Cent pro Kilowattstunde wie heute, sondern nur noch 4 bis 4,5 Cent. Offshore-Anlagen auf dem Meer werden dieses Preisniveau Umlauf zufolge in zehn Jahren erreichen, bei Sonnenstrom werde es noch länger dauern.

Allerdings weht dem Chef der Erneuerbaren Sparte ein kalter Wind in seiner Firma entgegen: Während nämlich das Geschäft mit fossiler Kraftwerkstechnik boomt, brechen der erneuerbaren Sparte die Auftragseingänge weg. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres - bei Siemens beginnt das am 1. Oktober - gingen 40 Prozent weniger Bestellungen für die grüne Kraftwerkstechnik ein als im Vorjahr. Die Financial Times hatte berichtet, dass Siemens aktuell Aufträge in Höhe von 10 Milliarden Euro abzuarbeiten hat. Lediglich 945 Millionen entfallen davon allerdings auf die grünen Technologien.

Das liegt auch daran, dass in diesem Bereich die Windkraft derzeit mit Abstand den größten Anteil hat. Die Windbranche aber ist in einer Flaute, 1.551 Megawatt neu installierte Windleistung im vergangenen Jahr in Deutschland bedeuten im Vergleich zu 2009 einen Rückgang um 19 Prozent. Weniger Windräder als 2010 wurden nur in den 90er Jahren verkauft.

Beispielsweise ist für Siemens die Stromerzeugung aus Sonnenenergie bislang ein Nischengeschäft. Das soll sich nun ändern: In der vergangenen Woche unterschrieb Siemens ein Rahmenabkommen mit dem chinesischen Branchenführer Suntech. In den vergangenen sieben Monaten hatte Siemens Aufträge für Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von über 80 Megawatt aus sechs Ländern erhalten, Suntech soll dafür die Module liefern.

Bis 2014 will Siemens den grünen Umsatz von 28 Milliarden Euro auf 40 Milliarden Euro steigern. Hauptproblem dürfte aber sein, dass dieser Zweig einfach wesentlich unrentabler ist als andere im Konzern. So schrumpfte die Rendite des grünen Geschäftszweigs  von 4,8 Prozent im Jahr 2009 auf nur noch 4,2 Prozent im Jahr 2010. Das sind 60 Prozent weniger, als die Siemens-Aktionäre sonst pro investiertem Euro sind. Mit dem Verkauf von Medizintechnik oder fossiler Kraftwerkstechnologie erwirtschaftet Siemens im Durchschnitt eine Rendite von zwölf Prozent.


Die Siemenshauptversammlung 2010: noch greiffen die Aktionäre den Kurswechsel zu grünen Technologien nicht offen an. (Fotos: Siemens, Grafik BWE)

Noch allerdings wird die Renditen-Schere von den Aktionären nicht angetatstet. Auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche gab es Murren allenfalls hinter der Hand. Der Kurs auf mehr grünen Umsatz ist von der Konzernleitung gedeckt. "Die grüne Revolution lohnt sich", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Heute sei Siemens der grüne Infrastrukturpionier. Und dann rief er den rund 8.000 Aktionären in der Münchener Olympiahalle zu: "Der Riese ist wach, er ist stark, entschlossen, und er weiß, was er kann und will."

 

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