"Starke Stimme für Energieeffizienz"
In Berlin hat sich die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) gegründet - die in enger Kooperation mit bestehenden Fachverbänden und der Zivilgesellschaft für eine bessere Nutzung der Energie eintreten will. Klimaretter.info sprach mit dem Geschäftsführenden Vorstand, Christian Noll, über den neuen Industrieverband.
Herr Noll, Energieeffizienz ist ein sehr vielschichtiges Thema. Was tun sie genau?
Christian Noll: Wir sehen uns vor allem als politische Interessenvertretung. Unser Ziel ist es - zum Beispiel in der Gesetzgebung - darauf hinzuwirken, dass Produkte und Dienstleistungen, die Energie sparen, bessere Marktbedingungen bekommen. Das reicht in viele Bereiche hinein, zum Beispiel bis ins Mietrecht, wenn es darum geht, Hemmnisse für Gebäudesanierungen abzubauen. Oder es geht ins Erbrecht, wenn ältere Menschen ihr Haus sanieren, zugleich aber absehbar ist, dass sie die Amortisation der Maßnahme nicht mehr erleben.
Sie wollen das Wissen in allen diesen Rechtsgebieten selbst aufbauen?
Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, es gibt zu den meisten Fragen bereits gute Konzepte. Unser Ziel ist es vielmehr, diese Ideen auch tatsächlich zusammenzuführen und ihnen im politischen Prozess eine Stimme zu geben. Um nur eines von vielen Beispielen zu nennen: Es gibt seit längerem bereits die Idee, ökologische Mietspiegel zu etablieren und so die energetischen Merkmale der Immobilien zu berücksichtigen. Aber sie ist bisher nur in ein, zwei Modellregionen ein Thema - dieser erprobte Ansatz kann und muss jetzt bundesweit umgesetzt werden.

Mehr Effizienz beim Energieverbrauch: Dafür will sich die DENEFF einsetzen. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Es gibt zwei typische Wege der Politik, Energiesparen zu fördern: das Ordnungsrecht, indem man Vorschriften erlässt, oder das Finanz- und Steuerrecht, indem man Energieverbrauch verteuert und Sparen attraktiver macht. Was liegt ihnen näher?
Was die Energiebesteuerung betrifft, sind wir zum Beispiel mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), dem früheren "Förderverein Ökologische Steuerreform" im Gespräch. Wir glauben aber, dass eine reine Steuerung über den Preis dort Grenzen hat, wo Menschen durch Energiepreise in die Armut getrieben werden oder deutsche Mittelständler hierdurch massive Nachteile gegenüber ihrem Wettbewerb - zum Beispiel aus Fernost - erfahren.
Entsprechend bevorzugen wir vielmehr einen intelligenten Mix aus Fordern und Fördern: Zum einen verbindliche, langfristig-gestufte ordnungsrechtliche Zielvorgaben. Zum anderen muss hierfür ein konsistentes Finanzierungsmodell erstellt werden. Hier können zum Beispiel steuerliche Anreize aber auch staatliche Förderung oder marktliche Finanzprodukte wie etwa spezielle Investmentfonds für Energieeffizienz eine Rolle spielen. Und zu guter Letzt müssen die Rahmenbedingungen für Serviceleistungen wie zum Beispiel unabhängige Energieberatungen oder Einspar-Contracting geschaffen oder verbessert werden.

Gründungsrunde der DENEFF mit (links) Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). (Foto: DENEFF)
Sie starten mit dem Gebäudesektor, warum?
Weil dort am meisten Einsparungen zu realisieren sind. 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude und viele Gebäude sind energetisch in einem schlechten Zustand. Hier gibt es also viel Potenzial. Hinzu kommt, dass die Sanierung viel regionale Wertschöpfung bringt - sie ist für die Unternehmen vor Ort damit sehr attraktiv.
Die Mitglieder der DENEFF sind Firmen, die zum Beispiel Gebäudetechnik oder Dämmstoffe produzieren, oder einschlägige Ingenieurdienstleistungen anbieten. Machen Sie reine Lobbyarbeit, oder vertreten Sie auch grundsätzliche Ziele von Ökologie und Klimaschutz?
Ich denke, das geht Hand in Hand. Für unsere Mitgliedsunternehmen ist es wichtig zu zeigen, dass die Entwicklung, Verbreitung und der Einsatz energieeffizienter Technologien, Produkte und Dienstleistungen ein zeitgemäßes weil qualitatives Wirtschaftswachstum und zukunftsorientierte Arbeitsplätze bieten. Und zwar genau deswegen, weil im Bereich Energieeffizienz Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sind sondern zusammengehören. Aus diesem Grund pflegen wir auch einen engen Austausch mit Umwelt- und zivilgesellschaftlichen Organisationen: Denn mehr Energieeffizienz ist ein Gewinn für alle - außer natürlich für die
großen fossilen Energieerzeuger und -lieferanten.
Aber beim Gebäudesektor werden Sie nicht stehen bleiben?
Nein, es sollen später drei weitere Schwerpunkte hinzu kommen, nämlich industrielle Prozesse, der effiziente Umgang mit Strom im Haushalt und schließlich auch Transport und Verkehr.
Zur Gründung der DENEFF war auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle anwesend. Wie ist Ihr Verhältnis zur Politik?
Von politischer Seite wurden wir mit offenen Armen empfangen, denn die Politik weiß, dass sie viel Expertenwissen benötigt, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen.
Interview: Bernward Janzing
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